Al Franken Belästigungsvorwürfe gegen US-Demokrat - Senator entschuldigt sich

Der ehemalige Komiker Al Franken soll eine Radiomoderatorin belästigt haben. Sie schilderte den Fall nun ausführlich. Der US-Demokrat - inzwischen Senator - entschuldigte sich. Donald Trump reagierte hämisch.

Al Franken
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Die Serie von Vorwürfen sexueller Übergriffe in den USA hat nun auch die Demokratische Partei erreicht. Die Schauspielerin und Musikerin Leeann Tweeden beschuldigte den Senator und früheren Komiker Al Franken, ihr 2006 im Vorfeld eines gemeinsamen Auftritts vor Soldaten in Afghanistan zu nahe gekommen zu sein. Zudem soll er sie auf dem Rückflug begrapscht haben, während sie schlief. Dabei ließ er sich fotografieren, das Bild veröffentlichte Tweeden selbst, es wird derzeit in sozialen Medien vielfach geteilt.

Franken wurde 2008 für die Demokraten in den Senat gewählt. Zuvor hatte er sich als Radiomoderator und Mitglied der TV-Sendung "Saturday Night Live" einen Namen gemacht. Der 66-Jährige entschuldigte sich: "Es sollte witzig sein, aber das war es nicht. Ich hätte das nicht tun sollen."

Frankens Kollegen im Senat forderten Konsequenzen. Der Fraktionschef der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, will eine Untersuchung des Ethikausschusses. Auch sein demokratischer Amtskollege Chuck Schumer sagte, das Komitee müsse die Anschuldigungen gegen Franken überprüfen. Der erklärte sich zu einer solchen Untersuchung bereit.

Tweeden schilderte am Donnerstag ihre Erinnerungen an den Dezember 2006: Sie war nach Afghanistan gereist, um die US-Truppen zu unterhalten. Mit dabei war auch Franken, der für den Anlass einen Sketch geschrieben hatte. Darin war eine Kussszene vorgesehen, die er laut Tweeden unbedingt habe üben wollen. "Er kam auf mich zu, legte seine Hand an meinen Hinterkopf, presste seine Lippen auf meine und schob mir aggressiv seine Zunge in meinen Mund."

Gegenüber der "Washington Post" sagte Franken: "Ich erinnere mich an die Probe für den Sketch sicherlich nicht in dieser Weise. Aber ich sende meine tiefste Entschuldigung an Leeann." In einer später veröffentlichten Stellungnahme entschuldigte er sich ausführlicher. Über die Aufnahme, bei der er nach den Brüsten der schlafenden Tweeden greift, sagte er: "Es gibt keine Entschuldigung. Wenn ich mir das Foto heute ansehe, bin ich von mir selbst angewidert. Es ist nicht lustig. Es ist vollkommen unangemessen. Es ist offensichtlich, wie Leeann sich durch das Foto verletzt fühlen konnte."

Tweeden sagte, sie akzeptiere die Entschuldigung, aber Franken hätte diese früher aussprechen können.

In den vergangenen Wochen sind in den USA mehrere Fälle von sexueller Belästigung durch Prominente öffentlich geworden. Die Welle von Enthüllungen war dadurch losgetreten worden, dass zahlreiche Schauspielerinnen Vorwürfe gegen den Produzenten Harvey Weinstein und andere Filmschaffende erhoben. Auch dem Senatskandidaten für die Republikaner in Alabama, Roy Moore, werfen mehrere Frauen Übergriffe vor. Der Ex-Richter weist dies zurück.

Ranghohe Konservative wie McConnell distanzierten sich von dem ohnehin umstrittenen Politiker und riefen ihn dazu auf, seine Kandidatur zurückzuziehen. Präsident Donald Trump schloss sich dieser Forderung bislang nicht an. Seine Sprecherin Sarah Sanders sagte am Donnerstag, der Präsident sei der Meinung, dass die Menschen in Alabama entscheiden müssten, wer sie im Senat vertreten solle. Trump halte die Anschuldigungen gegen Moore für "beunruhigend". Er sei der Meinung, dass er auf seine Kandidatur verzichten müsse, sollten sie stimmen.

Moore selbst ging am Donnerstag erneut in die Offensive. Die Parteiführung der Republikaner versuche, ihm die Wahl zu stehlen, erklärte er. Schon bevor die Vorwürfe der Frauen bekannt wurden, galt er innerhalb der Partei wegen seiner extremen Positionen als höchst umstritten.

Sehr viel deutlicher wurde Trump übrigens im Fall von Al Franken: Via Twitter nannte er ihn "Al Frankenstien" und fragte: "Wo wandern seine Hände in Foto Nummer 2, 3, 4, 5 und 6 hin während sie schläft?"

aar/dpa



insgesamt 38 Beiträge
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starboy 17.11.2017
1. Ernsthaft Donald?
Ich habe mich gewundert, dass er überhaupt Mal was zu dem Thema sagt bzw. twittert. "Grap her by the Pussy" War da nicht noch etwas? Als guter Journalist würde ich ihn einmal kräftig durch die Mangel drehen. Danach lässt er solche Kommentare. Er hat in der Vergangenheit ganz sicher schlimmere Sachen mit Frauen abgezogen!
sven2016 17.11.2017
2.
Sind nur Russen, Mafiosi und Grabscher im Senat? Vielleicht sollte jemand die Auswahlkriterien aktualisieren? Dass Trump neidisch ist, kann man verstehen. Mächtig staatsmännisch und dann noch "Frankenstein" falsch schreiben. Irgendwie Dschungel in der US-Politik. Franken sollte seine berufliche Tätigkeit auch überdenken. Zumindest wenn Moore auch kippt.
wokri 17.11.2017
3. Ausgerechnet Trump
Erlaubt sich so einen Tweet? Der Urvater des Grapschens? Er war es doch der zugegeben hat den Frauen zwischen Diez Beine zu greifen. Er sollte allein deswegen abtreten. Ich hier ist er in eine billige Fälle getappt.
frenchie3 17.11.2017
4. So was aber auch
Elf Jahre her, Fotos waren (so entnehme ich das dem Artikel) schon damals bekannt und diese "Neuigkeit" kommt jetzt an's Tageslicht. Mag ja sein daß die Photos nicht lustig sind, aber dieser ofenfrische Tatvorwurf ist doch inzwischen arg ranzig. Langsam fällt es schwer da noch irgendwas ernst zu nehmen.
chalchiuhtlicue 17.11.2017
5. Das Bild zeigt jedenfalls keine Belästigung
Wenn man sich das Bild mal genauer ansieht, dann sieht man, dass seine Hände mehrere Zentimeter VOR ihr sind und sie nicht berühren. Interessant, dass solche Sachen oft nur dann hochkommen, wenn die armen Opfer die neu gewonnene Publicity in finanzielle Vorteile umwandeln können ...
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