US-Staat Alabama Oberstes Gericht setzt Hinrichtung von Demenzkrankem aus

Er sollte mit einer Giftspritze hingerichtet werden: Im letzten Moment hat das Oberste Gericht der USA die Exekution eines Demenzkranken gestoppt. Zuvor hatte die EU sich in einem Appell für den Mann eingesetzt.

Todeszelle in einem Gefängnis in Texas (Archiv)
DPA

Todeszelle in einem Gefängnis in Texas (Archiv)


In den USA hat das Oberste Gericht die Hinrichtung eines dementen Todeskandidaten im letzten Augenblick ausgesetzt. Der 67-jährige Vernon Madison sollte am Donnerstag mit einer Giftspritze getötet werden.

Madison war schuldig befunden worden, 1985 in Mobile im US-Bundesstaat Alabama einen Polizisten getötet zu haben. Er sitzt seit mehr als 30 Jahren in der Todeszelle.

Richter Clarence Thomas teilte mit, die Vollstreckung des Todesurteils sei "bis auf weiteres ausgesetzt". Das Gericht wolle entscheiden, ob es sich weiter mit dem Fall befassen will. Madisons Anwälten zufolge erlitt ihr Mandat in den vergangenen zwei Jahren mehrere Schlaganfälle. Er sei blind, könne ohne Hilfe nicht gehen und leide an Sprachstörungen sowie Inkontinenz.

"Ungewöhnlich grausame Strafe"

An den Grund seiner Verurteilung zum Tod könne er sich nicht mehr erinnern. Jemanden unter solchen Umständen hinzurichten, wäre nach Ansicht der Verteidiger eine ungewöhnlich grausame Strafe und als solche gemäß der US-Verfassung untersagt.

Hinrichtungen seit 1976

Im Prozess gegen Madison hatte die Jury seinerzeit lebenslange Haft empfohlen. Der Richter setzte sich jedoch darüber hinweg und verurteilte den Angeklagten zum Tode. Gemäß eines im vergangenen Jahr in Alabama verabschiedeten Gesetzes haben Richter nicht mehr die alleinige Vollmacht über die Entscheidung zu einem Todesurteil.

Die Europäische Union hatte sich am Mittwoch in einem Appell für Madison eingesetzt. Zur Begründung hieß es, jemanden in dieser geistigen Verfassung hinzurichten wäre ein Verstoß gegen die Menschenrechte.

Doku: Der Kampf gegen das Vergessen - Diagnose Demenz

brt/AFP

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