US-Prozess gegen Deutsche wegen Enkelmordes: Anwälte plädieren auf Schuldunfähigkeit

In Florida muss sich eine 73-jährige Deutsche vor Gericht verantworten, weil sie ihr Enkelkind ertränkt haben soll. Die Verteidigung will auf Schuldunfähigkeit plädieren - die Frau sei seit ihrer Kindheit im Zweiten Weltkrieg traumatisiert.

Apalachicola - Ihr droht möglicherweise die Todesstrafe: Einer 73-jährigen Deutschen wird zur Last gelegt, im US-Bundesstaat Florida ihren fünf Jahre alten Enkel in einer Badewanne ertränkt zu haben. An diesem Freitag beginnt der Prozess gegen die Frau aus Baden-Württemberg. Vor der ersten Anhörung teilten ihre Verteidiger in Apalachicola mit, sie würden auf Schuldunfähigkeit plädieren. Die Anwälte begründeten dies mit Verletzungen, die Marianne B. als Kind bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg erlitten habe.

Der fünfjährige Camden H. wurde im Januar 2010 tot in einem Ferienhaus auf der Insel St. George nahe Apalachicola aufgefunden, wo seine Großeltern mit ihm Urlaub machten. Die Leiche des Kindes wurde vom Mann der Beschuldigten entdeckt, als er vom Einkaufen zurückkehrte. Seine Frau habe ihm gesagt, sie habe den Jungen ertränkt, "damit er nicht in einem geschiedenen Heim aufwächst". Die Eltern des Kindes hatten sich scheiden lassen, als der Junge anderthalb Jahre alt war.

B.s Schwiegersohn, der Vater des Jungen, lehnte eine vorgerichtliche Einigung ohne Prozess ab, zu der die Richter Anklage und Verteidigung ermutigt hatten. Ein Prozess sei die einzige Möglichkeit, herauszufinden, was geschehen sei, sagte der 53 Jahre alter Software-Entwickler der Nachrichtenagentur AP. "Natürlich ist die Tat irrational", sagte er. "Es ist unmöglich, das zu erklären." B. habe nie Zeichen einer psychischen Erkrankung gezeigt, er habe ihr nie misstraut.

In Florida ist bei Mord die Todesstrafe möglich. Ein solches Strafmaß wird in diesem Fall von Beobachtern aber als eher unwahrscheinlich eingeschätzt. Sie verweisen unter anderem auf das Alter der Angeklagten, ihren unbescholtenen Lebenslauf und andere Faktoren.

Der Verteidigung zufolge litt B. zur Tatzeit an einer Kombination von mentalen Gebrechen, Krankheiten und Defekten. Eine schwere Depression habe es ihr unmöglich gemacht, zwischen Wirklichkeit und Wahnvorstellungen zu unterscheiden. Bei einem Bombenangriff 1944, bei dem ihr Vater getötet worden sei, habe sie eine Schädelfraktur erlitten. Dies habe ein posttraumatisches Stresssyndrom zur Folge gehabt.

Zunächst war B. für nicht verhandlungsfähig erklärt worden. Nachdem sie mit Medikamenten behandelt wurde, entschied eine Richterin, dass die 73-Jährige vor Gericht gestellt werden könne.

wit/dapd

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