Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Schlacht um Parkplätze: Wildwest in Boston

Winter in den USA: Ein Parkplatz im Schnee Fotos
AP

Wer im verschneiten Boston einen Parkplatz freischaufelt, darf ihn für zwei Tage reservieren. Manche Einwohner wollen diese Sitte abschaffen - denn sie hat böse Folgen.

Boston - Seit Wochen haben Schneemassen die Straßen von Boston eingedeckt, an einigen Plätzen türmen sich weiße Hügel meterhoch. Und so greifen viele Einwohner der US-Metropole täglich zur Schaufel. Nicht nur um Gassen zu präparieren - sondern auch um Platz zu schaffen für ihre Autos, die trotz Winter draußen parken müssen.

Dabei gelten seit den Siebzigerjahren ungeschriebene Regeln, wie "Boston Globe" und "Daily Mail" berichten. Wer während eines Schneesturms einen Parkplatz freiräumt, darf ihn für die nächsten 48 Stunden behalten - auch wenn er zwischendurch wegfährt. Manche Bostoner markieren ihr Mini-Revier gern mit Gegenständen aus dem Haushalt, auf denen unmissverständliche Warnungen prangen. "Vorsicht" oder "Nicht hier parken".

Zerstochene Reifen, zerkratzter Lack

Wer die Regeln ignoriert, erhält oft eine schmerzhafte Lektion. Viele Fremdparker finden ihr Fahrzeug mit aufgeschlitzten Reifen wieder oder mit Kratzern im Lack. Klare Verstöße gegen das Gesetz, die vermehrt Unmut hervorrufen. Ist jeder Autofahrer ein Schmarotzer, der auf markierte Parkplätze fährt? Vielleicht hat er selbst zuvor geschaufelt, nur woanders?

Für die Darstellung wird Javascript benötigt.

Im Stadtteil South End haben sie von Wildwestmethoden genug. Deshab wurde die 48-Stunden-Regel abgeschafft. Attacken auf Autos seien "nicht zu tolerieren", sagte der Gründer der Initiative South End Forum dem "Boston Globe". "Man muss das als Verbrechen sehen und nicht mit einem Schulterzucken abtun."

Doch die Botschaft ist längst nicht überall angekommen. Jüngst musste das ein Lehrer erleben, der auf einem Parkplatz einen Wagen abstellte, der trotz neuer Übereinkunft markiert war. Als er wiederkam, waren drei seiner Reifen zerstochen. Die Reparatur kostete ihn 550 Dollar, etwa 460 Euro.

sms

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Eine Schaufel
anders_denker 19.02.2015
aus dem Baumarkt und etwas Zeit sind sicher eine günstigere Variante. Generell ist eine solche Regel aber begrüßenswert. Schmarotzertum kann nicht belohnt werden. Wer drei Reifen zersticht hat allerdings auch eines nicht bedacht - mehr als ein Ersatzrad (wenn überhaupt) hat kaum einer im Wagen. Könnte als dafür sorgen das länger als nötig der PP belegt ist!
2. ....
jujo 19.02.2015
Zitat von anders_denkeraus dem Baumarkt und etwas Zeit sind sicher eine günstigere Variante. Generell ist eine solche Regel aber begrüßenswert. Schmarotzertum kann nicht belohnt werden. Wer drei Reifen zersticht hat allerdings auch eines nicht bedacht - mehr als ein Ersatzrad (wenn überhaupt) hat kaum einer im Wagen. Könnte als dafür sorgen das länger als nötig der PP belegt ist!
Who care´s, he has learnt it the hard way. He will never do it again!
3.
Petersbächel 19.02.2015
Irgendwie hat das eine mit dem anderen nix zu tun. In so einer schneereichen Gegend ist diese Regel m.M. nach sinnvoll - und menschenfreundlich. So einen Parkplatz zu "schnorren" halte ich für das Unhöflichste, was man so tun kann. Mit so ner Art Parkscheibe o.ä. ließe sich das sicher auch offiziell regeln. Sollte man auch. Die "Selbsthilfe" durch Sachbeschädigung verrät m.M. nach nur die fehlende Exekutive zur Regel - die Regel abzuschaffen wäre dann eher die falsche Konsequenz. Wenn man die Leute anzeigen könnte, wäre die Katze gebürstet.
4. Berufsmobbing
koenigludwigiivonbayern 19.02.2015
Ich finde die Idee mit dem Teddybären und dem Schild: "Ich habe für diesen Parkplatz einen Bären bekämpft" ausgesprochen witzig, auch wenn danach die Drohung kommt: "Stellen Sie sich vor, was ich mit Ihrem Auto machen werde!". Ich würde von dieser Person keinen hochaggressiven Angriff, sondern eher etwas phantasievoll Witziges erwarten, auch wenn ich gegen die "Regel" verstossen würde. Daß der Berufsmobber von Twitter das als nicht hinnehmbare Aggression darstellt, ist typisch. Fehlt nur noch Nummernschild, Name und Adresse des Täters für den nachfolgenden sozialen "Shitstorm". Das ist nämlich keine Aggression. Das ist die totale Freiheit.
5.
jupp78 19.02.2015
Zitat von anders_denkeraus dem Baumarkt und etwas Zeit sind sicher eine günstigere Variante. Generell ist eine solche Regel aber begrüßenswert. Schmarotzertum kann nicht belohnt werden. Wer drei Reifen zersticht hat allerdings auch eines nicht bedacht - mehr als ein Ersatzrad (wenn überhaupt) hat kaum einer im Wagen. Könnte als dafür sorgen das länger als nötig der PP belegt ist!
Problematisch wird diese Regel aber immer dann, wenn unabhängig von Schnee Parkplätze eh schon rar sind. Kommen dann noch massenweise reservierte Parkplätze hinzu, dann wird es eng.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: