Gerätemängel Mutmaßlich Tausende Eizellen und Embryonen in Fruchtbarkeitskliniken zerstört

In zwei US-Fruchtbarkeitskliniken sind mutmaßlich Tausende Eizellen und Embryonen nach Ausfällen in den Kühlaggregaten zerstört worden. Für viele Paare war die Behandlung die letzte Chance für ein eigenes Kind.

Eizellenbehälter für künstliche Befruchtung (Symbolbild)
Getty Images / Science Photo Library

Eizellenbehälter für künstliche Befruchtung (Symbolbild)


Ausfälle in den Kühlaggregaten zweier Fruchtbarkeitskliniken in San Francisco und Cleveland haben mutmaßlich Tausende eingefrorene Eizellen und Embryonen zerstört oder zumindest stark beschädigt. Was die Ausfälle verursacht hat, ist bislang unklar.

Fest steht jedoch, dass es am 4. März im Medical Center der Universitätsklinik von Cleveland zu einem Stromausfall in den Kühllagern kam. Die Temperaturen stiegen so stark an, dass mutmaßlich 2000 Eizellen und Embryonen beschädigt oder zerstört wurden.

Am selben Tag stellte ein Embryologe der Pacific Fertility Clinic, einer Fruchtbarkeitsklinik in San Francisco, während einer Routineüberprüfung fest, dass der Gehalt flüssigen Stickstoffs im Tank sehr gering war. Das Lager sei umgehend wieder aufgefüllt worden, teilte die Klinikleitung dem "Time Magazine" mit. Auch die Embryonen seien später in einem anderen Kühllager untergebracht worden. Ob und wie viele zerstört oder beschädigt wurden, muss noch geprüft werden.

Ein Zusammenhang zwischen den beiden Vorfällen sei auszuschließen, sagen Experten in den USA. Derartige Ausfälle seien zudem überaus selten. Offenkundig ist jedoch, dass die Vorfälle in den beiden Kliniken zum bislang größten Verlust dieser Art in den USA geführt haben, seit Mediziner vor nahezu vierzig Jahren mit künstlicher Befruchtung von Frauen begonnen hatten.

Das amerikanische Institut für Fortpflanzungsmedizin plant laut eigener Aussage, die Vorfälle in Zusammenarbeit mit den Kliniken zu untersuchen. In der Zwischenzeit prüften Fruchtbarkeitskliniken im ganzen Land Ausrüstung und Verfahren, um sicher zu gehen, dass alles reibungslos funktioniert.

700 Patienten in Cleveland und 500 in San Francisco sind vermutlich betroffen. Einige von ihnen hatten über viele Jahre hinweg versucht, Kinder zu bekommen, andere waren zum Beispiel wegen Krebsbehandlungen zeugungsunfähig geworden. Künstliche Befruchtung war für viele Paare deshalb die letzte Chance, eine Familie zu gründen. Die Behandlung in den Kliniken ist zudem sehr aufwändig und kostet bis zu 15.000 Dollar. Viele Betroffene müssen sich nun vermutlich noch einmal der Behandlung unterziehen. Ob sie die Kosten selbst tragen müssen, steht noch nicht fest.

Für wenige Patienten bleibt wohl ein kleiner Hoffnungsschimmer: Sollte einer Frau ein beschädigter Embryo implantiert und die Patientin trotzdem schwanger werden, sei das Risiko von Geburtsfehlern jedoch nicht höher als sonst, sagen Experten.

Laut "Time Magazine" haben zwei betroffene Paare bereits Klage gegen die Klinik in Cleveland eingereicht.

vik/AP

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