In den USA erschossene Australierin "Justine hätte nicht sterben dürfen" 

Sie wählte den Notruf - und wurde von einem Polizisten erschossen. Der Fall einer getöteten Australierin hält die US-Stadt Minneapolis in Atem. Die Polizeichefin hat sich nun vom schießenden Beamten distanziert.

Polizeichefin Janee Harteau
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Polizeichefin Janee Harteau


Die Polizei von Minneapolis hat das Vorgehen eines Beamten im Fall der getöteten Justine Damond scharf kritisiert. "Das hätte nicht passieren dürfen, Justine hätte nicht sterben dürfen", sagte Polizeichefin Janee Harteau. Das Vorgehen des Polizisten laufe allem zuwider, wofür die Behörde stehe.

Damond hatte wegen eines mutmaßlichen sexuellen Übergriffs in einer Seitenstraße der US-Stadt die Polizei gerufen und wurde von einem der herbeigeeilten Polizisten erschossen.

"Das war die Aktion eines Einzelnen", sagte Polizeichefin Harteau. Das Vorgehen entspreche den Werten der Polizei ebenso wenig wie der Ausbildung der Polizisten und den Anforderungen, die die Behörde an die Beamten stellt. Der von Diamond herbeigerufene Polizist sei einwandfrei ausgebildet gewesen.

Warum die Meditations- und Yoga-Lehrerin sterben musste, ist offiziell noch immer unklar. Damond, die seit drei Jahren in den USA lebte, soll sich vor ihrem Haus und nur im Pyjama bekleidet dem Polizeiauto genähert haben. Dort feuerte der Polizist vom Beifahrersitz aus auf sie. Laut Obduktion starb sie an einem Bauchschuss.

Der Polizist wollte sich gegenüber den Ermittlern im Fall nicht äußern. Sein Anwalt, Tom Plunkett, veröffentlichte aber eine Erklärung, in der der Schütze sein Beileid ausdrückt. "Er ging zur Polizei, um der Gemeinde zu dienen und deren Bewohner zu schützen", heißt es darin.

Der Partner des Schützen sagte den Ermittlern, er sei von einem lauten Geräusch aufgeschreckt worden, kurz bevor Damond sich dem Polizeiauto näherte. Keiner der beiden Polizisten hatte seine Körperkamera angeschaltet. Die Polizei wurde deswegen unter anderem von der Bürgermeisterin der Stadt scharf kritisiert.

Die Polizei wolle ihre Richtlinien zum Gebrauch von Körperkameras überprüfen, sagte Janee Harteau. Die Polizeichefin brachte unter anderem eine Technologie ins Gespräch, mit der die Kameras vor jedem Einsatz automatisch eingeschaltet werden.

Ein Nachbar sprach von einer Exekution. Für gut trainierte Beamte habe es keinen Grund gegeben, Damond als Bedrohung zu sehen. "Das ist eine Tragödie, dass jemand, der nach Hilfe ruft, von der Polizei erschossen wird", sagte er. Ermittler hatten eigenen Angaben zufolge keine Waffen am Tatort gefunden.

Der Partner der Getöteten, Don Damond, sagte, er und die Familie hätten fast keine zusätzlichen Angaben darüber erhalten, was nach dem Eintreffen der Polizei passierte. "Wir haben einen unserer Liebsten verloren und suchen verzweifelt nach Informationen." Nachbarn gedachten des Opfers mit Blumen, Kerzen und auf Plakaten.

Der Lebenspartner der Getöteten
REUTERS

Der Lebenspartner der Getöteten

asa/AP

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