USA Polizist erschießt gehörlosen Temposünder

In den USA verfolgte ein Polizist einen gehörlosen Autofahrer, der offensichtlich zu schnell fuhr und nicht stoppte. Dann fiel ein tödlicher Schuss. Nun gibt es schwere Vorwürfe.


Ein Polizist in den USA hat einen gehörlosen Autofahrer erschossen, der einer Aufforderung zum Anhalten nicht gefolgt war. Der Tod des 29-jährigen Fahrers, der sich im Alltag nur durch Gebärdensprache verständigen konnte, werde untersucht, teilte die Verkehrspolizei im US-Bundesstaat North Carolina mit. Der Beamte sei beurlaubt worden.

Der Mann habe den Fahrer wegen überhöhter Geschwindigkeit stoppen wollen, hieß es in einer Erklärung. Nach einer Verfolgungsjagd über mehrere Kilometer sei der Fahrer dann erst vor seinem Haus zum Stehen gekommen. Dort sei es zu einer Begegnung gekommen, in deren Verlauf der Polizist geschossen habe. Die genauen Umstände würden untersucht. Nach Angaben des TV-Senders ABC war das Opfer weiß und Vater eines dreijährigen Kindes.

"Er hat gar nichts gehört"

Informationen des Lokalsender WSOC zufolge war der Fahrer unbewaffnet. Bekannte zeigten sich entsetzt über den Vorfall. "Er hat die Polizeisirene nicht gehört, er hat gar nichts gehört", sagte der Nachbar Mark Barringer dem Sender. Die Schüsse seien "absolut inakzeptabel".

Die Familie des Erschossenen richtete ein Spendenkonto ein, um Geld für die Bestattung zu sammeln. Überschüssige Mittel sollen demnach einer Stiftung zugutekommen, die Polizisten im Umgang mit Gehörlosen schult.

In den USA hatten jüngst mehrere Fälle von Polizeigewalt gegen Afroamerikaner landesweit Proteste ausgelöst. Bei einer Demonstrationen erschoss ein Schwarzer in Dallas Anfang Juli fünf weiße Polizisten aus dem Hinterhalt. Als Motiv soll er Hass auf weiße Polizisten angegeben haben. In der Stadt Baton Rouge tötete später ein Heckenschütze drei Beamte.

In den meisten Ländern ist es gehörlosen Menschen erlaubt, einen Führerschein zu machen. Dazu zählen Deutschland und die USA.

sms/AFP



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