Schuss auf unbewaffneten Afroamerikaner Polizistin wegen Totschlags angeklagt

Nach tödlichen Schüssen auf einen unbewaffneten Afroamerikaner im US-Bundesstaat Oklahoma wird Anklage gegen eine Polizistin erhoben. Die Beamtin muss sich wegen Totschlags verantworten.

Ein achtjähriger Demonstrant fordert mit anderen am 20. September die Festnahme der Polizistin
REUTERS

Ein achtjähriger Demonstrant fordert mit anderen am 20. September die Festnahme der Polizistin


Die Polizistin, die vergangene Woche einen unbewaffneten Afroamerikaner erschossen haben soll, ist wegen Totschlags angeklagt worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft von Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma mit. Das Strafmaß beläuft sich im Falle einer Verurteilung auf mindestens vier Jahre Haft.

Bezirksstaatsanwalt Steve Kunzweiler sagte, es seien zudem Vorkehrungen für die Festnahme der Polizistin Betty Sh. getroffen worden. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge bleibt die Frau gegen eine Kaution von 50.000 Dollar vorerst in Freiheit. Das US-Justizministerium leitete in dem Fall eigenständige Ermittlungen wegen einer möglichen Verletzung von Bürgerrechten ein.

Der Vorfall bei einer Kontrolle am 16. September ist auf zwei Videos, die die Polizei Anfang der Woche veröffentlichte, dokumentiert.

In den Szenen ist zu sehen, wie der 40 Jahre alte Terence Crutcher mit erhobenen Händen langsam auf ein stehendes Auto zugeht. Von hinten nähern sich ihm vier Polizisten mit gezogenen Waffen. Dann fällt Crutcher blutüberströmt zu Boden.

AP/ Tulsa Police Department

Daraufhin zogen sich die Polizisten zurück. Crutcher blieb etwa zwei Minuten allein auf dem Boden liegen, bevor einer der Beamten sich Handschuhe überzog und ihn versorgte.

Laut dem Polizeichef von Tulsa, Chuck Jordan, gab Betty Sh. den Todesschuss ab. Ein Kollege von ihr soll zudem mit einer Elektroschockwaffe auf Crutcher geschossen haben. Die Polizisten waren demnach wegen des mitten auf der Straße abgestellten Wagens herbeigerufen worden.

Das Opfer war unbewaffnet, das Wagenfenster geschlossen

Die Polizistin habe angegeben, der Verdächtige habe nicht kooperiert. Ihr Anwalt sagte, Sh. habe den Schuss abgegeben, als Crutcher sich zum Fenster seines Wagens gebeugt habe. Weder bei dem Toten noch in seinem Auto ist laut Polizei eine Waffe gefunden worden. Laut Crutchers Familie sollen Polizeifotos beweisen, dass das Fenster des Autos geschlossen war.

Staatsanwalt Kunzweiler äußerte Verständnis dafür, dass der tragische Tod zu Spannungen in der Bevölkerung führte. Allerdings bat er darum, das Gerichtsverfahren zu akzeptieren.

In Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina war es in den vergangenen zwei Nächten bei Protesten gegen Polizeigewalt zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Hunderte Menschen waren nach dem Tod Crutchers sowie eines in Charlotte von Polizisten erschossenen Schwarzen, des 43 Jahre alten Keith L. Scott, auf die Straße gegangen. Der Protest begann friedlich, dann eskalierte die Situation.

Am Donnerstag forderten Demonstranten, die Videoaufnahmen, die Scotts Tod dokumentierten, zu veröffentlichen. Die Polizei verweigerte dies jedoch mit der Begründung, dies würde die Ermittlungen in dem Fall unterlaufen.

sun/mxw/Reuters/AP



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