USA Schwarzer stirbt eine Woche nach Festnahme

Freddie Gray wollte sich seiner Festnahme entziehen. Polizisten drückten ihn zu Boden. Dabei wurde er offenbar so schwer verletzt, dass er eine Woche später starb. Seine Familie fordert Aufklärung.


Wieder ist ein schwarzer US-Bürger durch Polizeigewalt ums Leben gekommen. Am 12. April wurde Freddie Gray bei seiner Festnahme in Baltimore schwer an der Wirbelsäule verletzt. Am Sonntag, also genau eine Woche später, ist er gestorben.

Eine Augenzeugin hat die Festnahme mit ihrem Handy aufgenommen. Zunächst liegt Gray auf dem Boden, dann zerren ihn Beamte hoch und schleifen ihn zum Polizeiauto. Gray schreit vor Schmerzen, offenbar hat er Schwierigkeiten, seine Beine zu kontrollieren.

Was dann genau passierte, ist unklar: Nach Angaben des Anwalts seiner Familie, William Murphy Jr., sei Gray in ein Koma gefallen. Sein Rückenmark sei bei dem Übergriff der Beamten schwer verletzt worden. Auch eine Operation am vergangenen Montag konnte sein Leben nicht retten. "Wir glauben, dass die Polizei die Umstände seines Todes so lange geheim hält, bis sie sich eine Version ausgedacht hat, die sie von jeglicher Schuld freispricht", hieß es.

Die Bürgermeisterin von Baltimore, Stephanie Rawlings-Blake, versprach eine umfassende Untersuchung des Vorfalls. "Wir stellen uns dieselben Frage wie viele von Ihnen: Wie wurde Herr Gray verletzt?", so die Bürgermeisterin. Hunderte Menschen versammelten sich am Sonntag zu spontanen Protesten in der Stadt.

Die Polizei von Baltimore hält sich bislang sehr bedeckt und verweist auf die laufenden Ermittlungen. Der stellvertretende Polizeichef Eric Kowalczyk sagte dem Nachrichtensender CNN, die Gegend sei berüchtigt für Gewalt und Drogen. Gray sei geflüchtet, als sich ihm die Beamten näherten. Weshalb sie ihn kontrollieren wollten, hat die Polizei bislang nicht mitgeteilt.

Die Polizei teilte mit, dass bereits 30 Minuten nachdem der Mann auf die Polizeiwache gebracht wurde, ein Arzt eintraf. Anwalt Murphy widerspricht: Er besitze Informationen, dass die Polizei erst nach einer Stunde medizinische Hilfe angefordert habe.

Kowalczyk versprach eine rückhaltlose Aufklärung: "Wir sind genauso auf der Suche nach Antworten wie die Öffentlichkeit."

Der Fall Gray ist der jüngste einer ganzen Reihe fataler Vorfälle zwischen Polizisten und schwarzen Verdächtigen. Im vergangenen Jahr wurde der schwarze Teenager Michael Brown in Ferguson erschossen, in diesem Monat tötete ein Polizist einen unbewaffneten Schwarzen in South Carolina.

syd/AP



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