Mann verklagt seinen Heimatort Streit über Geruch nach "ranzigem Hundefutter"

Ein Mann aus dem US-Bundesstaat findet, sein Heimatort rieche wegen einer Tiernahrungsfabrik wie "ranziges Hundefutter". Jetzt hat er Klage gegen die Stadt eingereicht - weil er sich von ihr bedroht fühlt.

Josh Harms
AP/ACLU of Iowa

Josh Harms


Josh Harms stinkt es gewaltig. Er lebt in Sibley, einem Ort mit 2600 Einwohnern im US-Bundesstaat Iowa - und mit Fabrik zur Verarbeitung von Tierfutter. Diese, so Harms, sorge dafür, dass es in Sibley nach "ranzigem Hundefutter" rieche.

Mit Unterstützung der Bürgerrechtsbewegung American Civil Liberties Union (ACLU) hat Harms nun bei einem Bezirksgericht Klage gegen seinen Heimatort eingereicht. Er möchte so verhindern, dass Vertreter der Stadt ihm mit juristischen Konsequenzen drohen oder dazu zwingen, seine Kritik von seiner Website zu entfernen.

Harms hatte 2015 - zwei Jahre nachdem die Fabrik sich in Sibley angesiedelt hatte - eine Website mit dem Titel erstellt: "Solltest du nach Sibley, Iowa, ziehen?" Damit wollte er auf das seiner Meinung nach mangelnde Engagement der Stadt im Kampf gegen den Gestank aufmerksam machen. In der Fabrik wird unter anderem ein proteinhaltiges Nahrungsergänzungsmittel für Tiere hergestellt - aus Schweineblut.

"Wir sprechen über vergammeltes Blut. Ich frage mich, ob ich einen Arzt aufsuchen sollte, nachdem ich diese Dämpfe eingeatmet habe", schrieb Harms. "Die faulige Luft schien drei bis vier Tage pro Woche über einem Großteil der Stadt zu hängen. An heißen und feuchten Sommertagen war es besonders unangenehm."

Stadt drohte mit Klage

Im Dezember schickte die Stadt Harms ein Schreiben. Mit der Website schade er der Gemeinschaft, hieß es darin. So habe ein Arzt sich geweigert, nach Sibley zu ziehen, nachdem er sich die Einträge durchgelesen habe. Die Website erschwere die Ansiedlung von Unternehmen und neuen Einwohnern und habe negative Auswirkungen auf Haus- und Grundstückspreise.

"Wenn die Website nicht innerhalb von zehn Tagen gelöscht wird, wird der nächste Brief eine Klage sein", hieß es in dem Schreiben weiter. Demnach verwies die Stadt darauf, dass sie bereits gegen die Fabrik vorgegangen sei und das Geruchsproblem inzwischen größtenteils gelöst sei.

Der Gestank möge sich gebessert haben, entgegnete Harms, er bleibe aber ein Problem. "Ich möchte meine Fähigkeiten als Webentwickler nutzen, um zu protestieren und meiner Gemeinde zu helfen."

In seiner Klage heißt es, die Stadt habe sein verfassungsgemäßes Recht auf freie Meinungsäußerung verletzt. Harms strebt eine einstweilige Verfügung an. Diese soll die Stadt davon abhalten, ihm zu drohen oder eine Klage gegen ihn einzureichen. Zudem will er weiterhin mit der Presse darüber sprechen, wie es in Sibley riecht.

wit/AP

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