Geiselnahme in US-Veteranenheim "Es scheint wie der sicherste Ort der Welt"

Eine blutige Geiselnahme erschüttert die USA: Im größten Veteranenheim des Landes wurden drei Frauen getötet. Auch der mutmaßliche Täter überlebte nicht. Noch vor Kurzem soll er selbst in der Einrichtung behandelt worden sein.


Sie feierten den Abschied von Kollegen, als ein Bewaffneter die gesellige Runde stürmte: Im größten Veteranenheim der USA hat ein Mann sich stundenlang mit mehreren Geiseln verschanzt. Dann endete die Geiselnahme tödlich. Als die Polizei nach rund sieben Stunden das Gebäude betrat, waren der mutmaßliche Täter und seine drei Geiseln bereits tot.

Die Tragödie im kalifornischen Yountville begann Freitag Vormittag (Ortszeit). Wie der "Napa Valley Register" berichtet, ging etwa 10.20 Uhr ein Notruf bei der Polizei ein. Der mit einem Gewehr bewaffnete Mann lieferte sich zunächst einen Schusswechsel mit einem Polizisten, der zuerst am Tatort eingetroffen war. Dann betrat der Angreifer die Abschiedsfeier, die in einem der Gebäude des Heims stattfand. Dort verschanzte sich der Mann mit mehreren Geiseln. Später hieß es von den Sicherheitskräften, der Polizist habe Leben gerettet, "indem er den Verdächtigen daran gehindert hat, rauszugehen und weitere Opfer zu finden".

Gegen 10.30 Uhr, so berichten mehrere Medien übereinstimmend, trafen weitere Polizisten und Kräfte des FBI vor Ort ein. Während Sicherheitskräfte das Gelände rund um das Heim sperrten, versuchten Verhandlungsexperten mit dem Geiselnehmer in Kontakt zu treten, um über die Freilassung der Geiseln zu sprechen.

Kein Kontakt mit dem Angreifer möglich

Doch obwohl sie es über Stunden immer wieder versuchten, gelang es nicht mit dem Täter oder den Geiseln Kontakt aufzunehmen. Der Angreifer sei nicht an sein Handy und das Telefon der Einrichtung gegangen. Einige Geiseln hätten den Raum dennoch verlassen können.

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Kalifornien: Tödliche Geiselnahme im "Pathway Home"

Über die Lage der drei verbleibenden Geiseln - alles Frauen, die mit den Veteranen arbeiteten - herrschte bis zum frühen Abend Unklarheit. Gegen 18 Uhr betraten die Polizisten dann das Gebäude und fanden vier Leichen. Medienberichten zufolge erschoss der Geiselnehmer zunächst die Frauen und dann sich selbst.

Ermittlungen könnten noch Tage dauern

Nach der tödlichen Geiselnahme sind noch viele Fragen offen. Die Polizei gab an, dass die Ermittlungen noch einige Tage dauern werden. Die drei Opfer und der Täter wurden mittlerweile identifiziert.

Die drei Frauen arbeiteten für die NGO "Pathway Home", die Veteranen aus dem Irak und Afghanistan dabei unterstützt, Traumata zu überwinden. Unter den Geiseln sei auch die Direktorin des "Pathway"-Programms gewesen, sagte der kalifornische Senator Bill Dodd. Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown sprach von "schrecklicher Gewalt".

Bei dem Täter soll es sich Berichten zufolge um einen 36-Jährigen handeln, der als Soldat im Afghanistan-Einsatz war. Er selbst habe an einem Programm der Organisation teilgenommen, sei vor einigen Tagen aber aus unbekannten Gründen gebeten worden, auszuscheiden.

Waffengewalt sei eine "Seuche"

Der Leiter der kalifornischen Behörde für Kriegsveteranen, Vito Imbasciani, erklärte, er sei "am Boden zerstört". Er sprach den Angehörigen und Freunden der Toten sein Beileid aus. "Diese mutigen Frauen waren versierte Fachleute, die ihre Karriere in den Dienst von Veteranen stellten und eng mit jenen zusammengearbeitet haben, die nach ihrem Einsatz im Irak und Afghanistan Zuwendung brauchten", heißt es in einer Stellungnahme der Organisation "Pathway Home".

Der Fall könnte die laufende Diskussion über eine Verschärfung des Waffengesetzes in den USA nun weiter befeuern. Ein Anwohner der Stadt Yountville sagte dem "Napa Valley Register", er sei von der Tragödie nicht überrascht gewesen. "Es scheint der sicherste Ort der Welt zu sein", sagte er über die Stadt, die knapp 3000 Einwohner zählt. Doch die Waffengewalt in den USA sei eben eine "Seuche".

asc/dpa/AFP



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