Streit um Urinal in San Francisco Kampf dem Klo

Die Stadt San Francisco hat an einem Park ein Pissoir aufgestellt - und muss sich nun vor Gericht verantworten. Christen bangen wegen der Toilette um die Moral - und die Gleichberechtigung der Frau.

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Öffentliche Toiletten haben einen zweifelhaften Ruf und als Touristenattraktion taugen sie wahrlich nicht - aber deshalb gleich vor Gericht ziehen? In San Francisco ist der Streit um ein solches Urinal nun tatsächlich zum Fall für die Justiz geworden: Eine christliche Gemeinde will die Stadt dazu zwingen, das Pissoir wieder zu entfernen.

In der Zivilklage, über die unter anderem der "San Francisco Chronicle" berichtet , führt die Chinese Christian Union of San Francisco vor allem an, die Toilette in der Nähe des beliebten Dolores Parks sei unhygienisch und unanständig: Die mit einem halbrunden Gitter und einer Plane abgeschirmte Einrichtung verströmt demnach "einen widerlichen Geruch", biete keine Möglichkeit zum Händewaschen und "ist eine Beleidigung für Anstand und Moral".

"Das Freilufturinal verletzt die Privatsphäre"

Weiter heißt es in der Klageschrift: "Das Freilufturinal verletzt die Privatsphäre derjenigen, die dieses Pissoir nutzen müssen, aber dazu genötigt werden, ihre Körper öffentlich zur Schau zu stellen und Scham sowie Entehrung in aller Öffentlichkeit erleiden." Die bereits im Februar installierte Toilette diskriminiere zudem Frauen und körperlich behinderte Menschen.

Das umstrittene Urinal ist im Zuge einer 20 Millionen teuren Erneuerungsmaßnahme rund um den Park aufgestellt worden. Insgesamt ließ die Stadtverwaltung von San Francisco mehr als zwei Dutzend Toiletten in der Nähe des Dolores Park aufstellen.

Die Rechtsabteilung der Stadtverwaltung kündigte Widerstand gegen das Begehren der christlichen Gemeinde an. Der Dolores Park sei unter anderem bekannt für "schamlose Sonnenanbeter" und den respektlosen "Hunky Jesus"-Wettbewerb. Das Urinal verhindere in dieser Umgebung, dass Besucher des Parks gegen Wände, in die Büsche oder auf Gehwege pinkelten.

Ein Sprecher der städtischen Rechtsabteilung sagte: "Wenn ich 100 Dinge aufzählen müsste, an denen sich die Kläger wohl am meisten stören, dann hätte ich nicht gedacht, dass diese Sache dabei ist."

mxw/AP



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