In Freiheit fühlt sie sich unsicher Transgender-Bankräuberin schafft es zurück ins Gefängnis

Transsexuelle werden in den USA oft diskriminiert und bedroht, so auch Linda Thompson. Die 59-Jährige wollte daher unbedingt in ein Frauengefängnis. Nun hat sie ihr Ziel erreicht - mit einigem Aufwand.

Bankräuberin Linda Thompson
AP/ Oregon Department of Corrections

Bankräuberin Linda Thompson


Die Geschichte von Linda Thompson ist die eines Bankraubs - und einer offenbar ausgegrenzten, verängstigten Frau: Ein Gericht in Cheyenne im US-Bundesstaat Wyoming hat die 59 Jahre alte Transsexuelle nun zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt - für eine Tat, die sie nur mit einem Ziel begonnen hatte: Thompson wollte wieder in Sicherheit sein, und die erhofft sie sich in Haft.

Um dieses Ziel zu erreichen, hatte Thompson eine Bank in Cheyenne überfallen. Gegenüber einer Angestellten der Filiale behauptete sie, bewaffnet zu sein und ließ sich Tausende Dollar aushändigen. Dann warf sie das Geld in die Luft, setzte sich auf den Boden und wartete auf die Polizei. Im August bekannte sie sich vor Gericht schuldig.

In ihrem Prozess entschuldigte sich die mehrfach vorbestrafte Thompson bei der Kassenbeamtin, die sie bedroht hatte. "Es war nicht meine Absicht, Sie zu verletzen", sagte sie. "Mein Ziel war es, zurück ins Gefängnis zu kommen. Es tut mir Leid, dass Sie darin verwickelt waren."

Polizeifoto von Linda Thompson
REUTERS/ Laramie County Sheriffs Department

Polizeifoto von Linda Thompson

Die Begründung der Angeklagten für ihr ungewöhnliches Verhalten: Seit sie sich entschieden habe, nicht mehr Brian Thompson zu sein, sondern eine Frau, könne sie nicht mehr sicher leben. Erst im Juni war sie aus der Haft entlassen worden für einen anderen Banküberfall, mit dem sie ebenfalls eine Gefängnisstrafe erwirken wollte. Nachdem sie in einem Park erneut attackiert worden sei, habe sie sich für einen weiteren Überfall entschieden.

Stigmatisierung und Suizidversuche

Viele Transsexuelle in den USA scheuen die Öffentlichkeit, etliche leiden unter Stigmatisierung und Ausgrenzung. In den USA unternehmen laut offiziellen Statistiken 41 Prozent der Transmenschen einen Suizidversuch. Bei Teenagern ist die Rate noch höher.

Vor Gericht sagte Thompson zuletzt, sie sei mit jedem Urteil einverstanden. Richterin Nancy Freudenthal jedoch sagte: "Niemand möchte, dass Sie im Gefängnis sterben. Es gibt noch mehr, als seine Haft abzusitzen." Ähnlich äußerte sich Staatsanwalt Stuart Healy: "Ich bezweifle, dass irgendjemand in diesem Gerichtssaal sich vorstellen kann, dass die leidende Linda durch all das in ihrem Leben gegangen ist, um hier zu enden."

Das Urteil fiel entsprechend milde aus, für den Bankraub drohten ihr bis zu 20 Jahre Haft. Die zu sechs Jahren Haft verurteilte Thompson kommt nun in ein Frauengefängnis - und allein das ist schon ein großer Erfolg: 2007 hatte sie die Hauptrolle in einer Dokumentation gespielt. Darin ging es vor allem darum, wie sie in einer Männerhaftanstalt schikaniert wurde.

mxw/AP/Reuters



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