Mordurteil gekippt Unschuldiger kommt wegen Golfplatz-Zeichnungen nach 27 Jahren frei

Valentino Dixon, verurteilt wegen Mordes, malte in Haft Golfplätze. Eine Zeitschrift wurde auf die Bilder aufmerksam - der erste Schritt auf dem Weg zu Dixons Freilassung. Die Geschichte eines Justizskandals.

AP

27 Jahre lang saß Valentino Dixon im Gefängnis, verurteilt wegen Mordes. 27 Jahre lang beharrte er auf seiner Unschuld. Das war keine Lüge, wie sich nun zeigte: Dixons Verurteilung wurde aufgehoben, er verließ das Gericht als freier Mann.

"Das ist das tollste Gefühl der Welt", sagte er, als ihn Unterstützer jubelnd vor dem Gerichtsgebäude in Buffalo im US-Bundesstaat New York empfingen. Auch Dixons 27-jährige Tochter war da. Als er ins Gefängnis kam, war sie noch ein Baby.

Seine Freilassung hat der 48-Jährige seinem künstlerischen Talent zu verdanken. Und Journalisten, die sich für seine Geschichte interessierten.

Dixon war wegen Mordes an einem 17-Jährigen im Jahr 1991 zu mindestens 38 Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte zugegeben, am Tatort gewesen zu sein. Aber er habe nicht geschossen, sondern in einem Laden Bier gekauft, als die Schüsse gefallen seien. Das konnte einen Schuldspruch nicht abwenden.

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Bilder eines unschuldig Inhaftierten: Golf-Idylle aus dem Knast

Im Gefängnis begann Dixon zu malen: Tiere, Landschaften, Menschen. Einem Mitarbeiter fiel das Talent des Mannes auf. Er gab Dixon ein Foto des 12. Lochs auf dem berühmten Golfplatz in Augusta, Georgia, zum Abzeichnen. In Augusta findet jährlich das Masters statt, das renommierteste Golfturnier der Welt.

Dixon hatte nie Golf gespielt. Aber ihm gefiel, was er sah. Es folgten viele weitere Bilder von Putting Greens, Fairways und Sandbunkern, die schließlich ihren Weg zur Zeitschrift "Golf Digest" fanden. 2012 veröffentlichte sie einige der Zeichnungen, einen Essay von Dixon sowie einen Artikel, der seinen Fall beschrieb. "Vielleicht kann ich eines Tages das Spiel spielen, das ich mir bislang immer nur vorgestellt habe", hieß es darin.

Die Artikel machten Gruppen auf den Fall aufmerksam, die sich für die Freilassung unschuldig Verurteilter einsetzen. Die Prisons and Justice Initiative an der Georgetown University begann, sich mit dem Fall zu beschäftigen. Was sie herausfand, ist haarsträubend:

  • Die Staatsanwaltschaft hatte Dixons Verteidiger nicht gesagt, dass auf seiner Kleidung keine Spuren einer Schussabgabe zu finden waren.
  • Der leitende Mordermittler hatte bei dem Prozess nicht ausgesagt.
  • Entlastungszeugen waren nicht gehört worden, weil es Meineid-Vorwürfe gegen sie gab.
  • Bereits wenige Tage nach dem Mord hatte ein anderer Mann namens Lamarr S. gestanden, die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben - er hatte dies sogar in einem TV-Interview gesagt. Er wolle nicht, dass sein Freund Dixon für etwas büßen müsse, das er nicht getan habe.

Dennoch dauerte es viele Jahre, bis die Sache wieder vor einem Gericht landete. Am Mittwoch hatte Lamarr S.- der wegen einer anderen Straftat inhaftiert ist - nun Gelegenheit, sein Geständnis zu wiederholen: "Ich habe die Waffe genommen. Ich habe abgedrückt und die Kugeln kamen geflogen", sagte er. Dixon kam kurz darauf frei.

Wie kann ein Unschuldiger jahrzehntelang im Gefängnis sitzen - obwohl der Täter sogar in einem TV-Interview zugegeben hatte, die tödlichen Schüsse abgefeuert zu haben? Und wie kann es sein, dass Dixon nur freikam, weil eine Golfzeitschrift sich der Sache annahm?

"Vielleicht fängt er sogar an, Golf zu spielen"

Dixons Anwalt Donald Thompson sagte, obwohl es nicht so sein sollte, spielten derartige Fälle erst eine Rolle, wenn sie eine gewisse Aufmerksamkeit in den Medien bekämen. Es sei peinlich für die Justiz, dass eine Golfzeitschrift lange Zeit den Fall am besten dargestellt habe.

"Golf Digest" schrieb, die Behörden hätten einen jungen schwarzen Mann mit Vorstrafen überhastet ins Gefängnis gebracht. Dixon habe früher zwar Kokain verkauft, "aber das macht ihn nicht zum Mörder". Auch Staatsanwalt John Flynn sagte, Dixon sei unschuldig, habe allerdings damals die Mordwaffe zum Tatort gebracht.

Hilfreich für Dixon war auch, dass der langjährige Chef der Staatsanwaltschaft vor einem Jahr seinen Posten verlassen hatte. Er habe immer vor "falschen Freisprüchen" gewarnt, schrieb "Golf Digest". Sein Nachfolger Flynn hingegen sei sehr hilfreich dabei gewesen, Dixon ein neues Verfahren zu verschaffen.

Und nun? "Golf Digest" schrieb, Dixon habe hoffentlich noch gute Jahre vor sich. "Vielleicht fängt er sogar an, Golf zu spielen."

ulz

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