Oklahoma Verpfuschte Hinrichtung - Mörder stirbt nach langem Todeskampf

Im US-Bundesstaat Oklahoma ist eine Hinrichtung per Giftinjektion aus dem Ruder gelaufen. Eine Vene des Verurteilten platzte, der Mann starb erst nach 43-minütigem Todeskampf.

AP/The Oklahoman, Steve Gooch

Oklahoma City - Eine verpfuschte Hinrichtung in Oklahoma befeuert in den USA die Debatte über die Todesstrafe. Clayton Lockett sollte am Dienstagabend in Oklahoma City per Giftspritze hingerichtet werden. Der 38-Jährige war unter anderem wegen Mordes an einer 19-Jährigen zum Tode verurteilt worden.

Lockett wurde zehn Minuten nach der Verabreichung des ersten von drei Medikamenten eines neuen Giftcocktails für bewusstlos erklärt. Beim Spritzen der Substanz platzte allerdings offenbar eine Vene. Lockett war aber offenbar doch bei Bewusstsein und begann drei Minuten später, schwer zu atmen, nach Luft zu ringen, sich zu winden und mit den Zähnen zu knirschen. Zudem versuchte er, seinen Kopf zu heben. Eine Zeugin berichtete, Lockett habe auch unverständliche Laute von sich gegeben.

Die Vorhänge wurden gesenkt, damit die Personen im Zuschauerraum nicht mehr sehen konnten, was in der Todeszelle vor sich ging. Oklahomas Strafvollzugschef Robert Patton ließ die Hinrichtung unterbrechen. Für Lockett kam der Schritt zu spät. Laut der Gefängnisverwaltung starb er 43 Minuten nach der ersten Spritze an einem Herzinfarkt.

"Es war schrecklich mit anzusehen", sagte Locketts Anwalt David Autry. "Es wurde komplett verpfuscht." Eine ebenfalls für Dienstagabend geplante zweite Hinrichtung wurde wegen des Vorfalls ausgesetzt. Oklahomas Gouverneurin Mary Fallin ordnete eine Untersuchung des Vorfalls an und setzte für die kommenden zwei Wochen alle Exekutionen aus. Auch die Staatsanwaltschaft prüft den Vorfall.

Ungetesteter Giftcocktail

Normalerweise wird nach Eintritt der Bewusstlosigkeit ein Mittel verabreicht, das den Todeskandidaten lähmt. Schließlich wird ein Mittel gespritzt, das den Herzschlag stoppt. Laut Patton wurden gerade die Mittel zwei und drei verabreicht, als das Problem erkannt wurde. Deshalb sei unklar, wie viel der weiteren Medikamente in Locketts Körper gelangt sei. Der Giftcocktail bestand aus Midazolam, Vecuronium und Kaliumchlorid.

Probleme mit einem nicht getesteten Exekutionsplan hätten vorausgesehen werden müssen, sagte Anwalt Autry. Die Aussetzung der Hinrichtung habe Lockett auch nicht geholfen. Locketts Verteidiger hatte Auskunft über die bei der Hinrichtung eingesetzten Substanzen verlangt. Das Oberste Gericht verweigerte dies mit der Argumentation, die Hersteller der Medikamente, durch die unter anderem Atmung und Bewusstsein ausgesetzt werden, müssten geschützt werden.

Die misslungene Hinrichtung stellt erneut in Frage, ob die US-Bundesstaaten in der Lage sind, Todesurteile so zu vollstrecken, dass sie die Bedingungen der Verfassung erfüllen. Diese schreibt vor, dass die Strafe weder grausam noch ungewöhnlich sein darf. Gegner der Todesstrafe bezweifeln, dass die Bundesstaaten in der Lage sind, diese Vorgaben einzuhalten.

Medikamentenhersteller verweigern Lieferung an Gefängnisse

"Dies könnte ein echter Wendepunkt in der Debatte sein, weil die Leute von so etwas angewidert sind", sagte Richard Dieter vom Death Penalty Information Center. "Dies könnte zu einer Aussetzung von Hinrichtungen führen, bis die Bundesstaaten beweisen können, dass sie Menschen ohne Probleme exekutieren können. Heute wurde jemand durch Inkompetenz umgebracht", sagte Dieter.

Weil viele Medikamentenhersteller sich weigern, an US-Gefängnisse oder US-Justizbehörden zu liefern, wird bei Hinrichtungen zunehmend auf zweifelhafte oder unbekannte Quellen für die Substanzen zurückgegriffen.

Im Januar hatte die Familie eines Hingerichteten Klage gegen den Bundesstaat Ohio eingereicht. Das gerichtlich angeordnete Sterben von Dennis McGuire dauerte mindestens zehn lange Minuten. Auch bei seiner Hinrichtung wurde ein vorher nicht getesteter Giftcocktail verwendet.

ulz/dpa/AP/Reuters



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