USA Weißer Polizist verweigert Schüsse auf Schwarzen - entlassen

Ein Polizist aus dem US-Bundesstaat West Virginia weigerte sich, auf einen schwarzen Tatverdächtigen zu schießen - und wurde entlassen. Jetzt soll er mit 175.000 Dollar entschädigt werden.


Weil er nicht auf einen bewaffneten schwarzen Verdächtigen schießen wollte, wurde ein US-Polizist entlassen - jetzt bekommt er 175.000 Dollar Entschädigung. Die Stadt Weirton im Bundesstaat West Virginia stimmte einem entsprechenden Vergleich zu, wie die Bürgerrechtsorganisation ACLU mitteilte. Die Stadt vermeidet damit einen Prozess wegen unrechtmäßiger Entlassung.

Im Mai 2016 war der weiße Polizist Stephen Mader wegen häuslicher Gewalt zu einem Haus in Weirton gerufen worden. Vor Ort traf er auf einen "sichtlich verstörten" Schwarzen, der die Hände hinter seinem Rücken versteckt hielt, wie die Bürgerrechtsorganisation ACLU mitteilte.

Der Ex-Soldat Mader forderte den 23-Jährigen auf, die Hände nach vorn zu nehmen - dabei kam eine Waffe zum Vorschein. Er solle die Waffe fallenlassen, rief der Polizist, doch der Mann weigerte sich und forderte den Beamten auf, ihn zu erschießen.

"Anstatt zu schießen, hat sich Mader an sein militärisches Training erinnert und versucht, die Situation zu deeskalieren", berichtete die ACLU. Er habe seine Stimme gesenkt, dem Mann in die Augen geschaut und ihm versichert, dass er nicht schießen werde.

Unangemessen gehandelt?

Dann allerdings tauchten zwei weitere Polizisten vor dem Haus auf. Als der Verdächtige die Waffe hob, erschoss einer der Polizisten den Schwarzen mit vier Schüssen. Dessen Waffe erwies sich als ungeladen.

Mader wurde einen Monat nach dem Vorfall entlassen - weil er die Anforderungen eines Beamten in der Probezeit nicht erfüllt und "offensichtlich Schwierigkeiten" habe, in kritischen Situationen angemessen zu handeln, so die Begründung. Laut Gerichtsdokumenten wurde Mader zudem öffentlich vorgeworfen, er habe eine Blockade gehabt, sei in Schockstarre verfallen. Ein Kollege soll den Afghanistan-Veteranen einen Feigling genannt habe.

Im Video: Polizeigewalt und den USA

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"Ich bin froh, dieses Kapitel meines Lebens abschließen zu können", hieß es in einer Erklärung Maders nach der Entscheidung. "Ich hoffe, dass niemand so etwas durchleben muss - weder auf Polizei- noch auf Betroffenenseite." Der Verwaltungschef von Weirton, Travis Blosser, erklärte, die Stadt sei "froh zu sehen, dass die Sache vorbei ist".

Der Polizist, der den Schwarzen tötete, wurde nicht belangt.

In den USA kommt es immer wieder zu tödlichen Schüssen weißer Polizisten auf schwarze Bürger. Proteste, die Rassismus bei den US-Sicherheitskräften anprangerten, führten in der Vergangenheit zu teils gewaltsamen Ausschreitungen.

ala/AFP



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