Kunstmuseum in Usbekistan Mitarbeiter verhökern Originale und stellen Kopien aus

Mit einer dreisten Masche haben sich Mitarbeiter des staatlichen Kunst-Museums in Usbekistan jahrelang ein Zubrot verdient. Sie verkauften heimlich die Originale und stellten stattdessen Kopien aus. Nun wurden die Täter zu harten Strafen verurteilt.


Taschkent - Wegen Betrugs sind mehrere leitende Angestellte des staatlichen Kunstmuseums von Usbekistan zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Sie verhökerten jahrelang Originalkunstwerke aus dem Museum in Taschkent und ersetzten sie durch Kopien, wie staatliche Medien berichteten. Unter den Festgenommenen ist auch Chefkurator Mirfais Usmonow. Er müsse für neun Jahre hinter Gitter, schreibt die Zeitung "Hukuk".

Die Gruppe um Usmonow ersetzte demnach von 1999 bis 2014 Werke von russischen und sowjetischen Avantgardisten und verscherbelte die Originale für umgerechnet 80 bis 650 Euro pro Stück an anonyme Käufer. Auch 25 Werke europäischer Künstler gingen so verloren - etwa des italienischen Renaissance-Malers und Bildhauers Lorenzo di Credi. Dem zentralasiatischen Staat sei ein "beträchtlicher" Schaden entstanden, schrieb die Zeitung, ohne nähere Einzelheiten zu nennen.

Die italienische Botschaft in Taschkent hatte 2012 ihr Misstrauen bekundet, als das Museum angeblich einen echten Paolo Veronese ausstellte. Die Echtheit könne nicht ohne weiteres bestätigt werden, hieß es damals. Im selben Jahr wurde in dem Museum auch eine "in Vergessenheit geratene" Sammlung von angeblichen Picasso-Keramiken präsentiert.

jbe/AFP

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insgesamt 2 Beiträge
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weltenbummler1 12.12.2014
1. Bis 650€
Der Verkaufspreis ist echt lächerlich. Entweder haben sich die Fälscher über den Tisch ziehen lassen oder selbst Leuten, die 2000€ aufwärts für Farbgekleckse bezahlen, war das zu schlecht. Dem Museum ist also kein großer Schaden entstanden.
lalito 13.12.2014
2. soso
Usbekistan, aha. Bei jeder Ausstellung klappt die Kontrolle niemals lückenlos - in manchen Museen dürfte m. E. die Anzahl der Fakes weitaus höher liegen, als die der dort gezeigten angeblichen Originale. Bei den genannten paar Mücken von den "anonymen Käufern" handelt es sich im Artikel mit Sicherheit keineswegs um Profis der internationalen Kunstfälscherszene. Die Methoden der Profis sind so nahe an der Perfektion, dass sich die Anwendung vieler Verfahren zur Echtheitsbestimmung gleich verbittet. Da geht es doch um ganz andere Summen, die gezahlt werden um die Originale in den Tresoren verschwinden und die Fakes unbemerkt in den Museen auftauchen zu lassen. Dazu die Gutachterszene, ein in diesen Verstrickungen verfangenes ganz eigenes Thema . . .
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