Mysteriöser Todesfall Barschels Bruder zeigt Rechtsmediziner an

Uwe Barschels Bruder hat offenbar Anzeige gegen den Mediziner erstattet, der 1987 die Leiche des Politikers obduzierte. Das berichtet die "Welt". Der Mediziner habe Privatgeheimnisse verraten.

CDU-Politiker Barschel (Archiv)
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Der Tod von Uwe Barschel in einem Genfer Hotel liegt fast 30 Jahre zurück, doch über die Hintergründe des Falls wird noch immer gestritten. Erst kürzlich wies der Hamburger Rechtsmediziner Werner Janssen, der im Jahr 1987 den toten Politiker Uwe Barschel obduziert hatte, Spekulationen über einen Mord vehement zurück. "Es war Suizid", sagte der 91-Jährige der "Zeit". "Für eine andere Annahme gab es keine Anhaltspunkte."

Nun habe Eike Barschel, der Bruder des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten, der Hamburger Justiz eine Strafanzeige gegen den Mediziner gestellt, berichtet die "Welt". Es gehe um die Verletzung von Privatgeheimnissen. "Bis zum heutigen Tag habe ich Prof. Janssen nicht von der ihm gesetzlich vorgeschriebenen Verschwiegenheitspflicht entbunden", heißt es dem Bericht zufolge in der Anzeige.

Nach "Zeit"-Angaben gewährte Janssen, damals Direktor des Hamburger Universitätsinstituts für Rechtsmedizin, im Februar erstmals Einblick in das Sektionsprotokoll. Demnach kam er gemeinsam mit seinen Kollegen Klaus Püschel und Achim Schmoldt zu dem Schluss, Todesursache sei Suizid durch Medikamentenmissbrauch gewesen.

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Im Protokoll heißt es demnach: "Eine versehentliche Überdosierung bei einem bewusstseinsklaren Menschen ist angesichts dieser Substanzmengen nicht denkbar; ebenso unwahrscheinlich ist die Möglichkeit einer unbemerkten Beibringung. Nach den vorliegenden Erkenntnissen gibt es keinen Anhalt für eine Beibringung der zum Tode führenden Substanzen unter äußerem Zwang."

Ein bei der Sektion entdecktes Hämatom im oberen linken Stirnbereich der Leiche sei nicht Folge von Fremdeinwirkung gewesen. "Viel naheliegender war es, dass Barschel sich diese Unterblutung selbst zugezogen hatte, etwa am Türrahmen oder durch Aufstoß am Badewannenrand", sagte Janssen.

Der Tod von Uwe Barschel ist bis heute nicht aufgeklärt. Die Angehörigen gehen von Mord aus, ebenso wie der ehemalige Lübecker Oberstaatsanwalt Heinrich Wille, der den Fall mehrere Jahre untersuchte.

Im Jahr 1994 kam der Toxikologe Hans Brandenberger in einem Gutachten für die Familie zu einem Schluss, der die Mordthese unterstützte. Barschel könne das tödliche Gift Cyclobarbital, das in seinem Körper gefunden wurde, nicht selbst genommen haben.

dbate-Interview mit Erich Böhme (2007)

wit



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