Vater und Bruder verurteilt Lange Haftstrafen im Ehrenmordfall Gülsüm S.

Die junge Kurdin Gülsüm S. wurde auf einem Feldweg am Niederrhein erschlagen. Ihr Vater, ihr Bruder und ein Bekannter wurden wegen Mordes angeklagt - und nun zu langen Gefängnisstrafen verurteilt.


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Getötete Gülsüm S.: "Die Ehre der Familie"
Kleve - Die Richter sind sich sicher: Gülsüm S. wurde ermordet, um die vermeintliche Ehre der Familie wiederherzustellen. Motiv für die grausame Tat war nach Ansicht des Gerichts, dass die 20 Jahre alte Kurdin keine Jungfrau mehr war und heimlich eine Abtreibung hatte vornehmen lassen.

Zehn Monate nach dem sogenannten Ehrenmord an Gülsüm S. im niederrheinischen Rees ist der Vater Yusuf S. jetzt zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Seinen 20-jährigen Sohn, Gülsüms Drillingsbruder Davut, verurteilte das Landgericht Kleve am Dienstag zu einer Jugendhaftstrafe von fast zehn Jahren. Davuts Freund Miro M., der bei der Tat geholfen hat, muss für sieben Jahre und sechs Monate hinter Gitter.

Davut S. und sein aserbaidschanischer Bekannter haben die junge Frau Anfang März nach Überzeugung der Richter in einen Hinterhalt gelockt, ihr mit Knüppeln das Gesicht zertrümmert und sie getötet. Damit sollte die "Familienehre" wieder hergestellt werden. In dem 50-jährigen Vater sah das Gericht den Drahtzieher des Mordkomplotts.

Unter dem Vorwand, ihr gestohlenes Fahrrad entdeckt zu haben, lockte Davut S. seine Schwester am Abend des 2. März aus der gemeinsamen Wohnung auf einen einsamen Weg in einem Waldstück, rund einen Kilometer außerhalb von Rees. Dort fiel er plötzlich über seine Schwester her, würgte sie und drosch gemeinsam mit Miro M. mit Ästen auf ihren Kopf ein. Gülsum S. starb an den schweren Verletzungen. Am nächsten Tag wurde die Leiche von einem Spaziergänger gefunden.

Richter folgen weitgehend den Forderungen der Staatanwaltschaft

Mit den Urteilen folgte das Gericht weitgehend der Forderung der Anklage. Der Staatsanwalt hatte lebenslänglich für den Vater gefordert, die Jugendhöchststrafe von zehn Jahren Gefängnis für Gülsüms Bruder und acht Jahre wegen Beihilfe zum Mord für den Freund der Familie.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Tat als gemeinschaftlichen Mord im Auftrag des Vaters gewertet. "Weil sich die 20 Jahre alte Kurdin Gülsüm S. den soziokulturellen Wertvorstellungen ihrer Familie nicht gefügt, sich vielmehr westeuropäischen Lebensgewohnheiten angenähert hatte und darüber hinaus heimlich einen Schwangerschaftsabbruch hatte vornehmen lassen, beschlossen die Angeschuldigten Yusuf und Davut S., (…) sie zu töten, um die Ehre der Familie wiederherzustellen", hieß es in der Anklageschrift.

Die Verteidigung hingegen hatte in ihrem Plädoyer für zwei der drei Angeklagten einen Freispruch gefordert. Sowohl die Anwälte des Vaters als auch die Verteidiger des Bekannten hatten einen Freispruch aus "Mangel an Beweisen" beantragt. Der Anwalt des Bruders hatte eine angemessene Jugendstrafe gefordert.

Der Bruder des Opfers hatte die Tat nach seiner Festnahme in einer Polizeivernehmung gestanden. Die beiden anderen hatten sich in Schweigen gehüllt.

siu/dpa/ddp



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