Vorwurf des sexuellen Missbrauchs Prozess gegen Papst-Vertrauten wird eröffnet

George Pell galt als inoffizielle Nummer drei im Vatikan - und er soll sich an Jungen vergangen haben. Nun hat ein Gericht nach monatelanger Prüfung entschieden: Gegen den Kardinal wird ein Verfahren eingeleitet.

George Pell
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George Pell


Der bisherige Finanzchef des Vatikans, Kurienkardinal George Pell, wird sich in seiner Heimat Australien wegen Missbrauchsvorwürfen in einem Prozess verantworten müssen. Ein Gericht in Melbourne entschied am Dienstag nach monatelangen Vorprüfungen, dass gegen den 76-Jährigen ein Hauptverfahren eröffnet wird.

Der Kardinal ist damit weltweit der bislang ranghöchste katholische Geistliche, der wegen solcher Vorwürfe angeklagt wird.

Wann genau der Prozess beginnen wird, ist noch unklar. Zuständig ist ein Geschworenengericht in Melbourne. In der Stadt war Pell früher Erzbischof.

Pell beteuert seine Unschuld, auch beim aktuellen Gerichtstermin in Melbourne plädierte er auf nicht schuldig. Nach Auffassung von Richterin Belinda Wallington gibt es jedoch in mehreren Fällen ausreichend Hinweise, damit die Vorwürfe von einer höheren Instanz geprüft werden. Bei anderen Vorwürfen sah das Gericht nicht genügend Substanz, um sie weiterzuverfolgen.

Pell war 2014 vom Papst zum Finanzchef des Vatikans ernannt worden. Er galt damit als die inoffizielle Nummer drei des Kirchenstaats. Gegen ihn gibt es seit längerer Zeit Vorwürfe: Er soll sich in seiner Zeit als Priester in seiner Heimatgemeinde Ballarat (1976-1980) und als Erzbischof von Melbourne (1996-2001) an Jungen vergangen haben. Pell wies dies stets zurück, ließ sich aber im Juni vergangenen Jahres als Finanzchef beurlauben.

Für Papst Franziskus ist der Fall heikel: Seine Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Er hatte "null Toleranz" für Fälle von sexuellem Missbrauch versprochen.

Die australischen Behörden haben sich bislang noch nicht näher zu dem geäußert, was genau Pell vorgeworfen wird. Offiziell heißt es nur, es gehe um länger zurückliegende Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs.

Australien gehört zu den Ländern, die mit der Aufarbeitung von solchen Vorwürfen begonnen haben. Eine Kommission brachte erst vor Kurzem ans Licht, dass zwischen 1950 und 2015 Zehntausende Kinder Opfer sexueller Gewalt wurden - oft in Einrichtungen der Kirche, aber auch in Schulen, Sportvereinen oder bei den Pfadfindern.

aar/dpa/AFP

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