Finanzchef des Vatikans Kardinal wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht

Er ist die inoffizielle Nummer drei im Vatikan: Kardinal George Pell. Nun entscheidet die Justiz über seinen Fall - der 76-Jährige soll sich an Jungen vergangen haben.

Kardinal George Pell (Archivbild)
REUTERS

Kardinal George Pell (Archivbild)


Wegen Missbrauchsvorwürfen muss sich der ranghohe Kurienkardinal George Pell in seiner Heimat Australien vor Gericht verantworten. Die Justiz will in den nächsten Wochen entscheiden, ob gegen den bisherigen Finanzchef des Vatikans ein Prozess eröffnet wird. Nach sechs Monaten Pause wurde in Melbourne die gerichtliche Anhörung gegen den 76-Jährigen, einen Vertrauten von Papst Franziskus, wieder aufgenommen.

Pell soll sich als junger Pfarrer und später auch als Erzbischof an Jungen vergangen haben. Die australischen Behörden haben sich noch nicht näher dazu geäußert, was genau dem Kardinal vorgeworfen wird. Offiziell heißt es nur, es gehe um länger zurückliegende Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs.

Als Finanzchef des Vatikans war der Australier bislang die inoffizielle Nummer drei des Kirchenstaats. Wegen der Vorwürfe ließ er sich im Juni vergangenen Jahres vom Papst beurlauben.

Beim Betreten des Gerichts gaben weder Pell noch seine Anwälte Erklärungen ab. Die Anhörung soll etwa vier Wochen dauern; rund 50 Zeugen sind geladen. Die meiste Zeit findet das Verfahren hinter verschlossenen Türen statt. Am Ende entscheidet eine Untersuchungsrichterin, ob die Beweise für einen Prozess ausreichen. Pells Anwalt Robert Richter warf der Polizei vor, die Ermittlungen voreingenommen zu führen. Der Kardinal streitet alle Vorwürfe ab.

Für Papst Franziskus ist der Fall heikel: Seine Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Denn eigentlich hatte das Kirchenoberhaupt "null Toleranz" für Fälle von sexuellem Missbrauch versprochen.

Kritiker wettern schon lange gegen Franziskus' Entscheidung, Pell zu befördern. 2014, als Pell Finanzchef wurde, gab es schon Vorwürfe gegen ihn: Er habe als Erzbischof Fälle von Misshandlung nicht ernst genommen.

Franziskus hat sich zu dem Fall bisher zurückhaltend geäußert. Er wolle abwarten, zu welchem Ergebnis die australische Justiz komme.

jpz/dpa/AP

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