"Vatileaks 2"-Prozess Priester gesteht Weitergabe geheimer Dokumente an Journalisten

Der spanische Geistliche Vallejo Balda hat im zweiten "Vatileaks"-Prozess zugegeben, den Medien vertrauliche Unterlagen zugespielt zu haben. Er sei von seiner "gefährlichen" Freundin "emotional erpresst" worden.

Petersdom im Vatikan
REUTERS

Petersdom im Vatikan


Er sei nicht "völlig bei klarem Verstand" gewesen: Im sogenannten zweiten Vatileaks-Prozess hat der spanische Priester Lucio Ángel Vallejo Balda gestanden, geheime Dokumente an die Presse übergeben zu haben. Er sei emotional erpresst worden, sagte er. Und zwar von seiner Kollegin Francesca Chaouqui, mit der er eine romantische Beziehung geführt habe.

In dem Prozess sind Vallejo Balda und seine frühere Kollegin Chaouqui angeklagt, vertrauliche Unterlagen an die ebenfalls angeklagten Journalisten Emiliano Fittipaldi und Gianluigi Nuzzi weitergegeben zu haben.

Anfang November hatten Fittipaldi und Nuzzi jeweils ein Buch über das Finanzgebaren im Kirchenstaat veröffentlicht, in denen sie aus den internen Dokumenten des Vatikan zitierten (ein Interview mit Nuzzi über die Enthüllungen lesen Sie hier). Die vatikanische Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, geheime Dokumente illegalerweise publiziert zu haben.

Laut den Berichten der Journalisten versickerte ein Großteil der kirchlichen Spendengelder in der Vatikan-Bürokratie mangels korrekter Buchhaltung und finanzieller Unregelmäßigkeiten. Vallejo Balda war Sekretär der Wirtschaftsprüfungskommission (Cosea), die von Papst Franziskus eingerichtet worden war, um mit dem dubiosen Finanzgebaren der Vatikan-Verwaltung aufzuräumen.

Eine Spionin?

"Ja, ich habe Dokumente an Journalisten geschickt. Ich habe eine fünfseitige Liste mit 87 Passwörtern übergeben", sagte Vallejo Balda nun in dem Prozess. Chaouqui beschrieb der Priester als eine gefährliche und manipulative Frau, die ihn zur Übergabe der Dokumente an die Journalisten gezwungen habe, indem sie gedroht habe, die romantische Beziehung mit ihm öffentlich zu machen.

Er sei sich sicher gewesen, dass "illegitime Interessen hinter Chaouqui" gestanden hätten, sagte der Priester. Er habe geglaubt, Chaouqui und ihr Mann arbeiteten für den italienischen Geheimdienst. Die im sechsten Monat schwangere PR-Expertin reagierte erregt auf die Aussagen und wandte sich wiederholt an ihren Anwalt.

Der Prozess war im November ausgesetzt worden, um den Richtern Gelegenheit zu geben, mehr Beweise zu sammeln und zu sichten. Den Angeklagten drohen zwischen vier und acht Jahren Haft. Journalistengruppen kritisieren die strafrechtliche Verfolgung von Nuzzi und Fittipaldi: Die beiden hätten nur ihren Job getan, als sie Probleme enthüllten, die von öffentlichem Interesse waren.

Papst-Vertraute sollen als Zeugen gehört werden

Auf der Liste der Zeugen, die am Dienstag angehört werden sollen, steht auch der Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin - er gilt als zweitmächtigster Mann im Vatikan. Auch zwei weitere Papst-Vertraute wurden als Zeugen benannt: der spanische Kurienkardinal Santos Abril y Castelló und der für Wohltätigkeitswerke des Vatikans zuständige polnische Kurienerzbischof Konrad Krajewski.

Der Buchautor Nuzzi spielte bereits in der ersten Vatileaks-Affäre aus der Zeit von Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. eine prominente Rolle. Auch damals waren in größerem Stil geheime Papiere aus dem Vatikan geschmuggelt und publiziert worden.

aar/AFP

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