Rom - Drei Jahre hatte die Staatsanwaltschaft gefordert, die Richter entschieden sich für die Hälfte der Zeit: Im Prozess um die "Vatileaks"-Enthüllungen ist der Ex-Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das vatikanische Gericht sprach ihn am Samstag des Diebstahls schuldig. Ein Vatikan-Sprecher kündigte an, dass der Papst den Verurteilten aller Wahrscheinlichkeit nach begnadigen werde.
Staatsanwalt Nicola Picardi hatte drei Jahre Haft verlangt. Gabriele habe vertrauliche Unterlagen gestohlen und sich damit des Diebstahls schuldig gemacht, sagte Picardi vor dem vatikanischen Tribunal. Er schilderte den 46-jährigen Familienvater als leicht beeinflussbaren Menschen. Das bedeute aber nicht, dass er Mittäter gehabt habe. Gabriele sei vollkommen zurechnungsfähig. Er habe gewusst, was er tat. Wegen seiner Verdienste um den Kirchenstaat sei die Haftstrafe jedoch um die Hälfte reduziert worden.
Gabrieles Verteidigerin Cristina Arru hatte hingegen gesagt, ihr Mandant habe nichts gestohlen, sondern sich die Papiere nur zu Unrecht angeeignet. Falls er aber für Diebstahl verurteilt werden solle, dürfe es nur die Mindeststrafe für einfachen Diebstahl sein - drei Tage. "Er hat aus einer moralischen Motivation heraus gehandelt, von der ich hoffe, dass sie eines Tages anerkannt und gewürdigt wird", sagte Arru. Was er getan habe, sei nicht rechtens gewesen, jedoch habe er Missstände gesehen und sei davon zu seinen Taten getrieben worden.
Gabriele hatte in seinem Schlusswort gesagt, er habe aus tiefer Liebe zu der Kirche und zum Papst gehandelt, wie vom Vatikan zugelassene Prozessbeobachter am Samstag nach der Verhandlung berichteten. "Ich fühle mich nicht als Dieb."
Gabriele soll über Monate hinweg vertrauliche Dokumente kopiert und dem italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi zugespielt haben. Dieser hat ein Buch über "Seine Heiligkeit" verfasst.Der strenggläubige Gabriele sagt, er habe 2010 oder 2011 angefangen, Kopien zu machen, weil er wegen einiger Vorgänge im Vatikan Unbehagen verspürt habe. Er habe das Gefühl gehabt, der Papst sei nicht über all das informiert, was er wissen müsste. In der Arbeitszeit nutzte Gabriele ungeniert den Kopierer in den Büroräumen - sogar, wenn andere anwesend waren.
yes/dpa
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