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Enthüllungsaffäre: Vatikan stellt Benedikts Ex-Kammerdiener vor Gericht

Der frühere Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. muss sich vor Gericht verantworten. Er soll dem Kirchenoberhaupt einen Scheck über 100.000 Euro gestohlen haben. Außerdem geht es um die Weitergabe interner Papiere an italienische Zeitungen.

Paolo Gabriele (vorne links im Wagen) mit dem Papst: Vorwurf des schweren Diebstahls Zur Großansicht
Corbis

Paolo Gabriele (vorne links im Wagen) mit dem Papst: Vorwurf des schweren Diebstahls

Rom - Wochenlang hatte ein Insider Journalisten vertrauliche Dokumente aus dem Vatikan zugespielt, im Mai nahmen die Behörden im Kirchenstaat den mutmaßlichen Täter fest: Paolo Gabriele, den langjährigen Kammerdiener des Papstes. Nun stellt der Vatikan den Mann in der sogenannten Vatileaks-Affäre vor Gericht. Er werde wegen schweren Diebstahls angeklagt, sagte der Ermittlungsrichter Piero Bonnet. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, einen Scheck über 100.000 Euro gestohlen zu haben, der auf Papst Benedikt XVI. ausgestellt war.

Die Liste der Vorwürfe ist lang. Konkret werden in der Anklageschrift folgende Punkte genannt: staatsfeindliche Aktivitäten, Angriffe auf die Staatsmacht, Verunglimpfung staatlicher Institutionen, Rufmord, üble Nachrede, schwerer Diebstahl, Beteiligung an strafbaren Handlungen, Begünstigungen und Geheimnisverrat.

Gabriele soll vor Ermittlern zugegeben haben, hinter den Enthüllungen zu stecken. Der Grund: Er habe das Böse und die Korruption in der gesamten Kirche offenlegen und damit einen Wandel anstoßen wollen. Gabriele saß zunächst 53 Tage in Haft, bevor er im Juli unter Hausarrest gestellt wurde. Er war einer der wenigen Vertrauten des Oberhaupts der katholischen Kirche, die Zugang zu dessen Privaträumen hatten. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu sechs Jahre Haft. Während des Arrests sei ein psychologisches Gutachten von Gabriele erstellt worden, hieß es. Die Anwälte des Kammerdieners hätten dem zugestimmt.

In einem 35 Seiten umfassenden Bericht erklärte der Vatikan unerwartet, dass Gabriele einen Komplizen gehabt habe. Angeklagt wegen Beihilfe ist Claudio S., ein Bekannter von Gabriele und Programmierer im Staatssekretariat des Vatikans. S. war bereits am 25. Mai festgenommen und am Tag darauf wieder freigelassen worden. Seine Rolle in der Affäre sei "marginal", sagte Vatikansprecher Lombardi. Dennoch wurde der Programmierer auf unbekannte Dauer und unter Fortzahlung seiner Bezüge vom Dienst suspendiert, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Montag.

Wie das Blatt weiter berichtet, wurden der Scheck über 100.000 Euro sowie ein Goldklumpen und eine kostbare Übersetzung von Vergils Epos "Aeneis" aus dem Jahr 1581 in der Wohnung des Kammerdieners in Castel Gandolfo sichergestellt. Bei den Gegenständen handelt es sich um Geschenke, die dem Papst gemacht wurden.

Dem Vatikan zufolge wird das Verfahren nicht vor Oktober beginnen - aber es könnten weitere Verdächtige hinzukommen. "Wir glauben nicht, dass unsere Arbeit beendet ist", sagte Staatsanwalt Nicola Picardi. "Die Ermittlungen sind offen für weitere Personen, die mutmaßlich beteiligt waren."

Dem Vatikan zufolge arbeitete Paolo Gabriele zuletzt voll und ganz mit den Ermittlern zusammen. Er entschuldigte sich zudem in einem Brief beim Papst für sein Handeln. Dennoch tauchten immer wieder neue vertrauliche Dokumente in italienischen Medien auf. Das Gerücht, dass es weitere Quellen gebe, schien sich dadurch zu bestätigen.

ala/aar/dapd/Reuters/AFP/AP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 87 Beiträge
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1.
glen13 13.08.2012
Zitat von sysopREUTERSDer Vorwurf lautet auf schweren Diebstahl: Im Vatikan-Skandal muss sich der frühere Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. vor Gericht verantworten. Er soll dem Kirchenoberhaupt einen Scheck über 100.000 Euro geklaut haben. Außerdem geht es um die Weitergabe interner Papiere an italienische Zeitungen. Vatileaks: Päpstlicher Ex-Kammerdiener kommt vor Gericht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,849755,00.html)
Ich hoffe der Prozess ist öffentlich, damit sich jeder ein Bild von den Vorgängen machen kann.
2. Auf den Scheiterhaufen
mischpot 13.08.2012
nicht vor Gericht, ein Ketzer der gehört gekreuzigt und auf den Scheiterhaufen so wie es Sitte in der katholischen Kirche ist. Was ist eigentlich aus den ganzen Kinderschändern geworden, sind die jemals bestraft worden?
3. Scheck veruntreut
roskipper 13.08.2012
Wieso hat Benedikt Schecks ausgestellt. Hat der ein Girokonto bei der Vatikan Bank ? Da ist was falsch an der Story. Der Pabst geht doch nicht in die Pizzeria zum Abendessen oder am Wochenende zu Einkaufen. Wozu braucht der ein Scheckheft ...um die Stromrechnung zu bezahlen, oder was ?
4. optional
meier12 13.08.2012
Ein solch konsequentes Vorgehen gegen kriminelles Handeln innerhalb der Kirche hätte man sich in den Mißbrauchsfällen gewünscht.
5. optional
Merkelfan 13.08.2012
Haben sie jetzt einen Sündenbock gefunden? Natürlich ein kleiner Mann. Es wird sich nie was ändern.
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