Papst-Butler in Haft: Vatikan sucht nach weiteren undichten Stellen

Der Papst-Butler Paolo G. soll interne Dokumente an Medien weitergegeben haben und sitzt nun im Vatikan in Haft. Experten gehen von einer Verschwörung gegen Benedikt XVI. aus. Freunde des Verhafteten trauen ihm nicht zu, allein gehandelt zu haben.

Paolo G.: War er ein Einzeltäter? Fotos
DPA

Rom - Nach der Festnahme des Kammerdieners von Papst Benedikt XVI. in der "VatiLeaks"-Affäre um die Weitergabe vertraulicher Dokumente an die Medien wird im Vatikan offenbar fieberhaft nach weiteren undichten Stellen gesucht. "Jagd auf Komplizen im Vatikan", titelte die italienische Zeitung "La Stampa" am Sonntag. Die Ermittler suchen demnach nach Beweisen, Komplizen und einer möglichen Beteiligung höherer Stellen im Kirchenstaat.

Vatikansprecher Federico Lombardi hatte die Festnahme des 46-jährigen Paolo G. am Samstag bestätigt. In dessen Wohnung im Vatikan wurden demnach geheime Dokumente gefunden. Der Papst reagierte nach Angaben aus seinem Umfeld "betrübt und schockiert" auf die Entwicklung.

Ein Freund des Kammerdieners, der namentlich nicht genannt wurde, äußerte gegenüber "La Stampa" die Vermutung, dass G. von "jemand Wichtigem" dazu gebracht worden sei, die Dokumente aufzubewahren. Der Kammerdiener sei "entweder plötzlich verrückt geworden, oder er ist in eine Falle geraten", sagte der Mann.

Es geht um Korruptionsvorwürfe, interne Dokumente

Ein anderer Freund berichtete, er habe zuletzt am Montag mit G. gesprochen. Da sei der Kammerdiener "betrübt" gewesen, weil er kurz zuvor erfahren habe, dass er verdächtigt werde. "Wenn er diese Dokumente hatte und wenn er wusste, dass er verdächtigt wird, warum hat er sie dann nicht vernichtet?", fragte der Freund.

Laut der Zeitung "La Repubblica" ist unter den möglichen weiteren Verdächtigen auch eine Frau. Sie sei verheiratet und habe auch noch eine Arbeit außerhalb des Vatikans, schrieb das Blatt. Die Frau habe schon unter Papst Johannes Paul II. im Vatikan gearbeitet und seinen Nachfolger Benedikt XVI. zuletzt im März auf seiner Reise nach Mexiko und Kuba begleitet.

In den vergangenen Monaten waren immer wieder interne Dokumente des Vatikans an italienische Medien weitergegeben worden, in denen es unter anderem um Korruptionsvorwürfe ging. Der "Corriere della Sera" bezweifelte, dass G. der Alleinverantwortliche für die Enthüllungen sei. Die Zeitung geht vielmehr davon aus, dass auch hohe Geistliche in die Affäre verstrickt sind, die in Anlehnung an die Enthüllungswebsite WikiLeaks "VatiLeaks" genannt wird. Sie hätten dem Kammerdiener die Geheimdokumente entweder untergeschoben oder er habe Befehle "von oben" ausgeführt.

jbr/afp

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Guckt man sich................
clavol 27.05.2012
die 300 Milliarden Sterne in unserer Galaxie an, da Frage ich mich wirklich: WAS SOLL DAS GANZE GEPLÄNKEL ????
2.
ritotschka 27.05.2012
Hat denn der Vatikan etwas zu verbergen? Warum ist man so aufgescheucht? Habe ich im Religionsunterricht nicht aufgepasst? Da wurde uns doch immer eingebleut, ehrlich zu sein usw. Ist das, was die Kirche predigt wirklich nur Fassade, dahinter sieht es ganz anders aus. Da drängt sich mir doch glatt die Frage auf, woher hat, gerade die Katholische Kirche ihre Reichtümer. Gibt es 2 Götter, einen für den Vatikan und einen fürs gemeine Volk?
3. So ein kalter Verein!
theo-matthias 27.05.2012
Mit Kirche hat das doch alles nicht mehr viel zu tun. Es läuft genauso wie im Mittelalter. Nur die Methoden haben sich an die Zeiten angepasst. Mit der gleichen Intensität mit der nun das Vergehen des Kammerdieners aufgeglärt wir, wenn es überhaupt eins war, hätten sie sich mal besser um die Aufklärung der zahlreichen Missbrauchopfer gekümmert und diese angemessen entschädigt.Es ist schon ein Armutszeugniss was die deutsche Kirche sich hier leistet! Insbesondere dann wenn man sich anschaut, wie die Entschädigungsfälle in Östereich und Irland gehandhabt werden. Selbst Östereich entschädigt mit bis zu 25.000 Euro. Von Irland wollen wir erst gar nicht reden. Die Kirche in Deutschland, so reich, entschädigt mit 5000 Euro. Ist das angemessen für das was den Opfern angetan wurde und weshalb diese Unterschiede. Für mich macht das die deutsche Kirche völlig unglaubwürdig. Und für jeden Menschen der da wachen Auges hinschaut und sich das bewusst macht wird es wohl ähnlich sein. Deshalb sage ich diese Kirche ist keine Kirche, sondern irgendetwas anderes, schwer definierbares und dient letztlich nicht den Menschen. Warum haben die überhaupt ein Gefängnis in das der Diener jetzt gesteckt wird???? Wüsste nicht dass das irgendeine andere Religionsgemeinschaft hat, wozu auch?
4. Haft ?
systemfeind 27.05.2012
Zitat von sysopDer Papst-Butler Paolo G. soll interne Dokumente an Medien weitergegeben haben und sitzt nun im Vatikan in Haft. Experten gehen von einr Verschwörung gegen Benedikt XVI. aus. Freunde des Verhafteten trauen ihm nicht zu, allein gehandelt zu haben. "Vatileaks": Vatikan sucht nach weiteren undichten Stellen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,835503,00.html)
der italienische Staat kann inhaftieren - der Papst hingegen kann lediglich Stubenarrest verhängen .
5. Korruption im Vatikan
spon-facebook-10000156510 27.05.2012
mal ehrlich, wer hätte das nicht gedacht ? mein lieber Gott.
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