Urteil zu Gruppenvergewaltigung von Velbert Schreie auf dem Gerichtsflur

Mehrere Jugendliche vergewaltigten eine 13-Jährige: Dafür hat das Landgericht Wuppertal nun Freiheitsstrafen gegen die Hauptangeklagten verhängt - auch, weil das Opfer aussagte.

Anzeige im Landgericht Wuppertal (Archivfoto)
DPA

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Von Christian Parth, Wuppertal


Nach der Urteilsverkündung gab es Tränen: Auf dem Flur vor dem Gerichtssaal weinten Angehörige der Jugendlichen, die das Wuppertaler Landgericht soeben zu Freiheitsstrafen verurteilt hatte - wegen der Vergewaltigung eines 13 Jahre alten Mädchens.

Die Mütter der jugendlichen Straftäter schrien und mussten von ihren Angehörigen gestützt werden. Es schien, als hätten sie das Urteil gegen ihre Söhne nicht kommen sehen. Dabei kann es niemanden überrascht haben.

Tatsächlich sind gerade die beiden Hauptangeklagten aus Sicht der Staatsanwaltschaft glimpflich davongekommen. Die Ankläger hatten auf sieben Jahre Haft für den einen sowie fünf Jahre und acht Monate Haft für den anderen plädiert. Im Jugendstrafrecht sind solche Strafen für Ersttäter dieses Alters sehr hoch und doch selten.

Das Gericht blieb unter dieser Forderung: Ein 15-Jähriger muss für vier Jahre und neun Monate ins Gefängnis, sein 14-jähriger Freund vier Jahre. Ein dritter Angeklagter wurde zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, die übrigen drei bekamen wegen Beihilfe zwei Jahre und neun Monate, zwei Jahre sowie ein Jahr und acht Monate. Die beiden letztgenannten Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt - auch, weil die beiden Angeklagten gestanden und umfassend ausgesagt hatten. Der Prozess fand aufgrund des Alters der Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Der 15 Jahre alte Hauptangeklagte habe wenig dazu beigetragen, sich eine geringere Strafe zu verdienen, sagte ein Gerichtssprecher. "Er hat die Tat bis zum Schluss bestritten und behauptet, dass der Sex einvernehmlich gewesen sei." Dafür fand der Richter in seiner Urteilsbegründung offenbar deutliche Worte. "Es ist abwegig anzunehmen, dass ein 13-jähriges Mädchen freiwillig Sex mit so vielen Männern haben will", soll er laut Sprecher gesagt haben.

"Das war schwer zu ertragen"

Das jugendliche Alter und vor allem die Hemmungslosigkeit hatten nach Bekanntwerden der Tat Fassungslosigkeit ausgelöst. Die Clique, Jungs zwischen 14 und 17 Jahren, hatten die Schülerin am 21. April zunächst in einem Schwimmbad in Velbert sexuell belästigt.

Parkbad in Velbert
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Parkbad in Velbert

Auf dem Heimweg am frühen Abend, passten die Jugendlichen das Mädchen in einem Waldstück ab und zerrten die 13-Jährige hinter Bäume. Die beiden Hauptangeklagten vergewaltigten sie, die übrigen vier, das ergab die Beweisaufnahme, standen dabei. Anschließend unterbrachen sie die Tat und gingen mit dem Mädchen einige hundert Meter weiter zu einem Parkplatz, wo die beiden Hauptangeklagten die Jugendliche ein weiteres Mal vergewaltigten.

Danach hatte die Gruppe das Mädchen zunächst gehen lassen, es sich dann aber anders überlegt. Sie holten die 13-Jährige zurück und gingen mit ihr abermals in den Wald, wurden dann aber von einer Spaziergängerin gestört. Durch das mutige Eingreifen der Passantin sei Schlimmeres verhindert worden, sagte der Gerichtssprecher. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Eltern des Mädchens bereits mit der Suche nach ihrer Tochter begonnen.

Während des Verfahrens wurde auch das Handy-Video gezeigt, das einer der Angeklagten während der Tat gemacht hatte, um es später herumzuzeigen. "Das war schwer zu ertragen", sagte Rechtsanwalt Christoph Pipping, Verteidiger des mit 17 Jahren ältesten Angeklagten. "Ich bin seit 25 Jahren Strafverteidiger, aber so etwas habe ich bislang nicht gesehen."

Pipping hatte seinen Mandanten offenbar davon überzeugen können, die Tat umfassend zu gestehen und an der Aufklärung mitzuwirken. Er sei der einzige der Angeklagten gewesen, der sich über die Nebenklage-Vertreterin bei dem Opfer entschuldigt habe. "Das war uns wichtig, weil wir dazu beitragen wollten, dem Mädchen eine Aussage vor Gericht zu ersparen", sagte Pipping.

Das gelang nicht. Hätte der 15 Jahre alte Hauptangeklagte sich geständig gezeigt, hätte man wohl auf die Aussage des Mädchens verzichten können, sagte der Gerichtssprecher. So musste die Jugendliche erscheinen und etwa eine Stunde lang schildern, was die Angeklagten ihr angetan hatten.

Das Gericht hatte die Angeklagten zuvor aus dem Saal geschickt. Während der Aussage soll das Mädchen gefasst gewirkt haben, berichtet ein Prozessbeteiligter. Die Anwältin des Opfers wollte nach der Urteilsverkündung keine Stellungnahme abgeben.

Abgeschlossen ist der Fall damit nicht - für zwei weitere mutmaßliche Mittäter wird der Prozess demnächst erst beginnen. Die 14 und 15 Jahre alten Jugendlichen hatten sich nach der Tat mit ihren Familien in ihre südbulgarische Heimatstadt Plowdiw abgesetzt, wo Fahnder sie Wochen später aufspürten. Sie wurden inzwischen nach Deutschland überstellt und sitzen in Untersuchungshaft.

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