Dramatische Inflation Venezuela will Digitalwährung bald ausgeben

Venezuela kämpft gegen die Pleite. Die neue Kryptowährung "Petro" soll die Finanznot lösen und demnächst eingeführt werden. Zurzeit kommt es infolge der dramatischen Inflation zu massiven Plünderungen.

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro
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Venezuelas Präsident Nicolás Maduro


Im Zuge der starken Geldentwertung wurden venezolanischen Caicara Geschäfte geplündert. Mindestens 20 Läden wurden in der Stadt, 460 Kilometer südlich von Caracas ausgeraubt, berichtete das Portal "El Nacional". Insgesamt wurden 48 Personen festgenommen. Zunächst hatten sich Händler geweigert, die praktisch wertlosen 50- und 100-Bolivar-Scheine anzunehmen.

Zwar gibt es für die ärmere Bevölkerung Venezuelas Lebensmittelhilfen, aber seit Monaten wird die Lage immer brenzliger, zudem droht die Pleite. Lebensmittel werden immer teurer. Der monatliche Mindestlohn wurde zwar immer wieder angehoben auf nun knapp 800.000 Bolivar inklusive Sozialhilfen - aber das sind auch nur noch ein paar Euro.

Zur Linderung der Finanznot treibt die venezolanische Regierung nun die Pläne für eine eigene Digitalwährung voran. Die Kryptodevise mit dem Namen "Petro" solle in den nächsten Tagen ausgegeben werden, sagte der linke Präsident Nicolás Maduro. Die Einführung hatte er im Dezember überraschend angekündigt

Dabei gehe es um 100 Millionen "Petro" und damit ein Volumen von rund 5,9 Milliarden Dollar. Denn das neue Zahlungsmittel soll an den Preis für ein Barrel Öl des südamerikanischen Opec-Staates gekoppelt werden, der zuletzt bei rund 59 Dollar lag. Die virtuelle Währung solle Venezuela modernisieren und einen besseren Zugang zu realem Geld verschaffen.

Inflation bei über 1000 Prozent

Venezuela will so die US-Sanktionen umgehen, die das Land größtenteils vom Finanzmarkt abschneiden und zugleich vom Boom der Internetwährung Bitcoin profitieren, deren Kurs im vergangenen Jahr um 1500 Prozent nach oben schnellte. Die Modalitäten sind jedoch unklar, ebenso, ob Investoren genügend Vertrauen in die venezolanische Regierung aufbringen. Zudem warnen Politiker und Aufsichtsbehörden rund um den Globus vor dem bislang völlig unregulierten Handel mit Bitcoin und anderen Cyberdevisen.

Venezuela steht angesichts einer ökonomischen und politischen Krise mit dem Rücken zur Wand. Der Opec zufolge hat das Land die größten Ölreserven der Welt, die Staatseinnahmen litten aber unter dem Ölpreisverfall der vergangenen Jahre. Die Wirtschaft liegt am Boden und die galoppierende Inflation trifft die unter Nahrungsmittel- und Medikamentenmangel leidende Bevölkerung hart.

Zudem hat die Inflation 2017 bei über 1000 Prozent gelegen. Für einen Euro gibt es auf dem Schwarzmarkt nun rund 160.000 Bolivar. Ein Grund für fehlende Devisen zum Import von Lebensmitteln ist auch die milliardenschwere Subvention von Benzin, das weit billiger ist als Wasser. Für einen auf dem Schwarzmarkt getauschten Euro können mehrere tausend Liter getankt werden.

Die Opposition nennt den "Petro" eine abstruse Idee, die zum Scheitern verurteilt sei. Sie hat im vergangenen Jahr immer wieder mit Massenprotesten gegen Maduro mobil gemacht, dem sie das Streben nach einer Diktatur vorwirft. Im August wurde das von der Opposition dominierte Parlament entmachtet, Proteste mit Repression erstickt. Kritiker werfen der sozialistischen Regierung vor, die Rohstoffeinnahmen jahrelang vergeudet zu haben und fordern deswegen Reformen.

abl/dpa/Reuters



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