Schlag gegen Rockerbande Vor dem Verbot schon tot

Mit dem Satudarah MC wurde erstmals in ganz Deutschland eine Motorradgang verboten. Doch der Niedergang der Gruppe begann schon vor geraumer Zeit - mit der Festnahme ihres merkwürdigen Anführers.

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Einpacken in Duisburg: Polizei durchsuchte Vereinsheime des Rockerklubs Satudarah
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Einpacken in Duisburg: Polizei durchsuchte Vereinsheime des Rockerklubs Satudarah


Berlin - Der Mann, der sich Ali Osman nannte und eigentlich Yildiray Kaymaz heißt, war nie ein echter Rocker. Die vermeintliche Liebe zu einer Szene, in der Motorräder von Harley Davidson wie Heiligtümer verehrt werden, entdeckte der Duisburger erst, als er darauf eine kriminelle Karriere gründen konnte. Zumindest dachte er das eine Zeit lang.

Doch der Spaß, wenn es denn je einer war, währte nicht allzu lange. Im April 2013 nahm die Polizei Kaymaz fest - und damit begann das Ende der Rockergang Satudarah in Deutschland.

An diesem Dienstag hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière den Klub bundesweit verboten. "Von dem Verein geht eine schwerwiegende Gefährdung für individuelle Rechtsgüter und die Allgemeinheit aus", teilte das Bundesinnenministerium mit. Die deutschen Teilorganisationen der eigentlich in den Niederlanden beheimateten Gruppierung seien mit sofortiger Wirkung geschlossen, das Vermögen werde eingezogen, hieß es.

Rockerpräsident in Plauderlaune

"Satudarah darf mit seinen Symbolen und Kutten nun nicht mehr öffentlich auftreten. Deutschland ist für sie zu einer No-Go-Area geworden", sagt der Abteilungsleiter für Organisierte Kriminalität im Düsseldorfer Landeskriminalamt, Thomas Jungbluth.

Satudarah ist die größte niederländische Rockerbande und wird von der Polizei immer wieder mit Organisierter Kriminalität in Verbindung gebracht. Nach Erkenntnissen der Behörden expandierte der Klub lange Zeit vor allem in Nordrhein-Westfalen. In Deutschland steht die Gruppierung den Bandidos nahe.

Yildiray Kaymaz aber war nie ein echter Rocker. Allen Gepflogenheiten der Szene zum Trotz kooperierte er umfangreich mit den Behörden. Der ungelernte Arbeiter ohne Schulabschluss, der zeitweilig den deutschen Ableger von Satudarah angeführt hatte, sprach nach seiner Festnahme so umfangreich und häufig mit den Ermittlern, dass diese ihr Glück selbst nicht fassen konnten. "Es ist ein Novum, dass ein Rockerpräsident so auspackt und dabei auch Strukturen offenbart", freute sich eine Kriminalbeamtin später vor Gericht. "Das gibt es eigentlich nicht." Dabei sagte Kaymaz auch gegen Hintermänner der Bande in den Niederlanden aus.

Deutlich wurde in den Schilderungen des Ex-Rockers, in welch erheblichem Ausmaß die brutalen Revierkämpfe mit den Duisburger Hells Angels aus dem Ausland angeordnet und unterstützt worden waren. So versorgten die niederländischen Rocker ihren deutschen Außenposten nicht nur mit klaren Ansagen zur Expansion, sondern auch mit Sturmgewehren und Maschinenpistolen - die Waffen gab es sogar unentgeltlich.

"Wirklich prall war das nicht"

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE waren diese belegbaren internationalen Verflechtungen am Ende ausschlaggebend dafür, dass das Berliner Innenministerium ein bundesweites Vereinsverbot verhängen konnte. Damit unterscheidet sich das Vorgehen von den Maßnahmen der deutschen Behörden gegen Bandidos und Hells Angels. Dort wurden bislang lediglich besonders kriminelle Ortsvereine geschlossen.

"Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat Satudarah genau beobachtet, konsequent ermittelt und die nötigen Beweise gesammelt", lobt NRW-Innenminister Ralf Jäger das Vorgehen seiner Beamten. "Diese intensiven Ermittlungen haben wichtige Erkenntnisse gebracht und damit die Basis für das bundesweite Verbot geliefert. Damit geben wir ein klares Signal an diese Banden: Ihr seid im Visier. Bund und Länder handeln, gemeinsam und entschlossen."

Doch der finale verwaltungsrechtliche Schritt trifft in Wahrheit auf eine Gang, die ohnehin nur noch rudimentär existierte. Strafverfahren und Gerichtsurteile hatten den Club um Kaymaz bereits in seinen Grundfesten erschüttert. Die deutsche Führungsriege von Satudarah sitzt längst für viele Jahre im Gefängnis. Seither war es ruhig geworden im Rockerkrieg zwischen Satudarah und den Rivalen. Das aktuelle Verbot hat also vor allem einen symbolischen Wert.

Das zeigen auch die beschlagnahmten Gegenstände. Während sich die Gang unter Kaymaz mit Kalaschnikows, Handgranaten und Sprengstoff aufrüstete und mit Maschinenpistolen in der Gegend herumballerte, stellten die Beamten bei den Durchsuchungen am Dienstag Messer, Schlagstöcke und Schreckschusspistolen sicher. "Wirklich prall war das nicht", sagt ein Ermittler.



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