Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Geldwäsche-Verdacht: Polizei durchsucht Räume der HSH Nordbank

Von Francesco Sbano und Andreas Ulrich

Mit Strom aus Windkraft sollen drei deutsche Geschäftsmänner der Mafia geholfen haben, schmutzige Gewinne aus Drogenhandel und Erpressung zu waschen. Die HSH Nordbank finanzierte das Investment. Nun haben Polizisten Wohnungen und Büros der Verdächtigen sowie Geschäftsräume der HSH durchsucht.

Razzia: Polizei durchsucht Gebäude der HSH Nordbank Fotos
DER SPIEGEL/ Andreas Ulrich

Der Windpark Capo Rizzuto ist einer der größten Europas. Laut der Staatsanwaltschaft Osnabrück hat die Anlage drei deutschen Geschäftsmännern vor allem dazu gedient, schmutzige Gelder aus Drogenhandel und Erpressung der süditalienischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta zu waschen. Die angeschlagene HSH Nordbank finanzierte den Park mit 225 Millionen Euro.

Seit den frühen Morgenstunden durchsuchten nun rund 200 Polizeibeamte insgesamt 20 Wohnungen und Büros der drei Verdächtigen sowie die Geschäftsräume der HSH Nordbank in Hamburg und Kiel. Beteiligt sind Beamte des Bundeskriminalamtes, der Landeskriminalämter Bayern und Niedersachsen sowie die Zentrale Polizeidirektion Hannover.

Ermittelt wird wegen des Verdachts der Geldwäsche und der Unterstützung einer ausländischen kriminellen Vereinigung. "Die Beschuldigten stehen im Verdacht, mittels ihrer Firmen in Deutschland, Italien, San Marino und der Schweiz inkriminierte Gelder einer 'Ndrangheta-Gruppierung gewaschen zu haben. Außerdem sollen sie Gesellschaftsanteile an der Betreibergesellschaft eines Windparks für diese kriminelle Vereinigung übernommen haben, um so deren Beteiligung zu verschleiern", sagt der Osnabrücker Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer.

Der Windpark, um den es geht, liegt rund 2100 Kilometer von Osnabrück entfernt. Die 48 Windmühlen an der Sohle des italienischen Stiefels haben eine Leistung von rund 100 Megawatt und können jährlich Strom im Wert von 30 Millionen Euro erzeugen. "Die Anlage ist ökonomisch erfolgreich", sagt Rüdiger Volk, Direktor der HSH Nordbank. Volk verantwortet in der Bank den Bereich "Sanierung". Der Windpark ist längst zum Problem geworden.

Wie der SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe berichtet, hegte die italienische Staatsanwaltschaft schon lange den Verdacht, dass die Anlage auch dazu dient, schmutziges Geld des Arena-Clans zu waschen, der in der Region das Sagen hat. Clan-Chef Nicola Arena, 76, sitzt im Gefängnis, sein gleichnamiger Neffe, 49, hat den Windpark maßgeblich vorangetrieben.

Auf der Suche nach Investoren

Ein dubioser Geschäftsmann aus Rosenheim, der ehemalige CSU-Stadtrat und Rechtsanwalt Martin Frick, 62, hatte die Idee zu dem Projekt. Die notwendigen Kontakte nach Kalabrien stellte ein Pizzeria-Betreiber aus seiner Heimatstadt her.

Es ist deshalb gut möglich, dass Frick von Anfang an wusste, auf wen er sich da eingelassen hatte, auch wenn er beteuert, dass sein Partner Nicola Arena ihm versichert habe, nichts mit den krummen Geschäften seines Onkels zu tun zu haben. Womöglich gehörte es auch zum Kalkül, dass die Mafia bei der Realisierung eines solchen Projektes in einer der korruptesten Regionen Europas sehr hilfreich sein könnte.

In Deutschland hat Frick schon lange ein Problem. Seine Politikerkarriere bekam einen Knick, weil er sich als Anwalt, statt Honorar zu kassieren, ein Grundstück überschreiben ließ, das später Bauland wurde. Frick saß damals im Bauausschuss. Seine Anwaltszulassung verlor er, nachdem er wegen Veruntreuung von Mandantengeldern verurteilt wurden war. 2002 musste er zudem ein Schuldanerkenntnis bei der Volksbank Mittweida über 500.000 Euro unterschreiben, das er bis heute nicht bezahlt hat.

Es dürfte ihm deshalb schwergefallen sein, den Windpark selbst zu realisieren. Auf der Suche nach Investoren traf er auf Ulrich Schomakers, einen Brancheninsider aus Rheine, und Ludwig Nyhuis, einen Finanzmakler aus Twist im Emsland. Sie gründeten eine Firma, die Ventuno Design, die den Windpark als Generalunternehmer bauen und anschließend verkaufen sollte. Die HSH Nordbank war bereit, das gesamte Projekt zu finanzieren.

Der italienischen Staatsanwaltschaft kam der Windpark von Anfang an verdächtig vor. Einerseits weil Frick Mitglieder der Arena-Familie erst mit zehn, später mit 15 Prozent an dem Projekt beteiligte, obwohl sie angeblich kein Geld investiert hatten. "Arena war für die soziale Komponente des Projektes zuständig. Er sollte dafür sorgen, dass mögliche Konflikte zwischen den Beteiligten gelöst werden", sagt Nyhuis. Andererseits war man bei der Staatsanwaltschaft skeptisch, weil die Bank 100 Prozent finanzierte.

Die Staatsanwaltschaft Rom bat um Rechtshilfe aus Kiel

Die Staatsanwaltschaft Catanzaro beschloss, die Telefone der Beteiligten abzuhören. So erhielten die Ermittler in Italien Hinweise auf Korruption, Geldwäsche und Einschüchterungen.

Trotzdem - oder deshalb - ging die Windkraftanlage Capo Rizzuto Ende 2009 wie geplant in Betrieb. Die Schulden, 225 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer, wurden damit auf die Firma Vent1 Capo Rizzuto überschrieben, eine Betreibergesellschaft ohne nennenswertes Personal und mit 10.000 Euro Kapital. Geschäftsführer: Martin Frick.

Etwa zur gleichen Zeit schickte die Antimafia-Staatsanwaltschaft aus Rom ein Rechtshilfeersuchen nach Kiel. Darin ging es im Kern um die Frage, wie der Kredit mit der HSH Nordbank zustande gekommen war. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Bank so ein Projekt zu 100 Prozent finanziert", sagt Chefermittlerin Maria Vittoria De Simone.

Als einzige Reaktion schickte die Kieler Staatsanwaltschaft am 25. November 2010 zwei DIN-A-4-Ordner mit den Vertragsunterlagen, die sie von der HSH Nordbank erbeten hatte. Ein Sprecher der Bank sagte, es habe sich um eine damals übliche Projektfinanzierung gehandelt, bei der die Anlage und sämtliche Erlöse daraus als Sicherheit dienten.

In Kalabrien, rund 2000 Kilometer südlich von Kiel, spitzten sich die Dinge damals zu. Die Arenas drängten auf den Verkauf und wollten Geld sehen. Frick und sein Geschäftspartner bei der Schweizer Firma Econex, die an dem Windpark beteiligt ist, gerieten in finanzielle Schwierigkeiten. "Da unten gibt es Probleme. Keine Problemchen, echte Probleme", sagte Frick am Telefon.

Ermittlungen des Bundeskriminalamtes

Ein Treffen von Frick und Arena-Angehörigen mit Grazia Canuto, Abteilungsleiterin im italienischen Umweltministerium, brachte offenbar die dringend erhoffte Wende. Ihr gelang es offenbar, den italienische Energieversorger Terna für den Windpark in Capo Rizzuto zu begeistern. Es ging um einen Kaufpreis von rund 240 Millionen Euro. Den Arenas war das wohl zu wenig.

Frick arrangierte dennoch ein Treffen mit den Terna-Vertretern in Rom. Noch während er mit ihnen am 12. Juli 2012 zu Mittag aß, klingelte sein Telefon. Die italienische Staatsanwaltschaft hatte den Windpark beschlagnahmt, erfuhr er. Das Geschäft war geplatzt.

Schnell änderte Frick die Zusammensetzung der Gesellschafter, offenbar mit dem Ziel, den Namen Arena aus den Unterlagen zu tilgen, und legte Beschwerde gegen die Beschlagnahmung ein. Damit aber hatte er nur kurzfristig Erfolg. Das Gericht in Catanzaro bestätigte die Beschlagnahmung. Seither fließt auch kein Geld mehr an die HSH Nordbank.

Dass jetzt bei den drei verdächtigen Geschäftsleuten und auch bei der Bank durchsucht wird, liegt indes nicht an der Kieler Staatsanwaltschaft. Dort ruht der Fall immer noch unbearbeitet zwischen Aktendeckeln.

In aller Stille aber hatte eine Geldwäscheverdachtsanzeige eines niedersächsischen Finanzamtes die Staatsanwaltschaft Osnabrück alarmiert. Sie beauftragte das Bundeskriminalamt mit den Ermittlungen. Nachdem es aus Italien wiederholt Beschwerden über die Nachlässigkeit der Deutschen in dieser Sache gegeben hatte, nahm sich die Bundesbehörde selbst des Falles an.

Für den Hauptverdächtigen Frick wird es nun eng. Zwar hat er schon länger keinen Wohnsitz mehr in Deutschland und auch kein pfändbares Vermögen. Ein Inkassounternehmen aber, das der Volksbank Mittweida seine 500.000 Euro Schulden abgekauft hatte, stieß jetzt auf Fricks Schweizer Firma Econex. Das zuständige Bezirksgericht hat gerade einen Arrestbefehl über sämtliche Aktien, Gehaltsansprüche und Konten Fricks ausgestellt.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
period-of-decadence 19.11.2013
Zitat von sysopDER SPIEGEL/ Andreas UlrichMit Strom aus Windkraft sollen drei deutsche Geschäftsmänner der Mafia geholfen haben, schmutzige Gewinne aus Drogenhandel und Erpressung zu waschen. Die HSH Nordbank finanzierte das Investment. Nun haben Polizisten Wohnungen und Büros der Verdächtigen sowie Geschäftsräume der HSH durchsucht. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/verdacht-der-geldwaesche-fuer-mafia-polizei-durchsucht-hsh-nordbank-a-934244.html
In Vietnam sind gerade ein Banker und ein Geschäftsmann wegen Veruntreuung zum Tode verurteilt worden.....o.k. zugegeben, Vietnam mit Deutschland zu vergleichen ist nicht gerade dienlich. Ich wollte aber trotzdem darauf hinweisen.
2. JEDEN Tag
ctwalt 19.11.2013
fahre ich an den "Geschäftsräumen" der HSH Nordbank in Kiel vorbei. Gelegen in absoluter 1A Premiumlage beschäftigen sich die Herrschaften darin wohl nur mit Gedvernichtung und kriminellen Handlungen, ein Traum !!! Nicht zu vergessen, eine landeseigene Bank ! Am Besten abreissen und ein shoppingcenter darauf bauen.
3. Leg dich nicht mit grünen Familie an!
vierpunktzwo 19.11.2013
Arena war für die soziale Komponente des Projektes zuständig. Er sollte dafür sorgen, dass mögliche Konflikte zwischen den Beteiligten gelöst werden", sagt Nyhuis. Die Mafia als Problemlöser für die soziale Komponente des Projektes. Cool. Haben die noch Kapazitäten frei, vielleicht für mehrere eindrückliche Gespräche mit den Tennet Managern, über den dringenden Anschluss von Offshore Windparks.
4. Wieso
werber 19.11.2013
habe ich das Gefühl, in Deutschland ein Idiot zu sein, wenn ich einfach nur ehrlich bin? Politiker stecken sich die Taschen voll, Banker arbeiten mit der Mafia zusammen, die Kirchen verschwenden Geld, Politiker verschwenden unsere Steuergelder (BER, Hamburg, Nürbugring usw.), führende Leute hinterziehen in großem Maßstab Steuern (Zumwinkel, Höneß), andere setzen sich aus Deutschland ab (Beckenbauer, Schuhmacher, Vettel usw.). Kriminelle Großfamilien bestimmen in einigen Stadtteilen, was Gesetz ist oder nicht, Wirtschaftsflüchtlinge rauben ungeniert unsere Sozialkassen aus, ohne auch nur einen Cent eingezahlt zu haben und fordern dazu noch ungeniert freie ärztliche Versorgung, Banken bedienen sich ungeniert für ihre Fehlleistungen mit Steuergeldern, die europäischen Staaten haben es geschafft, uns ebenfalls um den Gewinn unserer Arbeit zu bringen, usw. usw. Ja, verdammt noch einmal - leben wir in einer Anarchie?
5. Liest man selten.
merkur08 19.11.2013
Das liest man selten, dass mit Laender uebergreifender Polizeiarbeit die Mafia eine auf die Muetze bekommt. Da sind die italiener weiter wie wir. Deutschland gilt ja nicht nur deswegen als Paradies fuer internationale Kriminalitaet. Daher die gemeinsame Arbeit verstaerken, von den Italienern ein paar Mafiagesetze uebernehmen und los geht es. Davon will ich mehr lesen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: