Verdacht der Kindesentführung Drei Personen auf Lesbos festgenommen

Der Fall erinnert an das Schicksal der kleinen Maria: Zwei Frauen und ein Mann sollen auf der griechischen Insel Lesbos ein Kind entführt haben. Sie wurden gefasst, als sie versuchten, das Baby mit falschen Papieren anzumelden.


Athen/Mytilini - Die griechische Polizei hat auf der Insel Lesbos zwei Frauen und einen Mann festgenommen. Gegen die 51-Jährige, ihren 21-jährigen Sohn und eine 19 Jahre alte Frau besteht der Verdacht der Kindesentführung. Sie wurden laut Polizei gefasst, als sie bei den örtlichen Behörden ein zweieinhalb Monate altes Kind mit falschen Papieren anmelden wollten.

Die Frauen und der Mann gehören der Roma-Gemeinde an. Sie haben offenbar gestanden, dass das Kind nicht von ihnen stammt. Laut Polizei sagten sie aus, das Kind Ende Juli von einer anderen Roma-Frau vor dem Laiko-Krankenhaus im Zentrum von Athen erhalten zu haben.

Den Papieren in ihrem Besitz zufolge war das Kind im Sankt-Olga-Krankenhaus am Rande der Hauptstadt geboren worden. Die Verdächtigen werden am Donnerstag der Staatsanwaltschaft vorgeführt.

Die griechischen Behörden sind alarmiert, seitdem vergangene Woche in einem Roma-Lager ein kleines Mädchen unbekannter Herkunft gefunden worden war. Die kleine Maria war aufgefallen, weil sie mit ihrer hellen Haut und blonden Haaren ihren angeblichen Eltern überhaupt nicht ähnelte. DNA-Tests bestätigten, dass es sich bei dem Paar nicht um die leiblichen Eltern handelte.

Der Fall Maria sorgte in den Medien für großes Aufsehen und veranlasste die Behörden, ihre Kontrollen zu verstärken. Griechenland steht seit längerem wegen seinen Adoptions- und Melderegeln in der Kritik.

Das Ehepaar, bei dem das Kind lebte, wurde unter dem Vorwurf der Kindesentführung in U-Haft genommen. Vor dem Haftrichter hatten die beiden ausgesagt, ein Paar aus Bulgarien habe ihnen das Kind anvertraut, weil es nicht in der Lage gewesen sei, das Mädchen großzuziehen. Inzwischen hat Interpol seine Bemühungen ausgeweitet, die Identität Marias klären zu lassen.

In Irland versucht derweil ein Roma-Paar, seine Tochter wiederzubekommen. Die Behörden hatten eine Siebenjährige aus der Familie genommen und in Pflege gegeben. Laut CNN hat das Paar DNA-Proben abgegeben, um zu beweisen, dass die Siebenjährige seine Tochter ist.

Gegen die Eltern gebe es keine konkreten Verdachtsmomente, hatte die Polizei mitgeteilt. Das Mädchen sei körperlich gesund. Der Fall werde bei Europol und Interpol mit Fällen vermisster Kinder abgeglichen.

Die Roma-Familie hatte eine Geburtsurkunde für das Mädchen mit blonden Haaren und blauen Augen vorgelegt. In dem Krankenhaus in Dublin, in dem das Kind 2006 zur Welt gekommen sein soll, war von der Geburt allerdings nichts bekannt. Auch das Babyfoto im Reisepass warf Fragen auf.

ulz/dpa/AFP

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spon-facebook-1318850894 23.10.2013
1. Der Hinweis auf ethnische Zugehörigkeit...
...der Verdächtigen kann vor dem Hintergrund der derzeit im Internet vorherrschenden rechtsradikalen Hetze nur noch als Anheizen einer Pogromstimmung gedeutet werden. Ist "Spiegel Online" von Rechten gekapert oder einfach nur ein aus dem Ruder gelaufenes Franchise-Unternehmen. Schande über Euch!
cs01 23.10.2013
2.
Zitat von spon-facebook-1318850894...der Verdächtigen kann vor dem Hintergrund der derzeit im Internet vorherrschenden rechtsradikalen Hetze nur noch als Anheizen einer Pogromstimmung gedeutet werden. Ist "Spiegel Online" von Rechten gekapert oder einfach nur ein aus dem Ruder gelaufenes Franchise-Unternehmen. Schande über Euch!
Nein. Ein Verschweigen des ethischen Hintergrundes würde erst recht zu einer Progromstimmung führen. Wenn es Roma waren, dann darf es auch gemeldet werden.
bairbre ni gabhann 24.10.2013
3. Hysterie und Diskrimierung
Ich finde es beunruhigend dass sich die Faelle angeblicher Kindesentführungen in mehreren Laendern häufen. In Irland gab es sogar 2 separate Faelle, in beiden Faellen bei Romas. Beide stellten sich heute Abend als unbegründet heraus: die Eltern waren tatsächlich die biologischen Eltern! Die Geburt war im Krankenhaus unter dem Maedchennamen der Mutter doch registriert. Aber die Kinder wurden in Obhut genommen und traumatisiert, letztlich ungerechtfertigt! Es scheint sich doch um Panikmache und Diskrimierung gegenüber einer ethnischen Minderheit zu handeln. Vorsicht, dass nicht wieder mittelalterliche Vorurteile gegen 'kinderklauende Zigeuner' auf dem Hintergrund des Falles in Griechenland geschuert werden...das macht mir schon Angst wo das hinführen kann...
U. Haleksy 24.10.2013
4. Auch wenn das Wording im Sound nicht so cool ist:
Es gibt keine DNA-Proben. Es gibt nur DNS-Proben. Aber nur wenn man weiß, worüber man schreibt und im Deutschunterricht aufgepasst hat.
jber 24.10.2013
5. Das Verschweigen
der ethnischen Zugehörigkeit der mutmaßlichen Täter würde den Leser lediglich in die Irre führen. Der Umstand dass die Taten jahrhundertealte Vorurteile bedienen (Zigeuner stehlen Kinder...) mag unschön sein, aber eine falsche Berichterstattung wäre sicher das größere Übel.
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