Vergewaltigung einer Fünfjährigen: Indische Polizei verhaftet zweiten Verdächtigen

Von , Islamabad

Schon wieder erschüttert eine Vergewaltigung Indien, diesmal wurde eine Fünfjährige missbraucht. Die Polizei hat jetzt einen zweiten Verdächtigen verhaftet. Die Oppositionsführerin sagt, die Gesellschaft leide unter einer "geistigen Krankheit". Sie verlangt "Schocktherapien" und die Todesstrafe.

In Indien ist im Fall der Vergewaltigung eines fünfjährigen Mädchens ein zweiter Tatverdächtiger verhaftet worden. Das bestätigte die Polizei nach einer groß angelegten Jagd auf die mutmaßlichen Vergewaltiger. Man habe den Mann im nordostindischen Bundesstaat Bihar aufgespürt und in Gewahrsam genommen, sagte der Polizeichef der Hauptstadt Neu-Delhi.

In Bihar war am Wochenende bereits der erste Verdächtige verhaftet worden. In Vernehmungen hatte er von einem Mittäter gesprochen und auch dessen Namen genannt.

Das fünfjährige Mädchen war am vergangenen Montag in Neu-Delhi entführt worden. Ihre Peiniger vergewaltigten es mehrmals und ließen das leblose Kind schließlich liegen. Erst am Mittwoch hörten Passanten Schreie aus einer Wohnung, die sich im selben Gebäude wie das Apartment der Eltern befindet. "Wir gehen davon aus, dass die Täter dachten, das Mädchen sei tot", teilte die Polizei von Neu-Delhi mit. "Deshalb ließen sie von dem Kind ab, in dem Glauben, es würde sie, die Nachbarn, nicht verraten können."

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Indien: Weiter Proteste nach Vergewaltigung von Fünfjähriger
Indische Medien berichten, das Kind sei auf dem Weg der Besserung und habe bereits mit seinen Eltern sprechen können. Es sei allerdings schwerverletzt. Aus Rücksicht auf die Psyche habe man das Mädchen noch nicht zur Tat befragt, sondern versuche, aus dessen Verhalten Rückschlüsse zu ziehen.

Heute soll nun auch der zweite Verdächtige vernommen werden. Auch er wurde dazu nach Neu-Delhi gebracht, wo er vor Gericht erscheinen soll. Trotz der raschen Festnahme steht die Polizei der Hauptstadt unter großem Druck. Der Vater des Mädchens wirft ihr vor, versucht zu haben, ihm ein Schweigegeld anzubieten, damit der Fall keine großen Wellen schlägt. Man habe ihm umgerechnet knapp 30 Euro geben wollen, nachdem er die Polizei über das Verschwinden seiner Tochter informiert habe. Mehr habe sie zunächst in dem Fall nicht unternehmen wollen.

Premierminister nennt Verhalten der Polizei "inakzeptabel"

Für Aufsehen sorgt der Fall auch, weil in den vergangenen Wochen mehrere andere Vergewaltigungsfälle Indien erschüttert haben. Im Dezember war eine 23-jährige Frau nach einer Vergewaltigung durch sechs Männer gestorben, im März war eine Schweizer Touristin vor den Augen ihres Partners vergewaltigt worden.

Gewalt gegen Frauen ist in Indien kein neues Phänomen, doch der Fall der gestorbenen Studentin im Dezember hat im Land einen Ruck ausgelöst. Schwiegen die Familien vergewaltigter Frauen bislang aus Scham, zeichnet sich nun eine Wende ab. Der Vater der Ermordeten wehrte sich gegen den Vorwurf, seine Tochter sei selbst daran schuld, vergewaltigt worden zu sein. Er machte ihre Identität öffentlich, die Proteste gegen die Vergewaltiger hielten wochenlang an. Über den Fall wurde weltweit berichtet.

Am Wochenende war der Missbrauch der Fünfjährigen das beherrschende Thema auf den Titelseiten der indischen Zeitungen. Premierminister Manmohan Singh sah sich genötigt, das Verhalten der Polizei "inakzeptabel" zu nennen. Demonstranten in Neu-Delhi fordern die Entlassung des Polizeichefs, andere verlangen den Rücktritt von Innenminister Sushil Kumar Shinde.

Indiens Regierung wollte nach dem Vergewaltigungsfall im Dezember neue Gesetze auf den Weg bringen und ließ Vorschläge zur Stärkung von Frauenrechten erarbeiten.

"Neu-Delhi ist eine Stadt der Unsicherheit geworden"

Oppositionsführerin Sushma Swaraj erklärte jetzt jedoch, neue Gesetze und schärfere Maßnahmen gegen Sexualstraftäter seien nicht genug. "Wir wollen Taten sehen, nicht nur Worte", schleuderte sie der Regierung entgegen. Die Vergewaltigungen und die Reaktionen darauf zeigten, dass sich in der indischen Gesellschaft eine "geistige Krankheit" ausbreite. Gerade Neu-Delhi sei für Frauen ein "Stadt der Unsicherheit" geworden. "Weder eine Fünfjährige noch eine 60-jährige Frau sind hier sicher."

Konkret forderte Swaraj die Todesstrafe für Vergewaltiger von Kindern und für Täter, die "besonders brutal und barbarisch" seien. Für "Perverse" und "Sadisten" verlangte sie "Schocktherapien". "Im Dezember dachte ich noch, die Vergewaltigung und Ermordung der jungen Frau sei eine Ausnahme gewesen. Aber die Vergewaltigung des Kindes zeigt mir, dass Perversion und Sadismus durchaus verbreitet sind", sagte sie.

Nach Angaben des Asiatischen Zentrums für Menschenrechte hat sich die Zahl der sexuellen Übergriffe auf Kinder in den vergangenen zehn Jahren tatsächlich mehr als verdreifacht. Im Jahr 2001 wurden demnach noch 2113 Vergewaltigungen gezählt, 2011 habe es im ganzen Land 7112 registrierte Fälle gegeben. Die Dunkelziffer dürfte um ein Mehrfaches höher liegen.

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Mit Material von dpa

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Fläche: 3.166.414 km²

Bevölkerung: 1213,370 Mio.

Hauptstadt: Neu-Delhi

Staatsoberhaupt:
Pranab Mukherjee

Regierungschef: Narendra Modi

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