Vereitelter Terroranschlag Teenager schmuggelte Zünder nach Deutschland

Neue Details über den vereitelten Terroranschlag auf US-Einrichtungen in Deutschland. Ein 15-Jähriger hat nach Informationen des SPIEGEL die Zünder für die drei bis zu 250 Kilogramm schweren Sprengsätze ins Land geschmuggelt - unwissentlich, wie er aussagte.


Hamburg - Die Ermittler haben inzwischen rekonstruiert, woher die insgesamt 26 militärischen Zünder stammen, die bei der Festnahme des Trios im Sauerland gefunden worden waren. In einer Vernehmung vor dem Ermittlungsrichter in Karlsruhe räumte ein 15-jähriger Deutsch-Tunesier aus Wolfsburg ein, die Zünder unwissentlich in einer Plastiktüte von Istanbul nach Niedersachsen transportiert zu haben. Die Detonatoren, hergestellt offenbar in Osteuropa, waren in den Absätzen von zwei Schuhen versteckt, die die Ermittler später aufgesägt vorfanden.

Aladin T. sagte aus, er sei im August zu einem Familienfest nach Istanbul gefahren. Dort sei er in einer Moschee von einem Türken angesprochen worden, der ihn bat, die Tüte mit ein Paar Schuhen und einer Jeans in Braunschweig abzuliefern. Ein Freund habe die Sachen in Istanbul vergessen. 100 Euro für die Fahrtkosten habe er dafür bekommen.

Weiter sagte der 15-Jährige aus, er sei dann mit dem Bus nach München gefahren, von dort aus mit dem Nachtzug nach Hannover. In Braunschweig traf Aladin T. am 26. August den deutschen Konvertiten Fritz Gelowicz, einen der drei festgenommenen Islamisten. Gemeinsam seien die beiden dann nach Wolfsburg gefahren, um die Schuhe abzuholen.

Wie aus abgehörten Gesprächen hervorgeht, visierten die Islamisten als mögliche Ziele unter anderem die US-Basis Ramstein an. Supermärkte zu attackieren, verwarfen die Verdächtigen hingegen, weil unter den potentiellen Opfern zu viele Frauen und Kinder gewesen wären.

Nach Erkenntnissen der Ermittler drängte die Führung der mysteriösen "Islamischen Dschihad Union" (IJU) aus Pakistan und Iran im Laufe des August darauf, die Deutschen sollten sich beeilen. In einer abgefangenen Nachricht forderte ein mutmaßlicher IJU-Vertreter mit dem Pseudonym "Jaf", die Deutschen sollten die "Prüfung ablegen". Am 24. August wandte sich deshalb Adem Y. an Fritz Gelowicz: "Der Chef meint, wir müssen diese Sache in 15 Tagen erledigen, wenn nicht, müssen wir zurück." Am 4. September wurde das Trio verhaftet.

Kauf von Chemikalien soll erschwert werden

Um Terroristen den Bau von Bomben zu erschweren, plant die Bundesregierung, den Verkauf bestimmter Chemikalien schärfer zu kontrollieren. Laut Plänen des Bundesumweltministeriums in Berlin dürfen künftig neun Chemikalien, die als Grundstoffe für Bomben geeignet sind, nur noch nach einer Registrierung der Käuferpersonalien in einem "Abgabebuch" ausgehändigt werden. Der Verkauf der Chemikalien an Privatleute über den Versandhandel soll ganz verboten werden.

Geprüft wird zudem, ob die Weitergabe der Personalien von Kunden an die Sicherheitsbehörden möglich ist. Händler dürften Chemikalien dann nur verkaufen, wenn das Einverständnis des jeweils zuständigen Landeskriminalamts vorliegt. In einem Brief an die Amtschefs der Umweltministerien der Länder mahnt der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Matthias Machnig, seine Länderkollegen zu erhöhter Wachsamkeit.

Die Landesbehörden sollten "Sorge tragen, dass die Überwachung der Abgabe der neun Sprengstoffgrundstoffe auch auf Behördenseite intensiviert wird", schreibt Machnig. Ziel müsse es sein, bei den Händlern das Problembewusstsein zu schärfen. Zu den Stoffen, die unter die Regelung fallen, gehört neben Ammoniumnitrat und Natriumchlorat auch Wasserstoffperoxid ab einer Konzentration von zehn Prozent.

Zwölf Kanister mit der Chemikalie waren im Sommer bei der Festnahme der Sauerländer Gruppe mutmaßlicher islamistischer Terroristen in Baden-Württemberg sichergestellt worden. Die Männer hatten die Kanister legal über einen Online-Händler in Hannover bezogen.

ssu



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.