Entschädigung nach Todeskampf: In Zelle vergessener Student bekommt vier Millionen Dollar

Fünf Tage saß Daniel Chong in einer Zelle, ohne Wasser und ohne Licht. Die US-Drogenbehörde hatte nach einer Razzia vergessen, dass er noch da war. Jetzt soll er eine Millionen-Entschädigung bekommen.

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Daniel Chong: Über ein Jahr nach dem Todeskampf wird der US-Student entschädigt

San Diego - In seiner Verzweiflung trank er seinen eigenen Urin und versuchte, eine Sprinkleranlage auszulösen, um an Wasser zu kommen: Erst fünf Tage nach seiner Festnahme kam jemand in Daniel Chongs Zelle: Man hatte einfach vergessen, dass der US-Student dorthin gebracht worden war.

Nach mehr als einem Jahr soll der 23-Jährige nun entschädigt werden: Sein Anwalt Gene Iredale kündigte noch vor der offiziellen Bekanntgabe an, sein Mandant bekomme 4,1 Millionen Dollar.

Zusammen mit anderen Anwälten hatte Iredale die Drogenbehörde DEA insgesamt auf 20 Millionen Dollar verklagt. Nach seiner Ansicht stellt die Behandlung des Studenten Folter dar.

Am 21. April 2012 war Chong zusammen mit acht weiteren Verdächtigen bei einer Razzia auf einer Party in Gewahrsam genommen worden. Bei der Durchsuchung des Hauses fanden DEA-Mitarbeiter 18.000 Ecstasy-Pillen, andere Drogen und Waffen. DEA-Mitarbeiter sagten Chong, er sei kein Verdächtiger und werde in Kürze freikommen. Er habe dann Formulare unterschrieben und sei zurück in die Zelle gebracht worden.

Nach einigen Tagen habe er sich darauf eingestellt, in der Zelle zu sterben. "Ich dachte, 'Wow, das ist ein schrecklicher Weg, aus dem Leben zu scheiden'", sagte er nach seiner Rettung. Er habe im Dunkeln gesessen und geschrien, man solle ihn wenigstens nicht langsam verenden lassen. "Dann ging das Licht an, sehr verwundert aussehende Mitarbeiter der US-Drogenbehörde DEA öffneten die Tür. Sie sagten: 'Wer bist du? Wo kommst du her?'"

Fünf Tage musste er im Krankenhaus verbringen, um sich von der Strapaze zu erholen und wurde wegen Dehydration, Nierenversagens und Krämpfen behandelt. Chong ist weiterhin in psychologischer Betreuung und leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, nachdem er in der Zelle mit dem Tod gerungen hatte.

Die Nachrichtenagentur Associated Press zitiert einen DEA-Kenner. Demnach sehen die Regeln der Behörde vor, dass jede Zelle jeden Abend kontrolliert werden müsse. Zudem sei Chongs Zelle nicht für einen Aufenthalt über Nacht geeignet gewesen, weil sie keine Toilette habe.

Ein einzelner Polizist soll nach den Angaben von Chongs Anwalt vom Dienstag nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

mia/AP

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