Vergewaltigung in Indien: Fünf Männer in Neu-Delhi des Mordes angeklagt

Die Anklage gegen die mutmaßlichen Vergewaltiger der indischen Studentin ist jetzt offiziell eingereicht worden - sie lautet auf Mord. Fünf Beschuldigte müssen sich vor einem Schnellgericht verantworten. Ihnen droht die Todesstrafe. Der Vorsitzende Richter fürchtet Lynchjustiz.

Neu-Delhi - Die mutmaßlichen Peiniger einer indischen Studentin sind offiziell angeklagt worden. Fünf Männer müssen sich in Neu-Delhi wegen Entführung, Mordes, Gruppenvergewaltigung und Vernichtung von Beweismaterial vor Gericht verantworten, teilte ein ermittelnder Beamter mit. Im Falle einer Verurteilung droht den Beschuldigten die Todesstrafe. Sie planten, auf diese Bestrafung zu drängen, sagten Ermittler. Am Samstag soll die erste Anhörung folgen; die Staatsanwaltschaft hat den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt.

Bei einem der sechs Verdächtigen wird noch anhand medizinischer Tests ermittelt, ob er minderjährig ist oder unter das Erwachsenenstrafrecht fällt. Es wird vermutet, dass er 17 Jahre alt ist. Gegen Minderjährige kann in Indien keine Mordanklage erhoben werden. Sollte der Angeklagte noch nicht erwachsen sein, wird sein Fall vor einem Jugendgericht verhandelt. Die Höchststrafe läge dann bei drei Jahren.

Die Studentin war am 16. Dezember in einem Minibus in Neu-Delhi vergewaltigt worden. Zuvor hatte sie sich mit einem Freund einen Kinofilm angesehen. Die Studentin wurde nach Polizeiangaben fast eine Stunde lang sexuell missbraucht, wie ihr Begleiter mit Eisenstangen geschlagen und schließlich nackt aus dem fahrenden Bus geworfen. Am vergangenen Samstag war die junge Frau nach mehreren Notoperationen in einem Spezialkrankenhaus in Singapur ihren Verletzungen erlegen. Ihr Freund überlebte verletzt.

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Neu-Delhi: Auftakt im Vergewaltigungsprozess
Angeklagt sind der Busfahrer, 33; sein 26-jähriger Bruder, der Busse reinigt; ein 24-Jähriger, der ebenfalls Busse putzt; ein 20-jähriger Fitnesstrainer und ein 19-jähriger Obstverkäufer. Die Polizei reichte beim zuständigen Gerichtsbezirk Saket im Süden Neu-Delhis eine mehr als tausend Seiten dicke Anklageschrift ein. Darin sind Berichten zufolge Aussagen von 30 Zeugen enthalten, auch die des Begleiters der Studentin und eines Mannes, der nach eigenen Angaben vor der Vergewaltigung von den Angeklagten ausgeraubt worden war. Das Verfahren findet vor einem eigens eingerichteten Schnellgericht statt.

Laut Polizei sollen die Beschuldigten bereits zugegeben haben, die Frau gequält zu haben, um ihr "eine Lehre zu erteilen". Sie soll sich gewehrt und drei ihrer Peiniger gebissen haben. Die Bissspuren sind demnach Teil des Beweismaterials.

Richter betont Recht auf faires Verfahren

Der Fall hat für so heftige Reaktionen gesorgt, dass der Vorsitzende Richter Altamas Kabir sich veranlasst sah, das Recht der Beschuldigten auf einen neutralen Prozess zu betonen. Bei aller Empörung müsse den Verdächtigen ein fairer Prozess gemacht werden, Lynchjustiz sei nicht akzeptabel. "Wir sollten nicht vergessen, dass eine Person als unschuldig gilt, bis das Gegenteil bewiesen ist", sagte er.

2500 in dem Gerichtsbezirk registrierte Verteidiger haben nach Angaben der Anwaltsvereinigung entschieden, sich dem Verfahren fernzuhalten, um einen zügigen Prozess sicherzustellen. Dies bedeutet, dass die Regierung für die Angeklagten Pflichtverteidiger benennen muss. "Wir haben entschieden, dass kein Anwalt die der Vergewaltigung Beschuldigten vertreten wird, weil es unmoralisch wäre, die Verteidigung in dem Fall zu übernehmen", sagte ein Mitglied der Vereinigung. Anwälte in Roben demonstrierten vor dem Gerichtsgebäude für schnellere Verfahren in Vergewaltigungsfällen.

Die brutale Vergewaltigung der jungen Frau hatte in Indien und international für Empörung gesorgt. Die Tat löste heftige Diskussionen über den Umgang mit Frauenrechten aus. Auch am Mittwoch demonstrierten wieder Tausende Inderinnen mit einem Schweigemarsch für mehr Schutz von Frauen in ihrer Heimat. Viele Bürger erwarten nun von den Behörden strengere Gesetze und ein härteres Durchgreifen der Polizei, auch die Familie des Opfers. "Das ganze Land verlangt, dass diese Monster gehängt werden. Ich stimme ihnen zu", sagte der Vater der Studentin.

Ihr Onkel äußerte sich ebenfalls: "Sie war ein sehr, sehr, sehr fröhliches kleines Mädchen, harmoniebedürftig und nie in irgendwelche Vorfälle wie diesen verwickelt." Wenn die Regierung nicht mit schärferen Gesetzen gegen Vergewaltiger vorgehe, werde die Bevölkerung die Missetäter selbst zur Rechenschaft ziehen: "Die Leute auf der Straße werden mit ihnen abrechnen."

In außergewöhnlich schweren Mordfällen kann in Indien die Todesstrafe verhängt werden. Sie wird selten vollstreckt, bei besonders drastischen Straftaten kommt es aber zu Hinrichtungen. Zuletzt war im vergangenen November der letzte überlebende Attentäter der Terrorserie von Mumbai Ende 2008 gehängt worden. Präsident Pranab Mukherjee hatte sein Gnadengesuch abgelehnt. Es war die erste Hinrichtung in Indien seit dem Jahr 2004.

ulz/dapd/dpa/AP

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    Seite 1    
1. dieses ganze Geschrei
gg1963 03.01.2013
Zitat von sysopDie Anklage gegen die mutmaßlichen Vergewaltiger der indischen Studentin ist jetzt offiziell eingereicht worden - sie lautet auf Mord. Fünf Beschuldigte müssen sich vor einem Schnellgericht verantworten. Der Vorsitzende Richter sieht ein faires Verfahren gefährdet - und fürchtet Lynchjustiz. Vergewaltigte indische Studentin: Beschuldigte des Mordes angeklagt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/vergewaltigte-indische-studentin-beschuldigte-des-mordes-angeklagt-a-875520.html)
kann man sich nur erklären, wenn man das willkürliche, kaputte Rechtssystem in Indien besser kennen würde. Diese abscheuliche Tat gehört verurteilt und die Täter zur Rechenschaft gezogen, aber diese Schweine jetzt als Sündenbock für das ganze verkorkste System und desen Weltsicht zu nehmen, ist genauso so krank und verbrecherische wie deren Tat. Damit alleine wird sich nichts ändern. Auch wäre es mal interessant zu untersuchen, warum so ein Aufstand nicht veranstalltet wird, wenn ein Mann zu Tode geprügelt wird. Das ist wohl gesellschaftlich akzeptiert.
2. Fünf Männer in Neu-Delhi des Mordes angeklagt
bertholdalfredrosswag 03.01.2013
Die Frage kann hier nicht sein, wie hoch man solche Entartungen bestrafen soll oder kann. Man kann hier nur von Monster reden die es nicht in sich haben Mensch zu sein. Mann sperrt Tiere hinter Gitter weil ihnen das Menschempfinden fehlt. Doch bei entsprechender Entartung, was man als Tollwütig oder Bestialisch bezeichnen muss . schläfert man sie zu recht ein und da ist bei Mensch oder Tier kein Unterschied. Selbst wenn solches mich betreffen würde, müßte ich dem zustimmen.
3.
CobCom 03.01.2013
Zitat von sysopDie Anklage gegen die mutmaßlichen Vergewaltiger der indischen Studentin ist jetzt offiziell eingereicht worden - sie lautet auf Mord. Fünf Beschuldigte müssen sich vor einem Schnellgericht verantworten. Der Vorsitzende Richter sieht ein faires Verfahren gefährdet - und fürchtet Lynchjustiz. Vergewaltigte indische Studentin: Beschuldigte des Mordes angeklagt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/vergewaltigte-indische-studentin-beschuldigte-des-mordes-angeklagt-a-875520.html)
Ich bin da echt ein wenig unschlüssig... Allerdings stehen die Chancen, dass diese Leute wirklich bekommen, was sie verdienen, bei lebenslänglich wohl erheblich besser als bei Todesstrafe...
4.
felixhenn 03.01.2013
Was für Menschen müssen das sein, die in der Gruppe ein solches ungeheuerliches Verbrechen begehen können? Allerdings sollte auch der andere Mitfahrer erwähnt werden, der vor der Tat aus dem Fahrzeug geworfen wurde weil er sich nicht beteiligen wollte. Der hatte sofort zwei Motorradpolizisten informiert, die jedoch nicht eingriffen weil das angeblich nicht ihr Bezirk sei. Diese Polizisten gehören auch auf eine Anklagebank.
5. Trotz der Tragig des Falles einen kühlen Kopf bewahren!
tomrobert 03.01.2013
Es sollte im Interesse der Frauen sein den Sachverhalt auf eine gesellschftliche Diskussion auszuweiten um die Stellung der Frau in der Gesellschaft offen zu legen. Die Täter einfach aufzuhängen wird langfristig nicht viel bringen.
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Fläche: 3.166.414 km²

Bevölkerung: 1213,370 Mio.

Hauptstadt: Neu-Delhi

Staatsoberhaupt:
Pranab Mukherjee

Regierungschef: Manmohan Singh

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