Vergewaltigte Joggerin Polizei sucht Mörder in der Fernfahrerbranche

Die Polizei geht im Fall der ermordeten Joggerin aus der Nähe von Freiburg von einem Mehrfachtäter aus. Neue Spuren deuten demnach darauf hin, dass der Täter aus dem Lkw-Gewerbe kommen könnte.

Kerzen und Gedenkbriefe Mitte November in Endingen
DPA

Kerzen und Gedenkbriefe Mitte November in Endingen


Im Fall der Anfang November bei Freiburg getöteten 27-jährigen Joggerin ermittelt die Polizei nun in der Lkw-Branche. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mörder der jungen Frau in Endingen auch für den gewaltsamen Tod einer 20 Jahre alten Studentin Anfang 2014 in Österreich verantwortlich ist. Der mutmaßliche Mehrfachtäter werde als mobil und sehr gefährlich eingestuft, teilten die Ermittler mit.

Aus Sicht des österreichischen Chefermittlers Walter Pupp ist die Speditionsbranche ein Schwerpunkt der Ermittlungen. Bei der Tat in Kufstein soll der Täter als Waffe eine Eisenstange benutzt haben, die bei hydraulischen Hebesystemen zum Einsatz kommt, zum Beispiel bei Hubwagen oder zum Abkippen von Lkw-Führerkabinen. Auch in Endingen wurde mit einem schweren Gegenstand zugeschlagen - der Polizei zufolge vermutlich mit einer Eisenstange.

Dies bedeute aber nicht zwingend, dass der Täter Lastwagen- oder Fernfahrer sei, sagte ein Freiburger Polizeisprecher. An solche Stangen könnten auch andere kommen. Für entscheidende Hinweise sind auf deutscher Seite insgesamt 28.500 Euro Belohnung ausgesetzt.

Beide Taten seien "mit hoher Wahrscheinlichkeit" vom selben Täter begangen worden, hatten die Ermittler am Donnerstag mitgeteilt. Die Verbindung werde als wesentliche Spur angesehen - andere Spuren fehlten, sagte der Freiburger Polizeisprecher. Es werde geprüft, ob es Parallelen zu weiteren Taten gebe. Konkrete Hinweise darauf gebe es aber nicht.

Es gibt ein Phantombild - von 2014

Die 27-jährige Frau aus Endingen bei Freiburg war am 10. November, vier Tage nach ihrem Verschwinden, tot in einem Waldstück nahe ihrem Wohnort gefunden worden - sie war vergewaltigt und umgebracht worden. Im österreichischen Kufstein wurde den Ermittlern zufolge im Januar 2014 eine französische Austauschstudentin aus Lyon von einem Unbekannten erschlagen, die spätabends allein an der Inn-Uferpromenade zu Fuß unterwegs war. Auch sie wurde demnach Opfer eines Sexualdelikts.

Beide Taten tragen den Ermittlern zufolge das gleiche Muster, zudem stimmen demnach Hinweise überein. Trotz gefundener DNA-Spuren sei der Täter jedoch unbekannt, sagte der Polizeisprecher. Die Qualität der DNA-Spuren sei derart schlecht, dass ein Abgleich mit Datenbanken nur sehr schwer möglich sei.

Es gibt von dem Gesuchten ein Phantombild aus Österreich. Dieses stamme aber aus dem Jahr 2014 und sei für den Fall in Endingen daher nicht unbedingt aussagekräftig. Die deutsche Polizei verwende es nicht.

Die Ermittlungen liefen nun gemeinsam, sagte der Sprecher, die Polizei in beiden Ländern arbeite eng zusammen. Einen Zusammenhang zu einem Sexualmord an einer 19 Jahre alten Studentin Mitte Oktober in Freiburg sehen die Ermittler nicht. Verdächtig in diesem Fall ist ein junger Flüchtling aus Afghanistan. Er sitzt seit seiner Festnahme Anfang Dezember in Untersuchungshaft.

mxw/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.