Neu-Delhi - Indische Polizisten sollen mit Eisenstangen auf die Beschuldigten im Vergewaltigungsprozess eingeprügelt haben. Das behauptet der Anwalt Manohar Lal Sharma. Die Behörden hätten mit Gewalt Geständnisse erpressen wollen. Sharma ist nach eigenen Angaben Verteidiger von drei der fünf volljährigen Beschuldigten in dem Verfahren.
"Ich komme gerade aus dem Tihar-Gefängnis, nachdem ich einen der Beschuldigten getroffen habe", sagte Sharma. "Er ist während des Verhörs brutal gefoltert worden. (...) Viel von dem, was die Polizei sagt, ist frei erfunden." Die Ermittler seien unter Druck gewesen, den Fall schnell zu lösen. "Das sind manipulierte Beweise. Es beruht alles auf der Basis von Hörensagen und Vermutungen", sagte Sharma.
Mehr als eine Woche lang seien die Männer verhört und dabei misshandelt worden. Sharma forderte ein faires Gerichtsverfahren für die Beschuldigten. Die fünf mutmaßlichen Vergewaltiger wurden in den vergangenen Wochen ohne einen Anwalt verhört. Experten verwiesen darauf, dass dies bei einer Verurteilung der Grund für eine Berufung sein könnte.
Die 23 Jahre alte Studentin war am 16. Dezember in Neu-Delhi in einem fahrenden Bus von mehreren Männern vergewaltigt und mit Eisenstangen gefoltert worden. Sie starb knapp zwei Wochen später in einem Spezialkrankenhaus in Singapur an ihren Verletzungen.
"Ich werde auf unschuldig plädieren"
Sharma sagte, seine drei Mandanten würden sich in dem Prozess für unschuldig erklären. Bereits am Dienstag hatten zwei Personen - der Bruder des Busfahrers und ein Tagelöhner - angekündigt, auf nicht schuldig plädieren zu wollen. Dem schloss sich nun auch der Busfahrer, der vermutete Anführer der Gruppe, an. "Ich vertrete Ram S. und ich werde auf unschuldig plädieren", sagte Anwalt Sharma.
Indische Medien berichteten, die anderen beiden volljährigen Beschuldigten hätten angeboten, als Belastungszeugen auszusagen, um geringere Strafen zu bekommen. Die Staatsanwaltschaft hatte mitgeteilt, DNA-Spuren belegten, dass alle Beschuldigten an der Tat beteiligt waren.
Unter Anwälten in Neu-Delhi war ein Streit darüber entbrannt, ob man die Beschuldigten angesichts der Grausamkeit der Tat überhaupt verteidigen dürfe. Die Anwaltskammer am Gerichtsstandort hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder würden das Mandat verweigern. Bei einer Anhörung am Montag hatten sich zwei Anwälte bereit dazu erklärt, die Beschuldigten zu vertreten, und damit einen Tumult unter ihren Kollegen ausgelöst. Einer der beiden Juristen war Sharma.
ulz/dpa/dapd
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