Vergewaltigungsprozess in Indien: Gericht lehnt Antrag auf Verlegung ab

Der Prozess wegen der Vergewaltigung einer 23-jährigen Inderin wird auch weiterhin in Neu-Delhi stattfinden. Das Gericht lehnte den Antrag eines Verteidigers ab: Er hatte argumentiert, in der indischen Hauptstadt sei kein faires Verfahren möglich.

Neu-Delhi - Die fünf Männer, die wegen der Vergewaltigung und des Mordes an einer 23-Jährigen angeklagt sind, müssen sich weiter in der Hauptstadt Neu-Delhi vor Gericht verantworten. Das Verfassungsgericht habe einen Antrag auf Verlegung des Falls abgewiesen, berichtete die Nachrichtenagentur IANS.

Der Anwalt M. L. Sharma hatte die entsprechende Anfrage gestellt. In Neu-Delhi, wo die Tat geschah, sei wegen der Proteste und Berichterstattung kein neutrales Verfahren gewährleistet, argumentierte der Anwalt. Das Gericht wies den Antrag nun mit der Begründung zurück, Sharma vertrete mittlerweile keinen der Angeklagten mehr.

Der Prozess gegen fünf der mutmaßlichen Täter war vergangene Woche eröffnet worden. Den Angeklagten wird vorgeworfen, am 16. Dezember eine 23-Jährige in einem Bus vergewaltigt und brutal misshandelt zu haben. Die Frau starb Ende Dezember an ihren schweren Verletzungen. Den Angeklagten droht bei einer Verurteilung wegen Entführung, Vergewaltigung und Mordes die Todesstrafe.

Ein sechster Angeklagter soll sich vor einem Jugendgericht verantworten, weil er zum Tatzeitpunkt minderjährig war. Damit drohen ihm bei einer Verurteilung maximal drei Jahre Haft.

aar/dpa/AFP

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Fläche: 3.166.414 km²

Bevölkerung: 1213,370 Mio.

Hauptstadt: Neu-Delhi

Staatsoberhaupt:
Pranab Mukherjee

Regierungschef: Manmohan Singh

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Vergewaltigungsfall in Indien - Chronologie
16.12.2012 Vergewaltigung
Eine 23-jährige Medizinstudentin wird in einem Bus in Neu Delhi von sechs Männern vergewaltigt. Die Täter misshandeln die Frau und einen Freund, der sie begleitet, mit einer Eisenstange.
17.12. Festnahmen
Die Polizei nimmt vier Verdächtige fest, zwei weitere folgen später. Das Opfer schwebt mit einer schweren Hirnverletzung und inneren Verletzungen im Krankenhaus weiter in Lebensgefahr.
18.12. Erste Demonstrationen
Demonstranten gehen in mehreren Städten auf die Straße und machen Laxheit der Polizei für steigende Gewalt gegen Frauen verantwortlich. Die Opposition fordert im Parlament schärfere Gesetze, um Vergewaltigungen zu stoppen.
22.12. Proteste eskalieren
Nach kleineren Studentenprotesten gehen Tausende Inder auf die Straße. Die Polizei geht mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die aufgebrachte Menge vor.
23.12. Viele Verletzte
Die Proteste schlagen in Gewalt um - laut Polizei, weil sich Krawallmacher unter die Protestierenden mischen. Es gibt mehr als hundert Verletzte auf beiden Seiten.
25.12. Polizist stirbt
Ein Polizist, der bei den Demonstrationen verletzt worden war, stirbt im Krankenhaus.
26.12. Regierung schaltet sich ein
Die indische Regierung ordnet eine Untersuchung des Falls an. Die Kommission soll mögliche Versäumnisse der Polizei und anderer staatlicher Stellen herausfinden. Sie soll auch Maßnahmen für mehr Schutz und Sicherheit von Frauen vorschlagen.
27.12. Opfer kommt in Spezialklinik
Der Gesundheitszustand der 23-Jährigen verschlechtert sich rapide. Sie wird nach Singapur in eine Spezialklinik ausgeflogen.
29.12. Studentin stirbt
Die junge Frau stirbt an Organversagen. Die sechs verdächtigen Männer werden des Mordes beschuldigt. Tausende demonstrieren erneut gegen sexuelle Gewalt und für mehr Frauenrechte.
30.12. Bestattung des Opfers
Die Leiche der vergewaltigten Inderin wird in Neu Delhi nach traditionellen Riten verbrannt. Zwischen Demonstranten und Polizei kommt es erneut zu Auseinandersetzungen.
3.1.2013 Anklage wegen Mordes
Die Justiz erhebt Anklage wegen Mordes gegen fünf Beschuldigte.