Vergewaltigung in Indien Zwei Angeklagte erklären sich für unschuldig

Zwei der fünf Männer, die wegen der Vergewaltigung und des Todes einer 23-jährigen Studentin in Indien vor Gericht stehen, wollen auf nicht schuldig plädieren. Der Anwalt der beiden kündigte an, den Umgang der Polizei mit Beweismitteln in Frage zu stellen.

Polizeitransporter mit Angeklagten: Zwei Männer weisen "sämtliche Anklagepunkte" zurück
REUTERS

Polizeitransporter mit Angeklagten: Zwei Männer weisen "sämtliche Anklagepunkte" zurück


Neu-Delhi - Zwei der insgesamt fünf Angeklagten im Prozess um den Tod einer mehrfach vergewaltigten Studentin in Indien wollen auf nicht schuldig plädieren. Die Männer würden "sämtliche Anklagepunkte" zurückweisen, sagte der Anwalt M.L. Sharma. "Es ist noch nichts bewiesen." Der Anwalt, der nach eigenen Angaben beide Männer vor Gericht vertritt, kündigte an, den Umgang der Polizei mit Beweismitteln in Frage zu stellen. Details wollte er nicht nennen.

Die fünf bereits angeklagten Männer im Alter zwischen 19 und 35 Jahren sollen Mitte Dezember eine 23-jährige Studentin in einem Bus in Neu-Delhi mehrfach vergewaltigt, schwer misshandelt und anschließend mit ihrem Freund auf die Straße geworfen haben. Die junge Frau war Ende Dezember an den Folgen der Tat gestorben. Ein sechster Verdächtiger ist nach eigenen Angaben 17 Jahre alt und dürfte vor ein Jugendgericht kommen.

Der für den Fall zuständige Staatsanwalt Rajiv Mohan hatte am Samstag erklärt, dass die Blutspuren an der Kleidung aller sechs Verdächtigen mit der DNA des 23-jährigen Opfers übereinstimmten.

Bei den beiden Männern, die auf nicht schuldig plädieren wollen, handelt es sich um den Bruder des Busfahrers und einen Tagelöhner. Sie waren wie die anderen drei am Montag erstmals vor Gericht erschienen und hatten ihre Anklageschriften erhalten. Der nächste Verhandlungstag ist für Donnerstag angesetzt. Den Männern, die derzeit in einem Gefängnis in Neu-Delhi sitzen, droht die Todesstrafe.

Das Schicksal der Studentin hat eine Welle von Protesten in Indien ausgelöst. Einen Sturm der Entrüstung trat der prominente Hindu-Guru Asaram Bapu los, der der jungen Frau Mitschuld an dem tödlichen Verbrechen gegeben hatte.

Indische Medien und politische Parteien - darunter auch die hindu-nationalistische BJP - kritisierten den Guru. Eine Sprecherin Bapus wies Forderungen nach einer Entschuldigung am Dienstag zurück. Seine Worte seien aus dem Zusammenhang gerissen worden: "Er sagte nur, dass ein heiliges Mantra schützt, wenn man es in Zeiten der Gefahr singt. Sie hätte vielleicht einen diplomatischen Weg aus der Lage finden können." Der Guru habe dem Opfer keine Schuld zugewiesen. "Er sagte nur, dass sie 0,1 Prozent verantwortlich für den Fall sei, indem sie in den Bus stieg."

Zwei der Angeklagten hatten am Samstag laut der Nachrichtenagentur Reuters einen Antrag gestellt, um gegen die anderen auszusagen. Sie erhoffen sich demnach eine mildere Strafe. Der 20-jährige Fitnesstrainer Vinay S. und der 19 Jahre alte Obstverkäufer Pawan G. wollen sich demnach als eine Art Kronzeugen zur Verfügung stellen.

siu/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.