Von Julia Jüttner
Nach der Tat mache für das Opfer die menschliche Komponente den großen Unterschied, keine neuen Gesetzentwürfe, sagt Kriminologin Treibel. "Wie sensibel die Polizeibeamten in der Vernehmung sind, wie sorgsam die Ärzte bei der medizinischen Untersuchung vorgehen."
Im Dezember 2006 wird gegen Weilers Vater Anklage erhoben wegen Vergewaltigung. Stefanie Weiler besichtigt auf Anraten des Frauennotrufs zwei Tage vor dem Prozess den Gerichtssaal. Die Größe des Raumes überwältigt sie fast. "Ich bin froh, dass diese Eindrücke nicht erst am Prozesstag auf mich einstürzten."
Ohne Opferbegleitung im Gericht hätte sie das Verfahren nicht durchgestanden, sagt Stefanie Weiler. "Ich fühlte mich wie ein kleines Kind, ängstlich, unsicher, verstört."
Die Verteidigerin ihres Vaters fragt sie vor Gericht, ob sie mit ihrem Lebensgefährten "ein erfülltes Sexualleben" habe. Als sie bejaht, entgegnet die Anwältin: "Dann kann das alles für Sie ja nicht so schlimm sein."
Ein Freispruch für das Opfer "immer eine Katastrophe"
Im März 2007 wird Stefanie Weilers Vater wegen sexueller Nötigung zu 14 Monaten auf Bewährung und 3000 Euro Schmerzensgeld verurteilt.
Das Strafmaß ist Stefanie Weiler nicht wichtig. Wichtig ist ihr nur, dass der Täter verurteilt ist. "Für mich bedeutet das Urteil, dass die Tat nicht mehr nur ein Vorwurf ist, sondern eine Tatsache, die mir eine staatliche Instanz bestätigt hat."
"Die Opfer messen der Strafe für den Täter eine unterschiedliche Bedeutung bei", sagt Wissenschaftlerin Treibel. "Meiner Erfahrung nach ist das Bedürfnis nach Vergeltung nicht so hoch wie in der Öffentlichkeit propagiert." Vielmehr sei für Betroffene entscheidend, wie das Verfahren ablaufe. "Wenn der Prozess ganz mies gelaufen ist, der Täter aber eine hohe Strafe bekommen hat, entschädigt dies das Opfer keineswegs." Ein Freispruch sei für das Opfer "immer eine Katastrophe".
Auch im Fall von Kerstin Maler kam der Täter mit einer Bewährungsstrafe davon. Dennoch: "Ich hatte auf einmal wieder das Gefühl, dass es Gerechtigkeit gibt", sagt sie.
* Alle Namen von der Redaktion. Die echten Namen sind der Redaktion bekannt.
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