Verbrechen an Frauen Weiterer indischer Top-Politiker verharmlost Vergewaltigungen

Zum zweiten Mal binnen Kurzem hat ein indischer Spitzenpolitiker Gewalt gegen Frauen verharmlost. Vergewaltigungen geschähen "versehentlich", sagte jetzt Ramsevak Paikra, just an dem Tag, als ein weiteres Verbrechen gegen zwei Mädchen bekannt wurde.

Uttar Pradesh: Die Mutter eines der in Budaun getöteten Mädchen
REUTERS

Uttar Pradesh: Die Mutter eines der in Budaun getöteten Mädchen


Neu-Delhi - Zum zweiten Mal binnen weniger Tage fällt ein Parteifreund des indischen Premierministers Narendra Modi durch deplatzierte Bemerkungen über Vergewaltigungen auf. "Solche Dinge passieren nicht absichtlich. So etwas geschieht versehentlich", sagte der Innenminister des Bundesstaats Chhattisgarh, Ramsevak Paikra, am Samstagabend vor Journalisten.

Paikra, der in der Bharatiya-Janata-Partei (BJP) für Recht und Ordnung zuständig ist, versuchte danach noch, seine Entgleisung mit dem Hinweis zu relativieren, er sei falsch zitiert worden. Mehrere Fernsehsender strahlten die Bemerkungen jedoch im Original aus.

Bereits am Donnerstag hatte der Innenminister des Bundesstaats Madhya Pradesh, Babulal Gaur, für Schlagzeilen gesorgt, weil er sexuelle Gewalt gegen Frauen verharmlost und teilweise verteidigt hatte. Vergewaltigung sei "ein soziales Verbrechen, das von Männern und Frauen abhängt", sagte Gaur vor Journalisten. "Manchmal ist es richtig, manchmal ist es falsch." Jedenfalls könne ermittlungstechnisch "nichts getan werden, solange es keine Anzeige gibt".

Sowohl Gaur als auch Paikra sind Parteifreunde von Premierminister Modi. Die Bharatiya-Janata-Partei (BJP) stellt die Regierung in Indien. Von Gaur hatte sich die BJP-Führung distanziert. Dessen Ansichten würden nicht die der Partei repräsentieren, hieß es. Doch die Entgleisung von Paikra dürfte die BJP nun in Erklärungsnot bringen.

Erneut zwei junge Mädchen Opfer einer Vergewaltigung

Hinzu kommt, dass der Minister sich an genau dem Tag äußerte, als ein weiteres Gewaltverbrechen an zwei Mädchen bekannt wurde. Im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh seien zwei 13 und 15 Jahre alte Schwestern von drei Männern entführt und in einem Waldgebiet vergewaltigt worden, teilte die Polizei mit. Eine ärztliche Untersuchung habe die Gewalttat bestätigt. Die drei Männer wurden festgenommen. Die Tat ereignete sich bereits am Donnerstag.

In Uttar Pradesh waren vor knapp einer Woche die Leichen zweier zwölf und 14 Jahre alter Cousinen gefunden worden, die von mehreren Männern mehrfach vergewaltigt und dann an einem Baum aufgehängt worden waren.

In Indien wird alle 22 Minuten eine Frau vergewaltigt

Dieser brutale Fall hatte die öffentliche Aufmerksamkeit erneut auf die sexuelle Gewalt gegen Frauen in Indien geweckt. Im Dezember 2012 hatte die tödliche Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin in Neu-Delhi Massenproteste gegen die alltägliche Gewalt gegen Frauen ausgelöst. Seitdem wurden die Strafen für Vergewaltiger zwar verschärft - auf Vergewaltigung mit Todesfolge steht nun beispielsweise die Todesstrafe. Frauenrechtsaktivisten zufolge werden Sexualverbrechen jedoch in vielen Fällen bis heute nicht ernsthaft geahndet.

Nach Angaben der Regierung wird in Indien alle 22 Minuten eine Frau vergewaltigt. Aktivisten gehen aber von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus, da die Opfer sexueller Gewalt häufig sozial geächtet werden.

mmq/AFP/dpa

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