Erfundene Vergewaltigung Heidi K. soll 80.000 Euro Schmerzensgeld zahlen

Fünf Jahre saß der Lehrer Horst Arnold unschuldig in Haft, weil eine Kollegin ihn fälschlich der Vergewaltigung bezichtigt hatte. Nun muss Heidi K. 80.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Da Arnold bereits verstorben ist, bekommt seine Tochter die Summe.

Heidi K. im September vor Gericht in Darmstadt: 80.000 Euro Schmerzensgeld
DPA

Heidi K. im September vor Gericht in Darmstadt: 80.000 Euro Schmerzensgeld


Osnabrück - Eine Lehrerin, die einen Kollegen mit erfundenen Vergewaltigungsvorwürfen unschuldig ins Gefängnis gebracht hat, soll 80.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das Landgericht Osnabrück entsprach mit diesem Urteil einem Antrag der Tochter.

Nach einer Falschaussage von K. war Arnold 2002 zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Kassel stellte 2011 jedoch in einem Wiederaufnahmeverfahren seine Unschuld fest. Arnold fand nach seiner Entlassung allerdings nicht mehr in sein altes Leben zurück, musste Hartz IV beziehen. Knapp ein Jahr nach dem Freispruch starb er an Herzversagen.

Seine Mandantin wolle das Schmerzensgeld für das Leid, das ihr Vater wegen der unschuldig in Haft verbrachten Jahre ertragen musste, sagte der Anwalt der Tochter, Hartmut Lierow. "Da er gestorben ist, ist das ins Erbe gefallen." Die Zivilklage habe er bereits vor Beginn des Strafprozesses gegen die Lehrerin eingereicht. "Da wusste ich noch gar nicht, wie das ausgeht."

Weder die 49-jährige Beklagte noch ihr Anwalt erschienen am Donnerstag vor der Zivilkammer des Landgerichts Osnabrück. Daraufhin erließ der Richter ein Versäumnisurteil. Gegen die Entscheidung kann die Verurteilte Einspruch einlegen, sagte Gerichtssprecher Holger Janssen. Das Schmerzensgeld ist aber bereits vorläufig vollstreckbar. Das heißt, die Tochter könnte jetzt schon mittels eines Gerichtsvollziehers das Geld einfordern.

Aufgrund der erfundenen Vergewaltigungsvorwürfe hatte das Landgericht Darmstadt K. wegen Freiheitsberaubung im September zu einer fünfeinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt. Bis zum Schluss hielt die 49-Jährige an ihren Vorwürfen fest. Sie hat Revision gegen das Urteil eingelegt.

gam/dpa

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