Vergewaltigungsfall in Indien DNA-Spuren belegen Schuld der Verdächtigen

Eindeutige Beweise im Fall der brutalen Vergewaltigung in Indien: Laut Staatsanwaltschaft stimmt die DNA des Opfers mit Blutflecken auf Kleidungsstücken der Verdächtigen überein. Den Männern droht die Todesstrafe.


Neu-Delhi - Sechs Männer stehen in Indien im Verdacht, eine Studentin so brutal vergewaltigt zu haben, dass die junge Frau an ihren Verletzungen starb. Ihnen kann die Tat womöglich anhand ihres genetischen Fingerabdrucks nachgewiesen werden. Der für den Fall zuständige Staatsanwalt Rajiv Mohan erklärte am Samstag, dass die Blutspuren an der Kleidung aller sechs Verdächtigen mit der DNA des 23-jährigen Opfers übereinstimmten. Dies habe das Krankenhaus in Singapur festgestellt, wo die schwerverletzte Frau nach dem Verbrechen behandelt wurde und später verstarb.

Die Übereinstimmung gelte sowohl für die fünf festgenommenen Erwachsenen, die zwischen 19 und 35 Jahre alt sind, als auch für einen weiteren Beschuldigten. Dessen Alter muss noch per Knochentest ermittelt werden, soll aber wahrscheinlich unter 18 Jahren liegen. Zudem seien Besitztümer der jungen Frau und ihres Freunds bei den Männern gefunden worden.

Der Fall hatte weltweit für Aufsehen gesorgt und in Indien eine eine heftige Debatte über sexuelle Gewalt ausgelöst. Die Verdächtigen sollen am 16. Dezember eine 23-jährige Studentin vergewaltigt, brutal geschlagen und anschließend aus einem fahrenden Bus geworfen haben.

Der Freund des Opfers warf der Polizei in einem TV-Interview vor, zögerlich reagiert und dadurch wertvolle Zeit verloren zu haben. Die Beamten wiesen das nun zurück, wie die "Hindustan Times" berichtet. Der Notruf sei um 22.22 Uhr eingegangen, bereits um 22:26 Uhr sei der erste Polizeiwagen vor Ort gewesen, ein weiterer zwei Minuten später. Um 22:31 Uhr sei ein Transportfahrzeug mit den beiden Verletzten losgefahren, das 24 Minuten später das Krankenhaus erreicht habe. Dies gehe aus den GPS-Daten der Wagen hervor. Es habe "keine Versäumnisse" der Polizei gegeben.

Der Freund der Getöteten hatte in einem Gespräch mit dem Sender Zee News berichtet, dass die Beamten viel Zeit vertrödelt hätten, bis die Verletzten endlich im Krankenhaus ankamen. "Sie haben untereinander gestritten und konnten sich nicht entscheiden, welche Polizeistation für den Fall zuständig sei. Wir haben sie angefleht: 'Holt uns einen Krankenwagen. Gebt uns etwas zum Anziehen.' 20 Leute standen um uns herum und haben gegafft", sagte der 28-Jährige. Am Ende habe sich einer der Neugierigen erbarmt und ihm ein Betttuch gereicht, um seine entblößte Freundin zu bedecken.

Rechtliche Konsequenzen für TV-Sender?

Auch der Bruder der Toten sagte am Samstag, dass durch schnellere medizinische Hilfe möglicherweise ihr Leben hätte gerettet werden können. Er machte auch den Passanten schwere Vorwürfe, die keine Hilfe leisteten, als die beiden Opfer blutend am Boden lagen.

Vor einem Sondergericht soll nun ein Schnellverfahren ausgetragen werden. Die fünf Männer sind des Mordes angeklagt. Im Fall einer Verurteilung droht ihnen die Todesstrafe. Der sechste Verdächtige, der wohl noch minderjährig ist, dürfte deshalb vor einem Jugendgericht landen.

Die Ausstrahlung des Fernsehinterviews könnte für den Sender rechtliche Folgen haben. Zee News hat damit möglicherweise gegen das Gesetz verstoßen, die Polizei hat Ermittlungen eingeleitet. Es werde geprüft, ob das Interview zur namentlichen Identifizierung des Vergewaltigungsopfers führe, was strafrechtlich verboten sei, sagte Polizeisprecher Rajan Bhagat der Nachrichtenagentur AFP. Zwar wurde der Name des 28-jährigen Mannes nicht genannt, aber er war im Bild zu sehen.

Das Interview hat eine Debatte darüber entfacht, ob sich der TV-Sender richtig verhalten hat. Eine Kommentator der Zeitung "Firstpost" bezeichnete es als eine "Tragödie unserer Zeit", dass ein Fernsehsender Konsequenzen dafür fürchten müsse, wenn er Informationen preisgibt, "die der Öffentlichkeit bekannt sein sollten", die wichtig seien für die politische Agenda.

sto/AFP/dapd/dpa



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