Vergewaltigungsverdacht Ermittlungen gegen Strauss-Kahn eingestellt

Dominique Strauss-Kahn hat ein juristisches Problem weniger: Die Staatsanwaltschaft in Lille ermittelt nicht mehr gegen ihn wegen des Verdachts der Vergewaltigung. Eine Prostituierte hatte Strauss-Kahn bezichtigt, sie zum Sex gezwungen zu haben - nun spricht die Frau von Einvernehmlichkeit.

Strauss-Kahn: Juristischer Etappensieg
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Strauss-Kahn: Juristischer Etappensieg


Lille - Dominique Strauss-Kahn wird sich nicht wegen des Verdachts der gemeinschaftlichen Vergewaltigung vor Gericht verantworten müssen. Die Vorermittlungen gegen den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) seien eingestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft Lille mit.

Bei den Vorwürfen geht es um Partys in Washington im Dezember 2010, als Strauss-Kahn noch IWF-Chef war. Ein belgisches Escort-Girl gab gegenüber französischen und belgischen Ermittlern an, von "DSK" und seinen Freunden zu bestimmten Sex-Praktiken gezwungen worden zu sein. Die Staatsanwaltschaft Lille leitete im Mai Vorermittlungen gegen Strauss-Kahn ein, die nun aber eingestellt wurden.

Zur Begründung erklärte die Staatsanwaltschaft, die Frau habe keine Anzeige erstattet. In einem Schreiben habe sie Mitte August zudem erklärt, den sexuellen Handlungen zugestimmt zu haben. Strauss-Kahn hatte bestritten, Gewalt angewendet zu haben, und die Vorwürfe als Lüge bezeichnet.

Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft ist ein Teilerfolg für Strauss-Kahn und seine Anwälte. Sie forderten dazu auf, auch andere Ermittlungen gegen ihren Mandanten einzustellen. Im Zusammenhang mit der Callgirl-Affäre um Sex-Partys auch in Brüssel und Paris laufen gegen Strauss-Kahn aber weiter Ermittlungen wegen bandenmäßig organisierter Zuhälterei. Ein Gericht im nordfranzösischen Douai will Ende November über einen Antrag von Strauss-Kahns Anwälten entscheiden, die Ermittlungen einzustellen. Der 63-Jährige gibt an, er habe nicht gewusst, dass die Frauen Prostituierte waren.

Strauss-Kahn musste im Mai 2011 als Chef des IWF zurücktreten, nachdem er in New York wegen Vergewaltigung angeklagt wurde. Ein Zimmermädchen beschuldigt den 63-Jährigen, sie in einem New Yorker Luxushotel zum Oralsex gezwungen zu haben. Ein Strafprozess in den USA wurde schließlich fallengelassen, da die New Yorker Staatsanwaltschaft Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Hotelangestellten hatte. Der Zivilprozess läuft noch.

ulz/AFP/Reuters



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AlbertGeorg 02.10.2012
1. Das Ziel ist erreicht
Zitat von sysopAPDominique Strauss-Kahn hat ein juristisches Problem weniger: Die Staatsanwaltschaft in Lille ermittelt nicht mehr gegen ihn wegen des Verdachts der Vergewaltigung. Ein Callgirl hatte Strauss-Kahn bezichtigt, sie zum Sex gezwungen zu haben - nun spricht sie von Einvernehmlichkeit. Vergewaltigungsverdacht: Ermittlungen gegen Strauss-Kahn eingestellt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/vergewaltigungsverdacht-ermittlungen-gegen-strauss-kahn-eingestellt-a-859167.html)
Warum noch ermitteln - das Ziel ist erreicht Strauss-Kahn ist erledigt Ein Schelm wer böses dabei denkt
Eldegar 02.10.2012
2. So ist es
Zitat von AlbertGeorgWarum noch ermitteln - das Ziel ist erreicht Strauss-Kahn ist erledigt Ein Schelm wer böses dabei denkt
Was auch immer tatsächlich geschehen ist, tendenziell konnte ihm bislang wenig nachgewiesen werden und die geänderten Aussagen der Klägerinnen lassen die beiden nicht gerade glaubwürdiger erscheinen. Am Ende wird sich vielleicht herausstellen, dass nichts gewesen ist, aber dennoch wird eine Karriere (politisch motiviert?) beendet worden sein. Schlimm.
FrankH 02.10.2012
3. Gut so
Zitat von AlbertGeorgWarum noch ermitteln - das Ziel ist erreicht Strauss-Kahn ist erledigt Ein Schelm wer böses dabei denkt
Das Ziel hat er mit seinem Lebenswandel und dem regelmäßigen Betrug an seiner Frau selbst geschaffen. Geschieht ihm gerade recht! Solche Typen sind die allerletzten, die wir in der Politik brauchen.
Eldegar 02.10.2012
4. Lebenswandel?
Zitat von FrankHDas Ziel hat er mit seinem Lebenswandel und dem regelmäßigen Betrug an seiner Frau selbst geschaffen. Geschieht ihm gerade recht! Solche Typen sind die allerletzten, die wir in der Politik brauchen.
Was geht Sie sein Lebenswandel an und sein "regelmäßiger Betrug"? Sittenwächter wieder einführen?
felsen2000 02.10.2012
5. Rufmord ist weit verbreitet
Neben der Nazi-Keule ist der Vergewaltigungsvorwurf das meist verbreitete Mittel zum Rufmord heute in Deutschland. Mit diesen beiden Mitteln werden unter tatkräftiger Mithilfe der deutschen Qualitätsmedien bevorzugt konservative Leistungsträger und Politiker abserviert. Ekelhaft - aber da nicht nur Journalisten dieses Spiel mitmachen, sondern viele Bürger gerade zu begeistert sind über die neue Version von Brot und Spiele, wird sich daran auch in Zukunft nichts ändern.
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