Vergewaltigungsvorwürfe Londoner Prozess gegen Lübecker Schüler geplatzt

Die Vorwürfe waren schwerwiegend: Auf einer Klassenfahrt sollen zwei Schüler aus Lübeck in London eine 15-Jährige missbraucht und das Vergehen mit einer Handy-Kamera gefilmt haben. Jetzt stellte das zuständige Gericht in London das Verfahren ein - aus Mangel an Beweisen.


Berlin - Ab Montag kommender Woche hätten sich die beiden 19-Jährigen vor dem Londoner "Southwark Crown Court" verantworten müssen. Sie wurden beschuldigt, eine Bremer Realschülerin während einer Studienfahrt in einem Londoner Jugendhotel sexuell schwer misshandelt zu haben.

Sie sollen das erst 15-jährige Mädchen nach gemeinsamem Feiern mit größeren Mengen Alkohol in einem Hotelzimmer zum Oralsex gezwungen und es dabei mit einer Handykamera gefilmt haben, hieß es zunächst. Nach sechs Tagen in Untersuchungshaft waren die beiden 19-Jährigen gegen Zahlung einer Kaution von knapp 12.000 Euro freigelassen worden. Sie kehrten nach Deutschland zurück.

Gestern Abend dann zog die britische Staatsanwaltschaft die Anklage gegen die beiden Lübecker Schüler überraschend zurück. "Die Anklage wurde fallengelassen, weil die vorliegenden Beweise nicht ausreichten", sagte der Lübecker Anwalt Christian Schumacher, der einen der beiden Schüler vertritt, SPIEGEL ONLINE - und bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag. Dem Verteidiger zufolge sei kein einziger Zeuge angereist, auch das mutmaßliche Opfer habe der Justiz nicht zur Verfügung gestanden. Das Ermittlungsverfahren gegen seinen Mandanten wegen sexueller Nötigung in Lübeck ruhe derzeit. "Ich gehe aber davon aus, dass das Verfahren auch hier eingestellt wird."

Der Verteidiger des Mitangeklagten, Andreas Mroß, freute sich über die Entscheidung: "Es ist natürlich eine große Erleichterung für meinen Mandanten, dass das Verfahren damit beendet ist", sagte er der NDR 1 Welle Nord. Den "Lübecker Nachrichten" hatte Mroß gesagt, das 15-jährige mutmaßliche Opfer habe schon bei der Vernehmung durch die Metropolitan Police deutlich erklärt, dass es keine Strafverfolgung wünsche - aus welchen Gründen, sagte er nicht.

Die angeklagten jungen Männer hatten die Vorwürfe von Anfang an strikt zurückgewiesen. Mitschüler der zwölften Klasse der Possehl-Schule hatten die beiden allerdings stark belastet.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte auch die Staatsanwaltschaft in Lübeck Ermittlungen eingeleitet. Bislang sollen die Londoner Behörden den deutschen Kollegen allerdings keine Akteneinsicht gegeben haben.

ala/dpa/ddp



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