Behinderter Sohn verhungert Mutter soll für neun Jahre ins Gefängnis

Im Prozess um den Hungertod des neunjährigen Marcel hat die Anklage eine Gefängnisstrafe von neun Jahren und sechs Monaten für die Mutter gefordert. Sie hatte gestanden, das behinderte Kind absichtlich vernachlässigt zu haben.


Mannheim - Die 30-jährige Mutter hatte bereits Anfang Februar gestanden, dass sie ihren durch eine Erbkrankheit schwer behinderten Sohn absichtlich verhungern ließ. Sie habe ihm weiteres Leid ersparen wollen, sagte sie.

Das Kind war im Mai 2010 an den Folgen von Mangelernährung und völliger Verwahrlosung in einem Mannheimer Krankenhaus gestorben.

Jetzt betonte Oberstaatsanwalt Reinhard Hofmann vor dem Landgericht Mannheim, die Mutter habe den Tod ihres behinderten Kindes bewusst in Kauf genommen. Es sei allerdings strafmildernd zu berücksichtigen, dass sie bereits mit 17 Jahren Mutter wurde und nie die Chance gehabt habe, zur erwachsenen Frau zu reifen.

Der Verteidiger Steffen Lindberg plädierte auf eine Strafe von nicht mehr als sechs Jahren. Er führte an, dass die Todesursache nicht verdachtsfrei geklärt werden konnte. Außerdem müsse angenommen werden, dass die Ärzte und die Jugendbehörden Fehler bei der Betreuung der Frau und des Kindes gemacht hätten.

Der Staatsanwalt wies das zurück. Ein eventuelles Versagen der Behörden könne aufgrund der Aktenlage und der Zeugenaussagen ausgeschlossen werden. Die Ärzte und das Jugendamt hätten alles in ihrer Macht stehende getan. Der Junge sei in eine Lücke zwischen Gesundheits- und Jugendhilfe gefallen. Das Urteil soll am Mittwoch verkündet werden.

ala/dpa/dapd

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