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Verprügelter Rentner: "Das war Hass auf das Leben"

"Wenn die nochmal gehauen hätten, wäre ich ein Krüppel." Der vor einer Woche in einem Münchner U-Bahnhof überfallene Rentner hat sich erstmals zu dem Angriff auf ihn geäußert. Die beiden jungen Täter seien "Feiglinge", die "Hass auf das Leben" hätten.

München - Ihm gehe es inzwischen "relativ gut", sagte Bruno N. in einem Interview mit der Münchner Tageszeitung "tz". Rund eine Woche nach der brutalen Prügelattacke zweier Jugendlicher in der Münchner U-Bahn, bei der dem 76-Jährigen unter anderem Schädel und Jochbein gebrochen wurden, erholt sich N. nach Angaben des Blattes nun in seiner Wohnung. Er habe nach wie vor Schmerzen, sagte N.

Der pensionierte Realschullehrer schilderte den Tathergang aus seiner Sicht. Einer seiner späteren Angreifer habe sich beim Zusteigen in einen Waggon der Münchner U-Bahnlinie U4, in dem N. bereits saß, eine Zigarette angezündet. Er habe sich N. gegenüber gesetzt und ihn "provozierend und hasserfüllt" angeschaut, so N. Als der Jugendliche ihm Rauch ins Gesicht geblasen habe, habe N. zu ihm gesagt, "In der U-Bahn wird nicht geraucht". Er, sagte N. der "tz", habe sich über "das provozierende Verhalten geärgert".

Daraufhin hätten ihn die beiden Jugendlichen, ein 17 Jahre alter Grieche und ein 20-jähriger Türke, beschimpft. "Deutsches Arschloch, Sau, Schwein und andere Tiere. Dann hat mich einer angespuckt." Er selbst, so berichtete N., habe sich daraufhin zwei Reihen weiter weg gesetzt und Zeitungsrätsel gelöst: "Die Feiglinge haben geduckt unter dem Fenster weiter geraucht."

Auf dem Bahnsteig der Haltestelle Arabellapark sei es dann zu der brutalen Attacke der beiden jungen Männer gekommen. Er könne sich an Schläge auf den Kopf und unter das Ohr erinnern, zudem an einen "Treffer ins Gesicht", bei dem seine Brille zerschmettert worden sei. Er habe eine Frau, die die Tat beobachtete, warnen wollen, sich aber nicht mehr artikulieren können, so N.: "Ich wollte schreien, 'Hau ab! Hau ab!' Aber aus meinem Mund kam kein Ton."

Verzeihen könne er seinen beiden Angreifern nicht, sagte N. "Wenn die mir noch mal auf die Birne gehauen hätten, wäre ich heute ein Krüppel." Das schreckliche Video habe er nicht angeschaut. Über die Täter sagt das Opfer: "Das waren nicht der Alkohol, die Zigaretten und die Drogen. Das war Hass auf mich, auf München und auf das Leben."

Zu der politischen Debatte über eine verschärftes Jugendstrafrecht, die durch den Überfall ausgelöst wurde, wollte sich Bruno N. nicht äußern. Er glaube allerdings nicht, dass die beiden Jugendlichen in München eine Chance auf Resozialisierung hätten. Dies könne nur in einer Umgebung geschehen, "wo sie keiner kennt."

Er sei entschlossen, bei dem Prozess gegen die beiden jungen Männer auszusagen. Der 17-Jährige und der 20-Jährige, die bislang keine Reue über die Tat zeigten, sitzen mittlerweile getrennt in der JVA Stadelheim in Untersuchungshaft.

Im Streit über ein schärferes Jugendstrafrecht lehnt Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) die aus Unionskreisen geforderten Erziehungs-Camps für kriminelle Jugendliche und einen zusätzlichen Arrest zur Abschreckung ab.

Lager, in denen Jugendliche gedemütigt und gedrillt werden, seien "schon wegen des Verstoßes gegen die Menschenrechte" abzulehnen, sagte Zypries. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hatte zuvor für besonders schwere Fälle geschlossene Erziehungs-Camps "mit therapeutischem Gesamtkonzept" gefordert.

Zypries sprach sich erneut gegen den unter anderem von Kauder vorgeschlagenen "Warnschussarrest" aus, der zusätzlich zu einer Bewährungsstrafe verhängt werden könnte. "Die Statistik belegt, dass Jugendliche, die in Haft beziehungsweise Jugendarrest waren, eine höhere Rückfallquote aufweisen als diejenigen, die mit anderen Sanktionen bestraft werden", sagte die Ministerin.

Auch der Kriminologe Christian Pfeiffer sprach sich im SPIEGEL gegen ein verschärftes Jugendstrafrecht aus. Die Forderung nach härteren Gesetzen sehe er als "Wahlkampfprofilierung", die in der Realität jedoch nicht effektiv sei.

pad/dpa

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