Mordverdacht: Deutschland liefert Magnotta nach Kanada aus

Die Berliner Polizei nahm ihn auf seiner Flucht fest - jetzt wurde der mordverdächtige Luka Magnotta in seine Heimat ausgeliefert. Der 29-jährige Pornodarsteller wurde in einem Airbus der kanadischen Luftwaffe nach Montreal geflogen.

Berlin - Der unter Mordverdacht stehende Luka Rocco Magnotta ist am späten Montagnachmittag nach Kanada ausgeliefert worden. Magnotta habe Deutschland an Bord einer Militärmaschine nach Kanada verlassen, teilte das kanadische Justizministerium mit. Justizminister Rob Nicholson sagte, Polizei, Justiz und Regierung hätten eng mit den deutschen Behörden zusammengearbeitet.

Begleitet von sechs kanadischen Polizisten wurde der 29-Jährige in einem Airbus der kanadischen Luftwaffe nach Montreal geflogen. "Wir sind sehr glücklich und erleichtert, dass der mutmaßliche Killer in Montreal ist und sich der Justiz stellen muss", sagte Polizeichef Ian Lafreniere nach der Landung der Maschine dem kanadischen Fernsehen CTV. Das helfe auch der Familie des Opfers.

Bei der Landung auf dem Mirabel-Flughafen bei Montreal wurde die Maschine von einem starken Polizeiaufgebot erwartet. In einem Konvoi aus mehreren zivilen Polizeifahrzeugen und Streifenwagen mit Blaulicht wurde der mutmaßliche Mörder schließlich weggebracht. Bereits am Dienstag müsse Magnotta vor einem Richter erscheinen, sagte Lafreniere.

Der Pornodarsteller soll den chinesischen Studenten Jun L. getötet, die Tat gefilmt, die Leiche zerstückelt und dann Teile davon in Postpaketen an politische Parteien und Schulen in Kanada gesendet haben. Er hielt sich mehrere Tage in Paris auf, bevor er nach Berlin floh. Anfang Juni wurde er in einem Internetcafé im Berliner Stadtteil Neukölln geschnappt. Lafreniere verwies darauf, dass noch immer der Kopf der Leiche fehle. "Im Interesse der Familie tun wir alles, um ihn zurückzubekommen."

In den vergangenen Tagen hatte ein Leichenfund in Frankreich für zusätzliche Verwirrung gesorgt. Im Wald von Vincennes bei Paris hatten Joggerinnen ein abgetrenntes Bein gefunden. Am Freitag entdeckte ein Blindenhund in der Nähe einen Rumpf ohne Beine und Kopf. Am Sonntagabend war dann ein zweiter Rumpf gefunden worden. Bei den Überresten handelt es sich um einen Mann und eine Frau, die zunächst nicht identifiziert werden konnten.

Bereits am Samstag soll sich in diesem Fall ein chinesisches Paar der Polizei gestellt und zugegeben haben, ein anderes chinesisches Paar getötet und zerstückelt zu haben. So wurde es am Montag aus Polizeikreisen bekannt. Angeblich soll das Kind des einen Paares verschwunden sein, während das andere darauf aufpassen sollte. Darüber sei man in Streit geraten, hieß es. Angeblich soll das Kind getötet und in einen Müllsack gesteckt worden sein. Die Polizei versucht derzeit, die Angaben der beiden Chinesen zu überprüfen.

Nach dem Fund des abgetrennten Fußes hatte in Paris die Angst geherrscht, dass der Kanadier Luka Rocco Magnotta die Tat begangen haben könnte.

ala/dapd/AP/dpa

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