"Mord ohne Leiche": Rätsel um das Verschwinden von Maike Thiel

Vor 16 Jahren verschwand Maike Thiel nach einem Krankenhaustermin spurlos - ihre Leiche wurde nie gefunden. Nun stehen ihr Ex-Freund, dessen Mutter und ein 79-Jähriger vor Gericht. Aus Angst vor Unterhaltszahlungen soll die schwangere 17-Jährige ermordet worden sein.

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Angeklagte und Verteidiger vor Gericht: Prozessauftakt in Neuruppin

Neuruppin - Es war der 3. Juli 1997: Maike Thiel verlässt vormittags das Krankenhaus im brandenburgischen Hennigsdorf, etwa 20 Kilometer nördlich von Berlin. Sie ist im achten Monat schwanger, hat eine Routineuntersuchung hinter sich. Am Nachmittag will die 17-Jährige mit einer Freundin shoppen, doch zu dem Treffen kommt es nicht. Maike Thiel verschwindet für immer.

Ihre Leiche wurde nie gefunden - erst vor wenigen Tagen blieb eine Suche in einem Waldgebiet erfolglos. Dennoch gehen die Ermittler davon aus, dass die junge Frau ermordet wurde. Deshalb müssen sich nun, knapp 16 Jahre nach Thiels Verschwinden, ihr heute 34-jähriger Ex-Freund, dessen Mutter und ein 79-Jähriger vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern Mord und der Mutter Anstiftung zum Mord vor.

Laut Staatsanwaltschaft haben die Täter die 17-Jährige "heimtückisch und aus Habgier" getötet. Die Männer sollen die junge Frau unter einem Vorwand ins Auto gelockt haben. Dann fuhren sie, so die Anklage, in ein Waldstück, wo der auf der Rückbank sitzende Senior das Opfer von hinten erdrosselt haben soll. Er soll laut Anklage umgerechnet knapp 1800 Euro von der Mutter von Thiels Ex-Freund erhalten haben. Sie wollte laut Staatsanwaltschaft Unterhaltsansprüche gegen ihren Sohn verhindern.

Der Fall erregte jahrelang großes Aufsehen. Als die Staatsanwaltschaft die Suche einstellte, wollten sich Thiels Eltern damit nicht abfinden. Sie engagierten einen Privatdetektiv, ließen an einer alten Baugrube in Hennigsdorf graben, wo die Leiche angeblich einbetoniert war - ohne Ergebnis. Vor Gericht sind die Eltern nun Nebenkläger.

"Für sie ist es das Allerwichtigste zu erfahren, was mit Maike passiert ist", hatte ihr Anwalt Andreas Steffen vor Prozessbeginn der "Berliner Zeitung" gesagt. "Sie wären froh, wenn einer der Angeklagten redet, endlich sagt, wo Maike ist." Doch die Angeklagten schwiegen zu den Vorwürfen.

Das Verfahren gegen den 79-Jährigen wurde gleich zum Auftakt abgetrennt, um die Verhandlungsfähigkeit des Mannes überprüfen zu lassen. Er ist gesundheitlich angeschlagen und wurde in einem Rollstuhl in den Verhandlungssaal gebracht.

Der Ex-Freund von Maike Thiel war schon früh ins Visier der Ermittler geraten. Doch nachweisen konnten sie ihm nichts. Erst als die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" Thiels Verschwinden noch einmal aufgriff, kam wieder Bewegung in den Fall. Im Anschluss meldete sich eine ehemalige Freundin des Angeklagten. Ihr gegenüber soll er die Tat angedeutet haben.

Dass Maike Thiel weggelaufen sein könnte, schließen die Ermittler aus. Sie habe dafür nicht die Mittel und auch keinen Grund gehabt. Ihre Eltern hätten sie und das Kind voll unterstützt, eine Zukunft mit einer Ausbildung sei geplant gewesen.

Die Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft. Bis zum 15. August sind zwölf Verhandlungstage angesetzt. Weil Thiels Ex-Freund zum Tatzeitpunkt noch minderjährig war, wird der Fall vor der Großen Jugendkammer verhandelt.

hut/dpa

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