Verstoß gegen Waffengesetz Vater des Amokläufers von Winnenden muss vor Gericht

Mit der Pistole seines Vaters erschoss der 17 Jahre alte Tim K. in Winnenden 15 Menschen und sich selbst. Nun steht fest: Der Vater kommt vor Gericht - allerdings nur wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.

DPA

Stuttgart - Am 11. März 2009 marschierte der 17 Jahre alte Tim K. mit der Beretta seines Vaters an seine ehemalige Realschule in Winnenden und erschoss dort und auf seiner anschließenden Flucht nach Wendlingen 15 Menschen und sich selbst.

Die Waffe und die Munition gehörten dem Vater von Tim K. - er hatte sie unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt. Außerdem soll er seinen Sohn beim Kauf von Munition begleitet und von dessen psychischen Problemen gewusst haben.

Nun steht fest: Jörg K. muss sich vor Gericht verantworten.

Das Landgericht Stuttgart hat die Anklage der Staatsanwaltschaft zugelassen. Allerdings muss K. sich nach Angaben vom Donnerstag nicht wegen fahrlässiger Tötung verantworten, sondern nur wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart den Fall mit einem Strafbefehl gegen den Vater beenden wollen. Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger ordnete im November 2009 aber an, eine Klage zu erheben. Der Prozess solle wachrütteln, betonte er.

Nach der Anklageerhebung verzögerte sich das Verfahren jedoch, weil das Landgericht der Staatsanwaltschaft Nachermittlungen in Auftrag gab. Unter anderem mussten Zeugen erneut befragt werden.

Die Ermittler sollten zudem noch klären, ob der Amokläufer den achtstelligen Code für den Waffenschrank seines Vaters kannte. In diesem Fall hätte Tim K. den Amoklauf auch dann verüben können, wenn sein Vater die Waffe eingeschlossen hätte.

siu/dpa

insgesamt 815 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
M@ESW, 12.11.2009
1.
Zitat von sysopMit einer Waffe, die er im Schlafzimmer seiner Eltern gefunden hatte, tötete Tim K. in Winnenden 15 Menschen. Die baden-württembergische Staatsanwaltschaft will nun Anklage gegen den Vater des Amokschützen erheben. Reichen unsere Gesetze zur Lagerung von Schusswaffen aus?
Da besagte Waffe eben gesetzwidrig gelagert wurde, ist es nicht die Schuld des Gesetzes das Tim K. ab diese heran kam. Selbst wenn das neue Gesetz vorschreiben würde sie in Beton einzugießen, hilt das nicht wenn der Besitzer es eben nicht befolgt.
razorfish, 12.11.2009
2. Die Frage ist nicht, ob die Waffengesetze ausreichen...
Die Frage ist weniger, ob die bestehenden Gesetze ausreichen. Viel wichtiger ist, ob es ausreichende Kontrollmechanismen gibt. UND DIE GIBT ES DEFINITIV NICHT! Wer heute zu Hause private Waffen vorhält, muss diese lt. gesetzlicher Vorschrift in Waffenschränken oder Tresoren verwahren, die einem bestimmten Mindeststandard entsprechen. Auch die getrennte Lagerung von Waffen und Munition ist vorgeschrieben. Fakt ist aber, dass es keine einzige Instanz gibt, die dies überprüft! Ob ein entsprechender Schrank angeschafft wird muss ja nicht einmal nachgewiesen werden! Meines Erachtns sollte jeder Waffenbesitzer einmal im Jahr kontrolliert werden und zwar unangemedet. Die Kosten dafür sollte allein der Waffenbesitzer tragen. Aber diese banale Forderung durchzusetzen war ja nicht mal unter Schäuble möglich, der selbst von einem Jugendlichen aus Vaters sogenannter Sportwaffe angeschossen wurde!
Kwisatz Haderach, 12.11.2009
3.
Zitat von M@ESWDa besagte Waffe eben gesetzwidrig gelagert wurde, ist es nicht die Schuld des Gesetzes das Tim K. ab diese heran kam. Selbst wenn das neue Gesetz vorschreiben würde sie in Beton einzugießen, hilt das nicht wenn der Besitzer es eben nicht befolgt.
... Thema verfehlt - das Gesetz muss zwingend vorschreiben, dass großkalibrige Waffen für Privatleute tabu sind, wie in GB ! Aus welchen Gründen sollte denn ein Vereinsmeier eine großkalibrige Selbstladewaffe benötigen ? In GB gehts doch auch !
olek, 12.11.2009
4. Schaunmermal
Zitat von sysopMit einer Waffe, die er im Schlafzimmer seiner Eltern gefunden hatte, tötete Tim K. in Winnenden 15 Menschen. Die baden-württembergische Staatsanwaltschaft will nun Anklage gegen den Vater des Amokschützen erheben. Reichen unsere Gesetze zur Lagerung von Schusswaffen aus?
Ob die Gesetze ausreichen, wird der Ausgang der Gerichtsverhandlung zeigen. Man könnte ja meinen, der der Vater von Tim K. sei schon genug gestraft. Wer aber als Schütze so verantwortungslos mit seinen Waffen umgeht und dadurch den Amoklauf seines Sohnes entscheidend begünstigt, ist mindestens der fahrlässigen Tötung schuldig und sollte empfindlich bestraft werden. Der Staatsanwaltschaft sollte es gelingen, den Tatbestand zu beweisen und das Gericht sollte auch keinen "Horrorbonus" vergeben, weil der Mann ja schon genug gestraft sein mag. Es kann nur darum gehen anderen Schützen endlich klar zu machen, dass Waffen nicht in den Schlafzimmerschrank gehören. Gelingt es der Staatsanwaltschaft ein angemessenes Urteil zu erreichen, brauchen wir keine neuen Gesetzte. Fahrlässige Tötung ist kein Kavaliersdelikt.
Colorful, 12.11.2009
5. Verantwortungsvoll
Zitat von sysopMit einer Waffe, die er im Schlafzimmer seiner Eltern gefunden hatte, tötete Tim K. in Winnenden 15 Menschen. Die baden-württembergische Staatsanwaltschaft will nun Anklage gegen den Vater des Amokschützen erheben. Reichen unsere Gesetze zur Lagerung von Schusswaffen aus?
Generell: Wenn jemand eine Schusswaffe offen rumliegen lässt, dann ist es ihm auch egal ob er die Waffe legal oder illegal besitzt. Im letzteren Fall kommt nicht einmal jemand nachschauen (darf es auch gar nicht), ob er sie denn auch im zertifizierten Tresor aufbewahrt. Gesetze ändern daran gar nichts. Schärfere Gesetze erleichtern diesen Leuten nur die Entscheidung zur illegalen Waffe.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.