Verurteilter US-Politaktivist Mumia Abu-Jamal entgeht der Todesstrafe

Mumia Abu-Jamals jahrelanger Kampf gegen die eigene Hinrichtung sorgte weltweit für Furore. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft in Philadelphia die Forderung nach der Todesstrafe für den ehemaligen Journalisten fallengelassen. Er soll einen Polizisten erschossen haben, beteuerte aber stets seine Unschuld.

Häftling Abu-Jamal: Anklage fordert nicht mehr die Todesstrafe
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Häftling Abu-Jamal: Anklage fordert nicht mehr die Todesstrafe


Philadelphia - Der Fall Mumia Abu-Jamals beschäftigt die US-Justiz seit Jahrzehnten, sein Kampf gegen die Hinrichtung ist weltweit zum Symbol für die Gegner der Todesstrafe geworden. Jetzt steht fest: Die Kampagnen waren erfolgreich. Die Staatsanwaltschaft in Philadelphia hat die Todesstrafe gegen den ehemaligen Black Panther fallengelassen. Die Entscheidung sei von Staatsanwalt Seth Williams nach Absprache mit der Witwe eines getöteten Polizisten gefällt worden, gab die Anklage am Mittwoch bekannt.

Der schwarze Journalist Abu-Jamal wurde 1982 für schuldig befunden, am 9. Dezember 1981 den Polizisten Daniel Faulkner erschossen zu haben. Er hatte stets seine Unschuld beteuert. Aktivisten weltweit kritisierten, Abu-Jamal sei wegen seiner Hautfarbe und seiner politischen Gesinnung verurteilt worden.

Die "Free Mumia"-Bewegung machte sich für den heute 58-Jährigen stark. Die Schauspieler Mike Farrell und Tim Robbins gehörten zu den Unterstützern einer Anzeige in der "New York Times", die für ein neues Verfahren warb. Die Beastie Boys gaben ein Benefizkonzert, um Geld für die Verteidigung Abu-Jamals zu sammeln.

Der Schuldspruch für Abu-Jamal war dennoch durch die Instanzen aufrecht erhalten worden. Ein Gericht hatte jedoch eine Neuanhörung zum Strafmaß angesetzt, weil der Jury möglicherweise missverständliche Informationen gegeben worden waren. Der Oberste Gerichtshof der USA hatte es im Oktober abgelehnt, sich mit dem Fall zu befassen. Dadurch war die Staatsanwaltschaft gezwungen zu entscheiden, erneut die Todesstrafe oder eine lebenslange Haftstrafe zu beantragen.

"Ich habe keinen Zweifel, dass Mumia Abu-Jamal Faulkner erschossen und getötet hat", sagte Staatsanwalt Williams. Abu-Jamal werde "den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen, wo er hingehört". Die Staatsanwaltschaft habe "das Richtige getan", sagte Anwalt John Payton. "Nach drei langen Jahrzehnten war es an der Zeit, das Streben nach der Todesstrafe für Abu-Jamal zu beenden."

ulz/AFP/dapd/AP



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